Luise Neuhaus-Wartenberg
Danke schön, Herr Präsident. Herr Peschel, ich muss Ihnen wirklich sehr deutlich widersprechen. Ich weiß nicht, ob Sie letzte Woche in einem anderen Estland waren als ich. (Heiterkeit der Abg. Sabine Friedel, SPD – Zuruf von der AfD) – Kann vielleicht sein, ja. Ich glaube aber, Sie dort gesehen zu haben. Ich kann auch sagen, dass in all den Gesprächen, die wir dort geführt haben, eben nicht der Leistungsgedanke im Bildungssystem im Vordergrund stand, sondern dort sind Sätze gefallen wie: Niemand soll sitzenbleiben. (Zuruf des Abg. Dr. Rolf Weigand, AfD) Es sind Sätze gefallen wie: Wenn Schülerinnen und Schüler etwas länger brauchen, um ihre Abschlüsse zu machen, ist das gar kein Problem. Wir gehen auf die unterschiedlichen Schülerinnen und Schüler ein, auf Langsamkeit, auf Geschwindigkeit im Allgemeinen usw. Vor allem ist mitgeteilt worden, dass es hauptsächlich darum geht, dass Bildung ein Leben lang halten muss und dass es vor allem der Umgang mit Wissen ist und nicht das von Ihnen Dargestellte. Das wollte ich noch einmal sagen. (Beifall bei den LINKEN und der SPD) Jetzt möchte ich etwas zu den Rahmenlehrplänen sagen. Wir haben das schon einmal beantragt und diskutiert, aber ich finde, dass es ein spannender Gedanke ist, der vom Ende her gedacht wird. So wurde es uns in Estland mitgeteilt. Die Zielformulierung und wie die einzelne Schule, die einzelne Lehrkraft zu diesem Ziel kommt, ist im Prinzip schulautonom möglich. Ich finde, das ist ein sehr diskutabler Gedanke. Letzter Punkt. Ich hoffe, dass wir das Bildungsland 2030 und den Prozess, der jetzt begonnen hat, wirklich ernst nehmen und zum Erfolg führen. Ich denke, die Verantwortung liegt nicht nur beim Hohen Haus. Es gibt Zungen, die prophezeien – ob ich das teile oder nicht, steht auf einem anderen Blatt –, dass das hoffentlich nicht nur ein Alibi dafür ist, dass wir davon ausgehen, dass in fünf Jahren die Schülerzahl sowieso wieder gesunken ist und wir das jetzt nur irgendwie überbrücken müssen. Das wäre dramatisch. Selbst wenn wir in fünf Jahren weniger Schülerinnen und Schüler hätten, kann ich nur sagen, wäre es eine ganz wunderbare Vorstellung, dass eine Lehrkraft dann nicht vor 27 Schülern steht, sondern vor 15. Das ist kein finanzielles Problem, sondern eine gute Sache. Herzlichen Dank. (Beifall bei den LINKEN)
