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Sabine Friedel

SPD 01.06.2023 Sitzungen 7/72

Vielen Dank, Herr Präsident. Ich möchte nur kurz – wir sind ja am Beginn des Prozesses – auf einige Ausführungen eingehen. Herr Dr. Weigand, Sie sind Mitglied in einer Partei, die für sich in Anspruch nimmt, als einzige den Leuten zuzuhören. (Dr. Rolf Weigand, AfD: Ich höre zu, ich bin multitaskingfähig!) Dann hören Sie doch einmal den Schülerinnen und Schülern zu, wenn sie über Schule und Bildung sprechen, wenn sie erzählen, was sie meinen, wie sie die Schule für ihr späteres Leben rüstet! (Dr. Rolf Weigand, AfD: Auch den Eltern!) Hören Sie doch einmal auf die Betroffenen! Das ist ja immer Ihr Fokus. Hören Sie auf die Schülerinnen und Schüler, darauf, was die Ihnen sagen. Das sind diejenigen, um die es in unserem Schulsystem zuallererst geht: um deren Bedürfnisse. Deshalb ist es wichtig, auf diese Bedürfnisse zu achten. (Zurufe des Abg. Dr. Rolf Weigand, AfD) Dass Sie das Zuhören nicht so genau nehmen, weiß ich. Man kann auch nicht zuhören, wenn man gleichzeitig spricht; das wissen Sie vielleicht noch nicht. Solche Worte wie Frontalunterricht, Noten, Hausaufgaben kamen in meinem Redebeitrag überhaupt nicht vor. Was stattdessen vorkam, war der Appell oder der Wunsch, die Bereitschaft, vermeintliche Gewissheiten infrage zu stellen und ernst zu nehmen. Um zu zeigen, dass es uns damit ernst ist, habe ich mit vermeintlichen Gewissheiten unserer Partei, der SPD, begonnen; denn die Bereitschaft, so etwas infrage zu stellen, ist der eigentliche Kern vom Lernen. Beim Lernen geht es immer und immer wieder darum, zu hinterfragen: Stimmt das denn noch, was ich glaube? Das, was Sie hier erzählen, erzählen Sie ja seit Jahren immer mit den gleichen Worten und immer zu den gleichen Themen, egal, worum es überhaupt geht. (Sebastian Wippel, AfD: Braucht man das denn?) Die Bereitschaft zu lernen ist der Kern von Schule, den es freizulegen gilt. Diesbezüglich gibt es viel Gelegenheit in dieser Debatte. Ich denke, eine solche Debatte darf keine Tabus haben, bis auf zwei. Ich würde allen, die diese Debatte führen, gern vorschlagen, zwei Sätze zu tabuisieren. Diese Sätze lauten: „Das haben wir schon immer so gemacht“ und „Das haben wir noch nie so gemacht.“ (Beifall bei der SPD und vereinzelt bei der CDU) Das sind die Sätze, die in solchen Debatten nicht kommen sollten. Stattdessen ist die Frage in den Mittelpunkt zu stellen: Wozu machen wir Bildung? Was ist das Ziel von Bildung? Aus unserer Sicht besteht der Zweck im Kern für jeden darin, im Arbeitsleben, in der Familie selbstbestimmt ein gutes und zufriedenes Leben zu führen, und dass die Schule – – (Sebastian Wippel, AfD: Ach Gott!) – Ach Gott! – Uns ist es wichtig, dass es den Menschen gut geht, dass sie gut und zufrieden leben können. Dass das mit der Lebenszufriedenheit nicht Ihre Sache ist, zeigt Ihre Kommunikation. Sie tragen nicht dazu bei, dass Menschen zufrieden sind. Sie sehen den Kern ihrer Existenz darin, Menschen unzufrieden zu machen. Das wissen wir. Uns geht es darum, Menschen für ein Leben zu rüsten, damit sie, wenn sie 80, 90 Jahre alt sind, sagen: Ich habe gern und gut gelebt, und ich konnte selbst entscheiden, was ich tue und wie ich es mache. Ich denke, die Schule kann einiges dazu beitragen. Insofern: Wenn diese Frage im Zentrum der Auseinandersetzung steht, dann ist viel für die Überlegung erreicht. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD und der Staatsregierung)

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