landtag.sachsen.de ↗

Dr. Rolf Weigand

AfD 01.06.2023 Sitzungen 7/72

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Mit dem „Bildungsland 2030“ neue Wege gehen, ist heute das Debattenthema. Wir müssten eigentlich sagen: Zurück zur alten Stärke; denn das ist dringend notwendig. Die IGLU-Studie 2021 zeigt: Jeder vierte Viertklässler kann nicht richtig lesen. Sie wollen aber mit dem Bildungsland 2030 die Hausaufgaben und damit auch das Lesen zu Hause als Hausaufgabe infrage stellen. Das halten wir für völlig falsch. Es ist wichtig, dass zu Hause gelesen wird, dass es Hausaufgaben mitgibt, meine Damen und Herren. Es gibt ja auch, Herr Hartmann, eine Erziehungspflicht der Eltern. Wir müssen die Eltern also auch im schulischen Bereich mit ins Boot holen. Frau Friedel, Sie haben gerade gesagt: Die Schule soll dafür sorgen, dass ein Kind lernt, eine Lampe zu wechseln. – Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen, ich sehe da auch das Haus, die Eltern in der Pflicht, dass man den Kindern gewisse Sachen beibringt. „Eine Lampe wechseln“ sollte definitiv mit dabei sein. Also, ich bin meinen Eltern dankbar, dass sie mir vieles Handwerkszeug mit an die Hand gegeben haben. (Zuruf des Abg. Christian Hartmann, CDU) Diese alte Stärke sollten wir uns bewahren. Wir sollten dabei auch über Mindestanforderungen unserer Vorschüler sprechen. Wie kommen sie denn eigentlich aus der Kita in die Schule rein? (Christian Hartmann, CDU: Ja!) Ein Drittel der Vorschüler in Sachsen hat Sprachdefizite. Dem müssen wir uns annehmen. Das heißt, nicht noch weiter das Niveau senken, sondern die Spracherziehung schon in den Kindertageseinrichtungen stärken. Alles, was wir frühzeitig lösen, brauchen wir später nicht mühsam nachjustieren. Dabei geht es auch um motorische und um Sprachfähigkeiten. All das müssen wir diskutieren. Wir müssen auch mal ehrlich über die offenen Konzepte diskutieren. Ich hatte erst gestern ein Gespräch mit zwei Schulleitern in meinem Wahlkreis. Sie sagten: Durch dieses offene Konzept merken wir, dass wir in der Kita oder dann in der Grundschule riesengroße Sachen ausgleichen müssen. Ich glaube, wenn wir viel Personal hätten, würde ein offenes Konzept auch gut an den Kindertageseinrichtungen funktionieren. Aber mit der aktuellen Personalausstattung, wenn zum Beispiel eine Erzieherin 20 Kinder betreut, ist es eben nicht möglich, ein gutes, offenes Konzept zu haben. Deshalb müssen wir darüber reden, welche Mindestanforderungen wir brauchen. Wir brauchen beim Thema Digitalisierung – auch das ist Thema im Bildungsland 2030 – Digitalisierung mit Augenmaß. Das hat uns, denke ich, die Bildungsreise nach Estland letzte Woche vor Augen geführt. Darüber wird viel öffentlich geschrieben: Estland ist weit vorn, weil sie gut digitalisieren. Doch was digitalisiert denn Estland? Die haben perfekt ihre Verwaltung durchdigitalisiert. Als wir durch die verschiedenen Institutionen gegangen sind, kam dann heraus: Oh, es gibt noch Frontalunterricht in Estland! Viele Lehrer nutzen gar nicht digitale Medien. Ich habe in verschiedenen Institutionen, auch im Bildungsministerium, gefragt: Haben Sie denn Erhebungen in Estland zu Unterschieden zwischen Schulen, die digital unterrichten, und Schulen, die frontal unterrichten? Sehen Sie da Unterschiede? Das konnte mir niemand beantworten. Also zu sagen, wir müssten alles durchdigitalisieren, ist der falsche Weg. Denn auch Estland zeigt, dass sie zunehmend ein riesengroßes Problem mit Mobbing bekommen, weil sich das in den digitalen Raum verlagert. Wir müssen also die Digitalisierung mit Augenmaß durchführen. Estland hat auch Liebe zur Heimat, zur Tradition gezeigt. Genau dahin müssen wir zurückkehren, auch im schulischen Alltag. Ich sage nur: Heimatverbundenheit durch einen Schulgarten. Estland hat auch gezeigt, dass dort der Leistungsgedanke riesengroß geschrieben wird. Sie hingegen wollen mit dem Bildungsland 2030 den Leistungsgedanken infrage stellen, auch das Messen, das Notengeben. (Zuruf des Staatsministers Christian Piwarz) – Schauen Sie doch auf Ihre Umwelt. (Zuruf des Staatsministers Christian Piwarz) – Ja, es steht drauf, dass es infrage gestellt werden soll, Herr Piwarz. Wir meinen, und deshalb diskutiere ich doch – – Da müssen Sie nicht immer reinrufen. (Staatsminister Christian Piwarz: Doch, das ist mein gutes Recht!) – Das ist Ihr gutes Recht. Aber Sie sind ja auch Kultusminister, da sollten Sie auch Vorbild für die Schüler sein. (Sebastian Wippel, AfD: Super! – Beifall bei der AfD) Wir wollen mit den Noten und den Leistungsmessungen auch das Bildungsniveau in Sachsen hochhalten. Wir sollten an den preußischen Tugenden (Zuruf des Staatsministers Christian Piwarz – Glocke des Präsidenten) von früher festhalten. Sie wollen weiterhin darüber diskutieren, mehr „Demokratieerziehung“ und „Haltung“ in die Schule hineinzubekommen. Die Neutralität der Schule wird ja immer mehr ausgehebelt. Die richtige Haltung für die Schüler zählt. Massenmigration findet nicht statt. Klimahysterie über alles, aber bitte ohne MINT. Die Frage ist: Wie wollen wir denn komplexe Prozesse ohne die MINT-Fächer verstehen? Eine digitale Oberfläche löst nicht alle Probleme, wenn ich nicht weiß, wie komplex der Prozess ist. Ich muss ihn also verstehen: Ich brauche mathematisch-naturwissenschaftliche Grundlagen, ich brauche längeres gemeinsames Lernen, ich brauche eine starke wirtschaftliche Ausrichtung. Dazu wird mein Kollege Peschel noch sprechen. Und nicht zuletzt: Wenn es der Kultusminister mit „er möchte nicht gendern“ ernst meint, dann sollte er auch aus dem „Bildungsland 2030“ den Begriff Mitarbeitende streichen. Wir sollten mit dem „Bildungsland 2030“ zur alten Stärke zurückkehren. Vielen Dank. (Beifall bei der AfD)

Alle Reden von Dr. Rolf Weigand Protokoll ↗