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Romy Penz

AfD 27.04.2023 Sitzungen 7/70

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Mehr als ein Drittel aller sächsischen Vorschüler weist Sprachdefizite auf; das wurde schon benannt. Die Ursachen dafür sind vielfältig; auch darüber wurde schon gesprochen. Mit Kindern sprechen, Kindern zuhören, Kindern Geschichten vorlesen oder einfach ausreichend Zeit mit Kindern verbringen – all dies sollte selbstverständlich im Alltag von Familien sein. Die Realität ist leider eine andere. Eltern haben immer weniger Zeit. Das Tablet ersetzt oft das Vorlesen. Es ist also nicht überraschend, dass der zunehmende Medienkonsum bei Kleinkindern zu Verzögerungen oder gar Rückschritten in der Sprachentwicklung führt. Kita- und Schulschließungen während Corona haben bestehende Probleme zusätzlich verstärkt. Am Ende steht immer dasselbe Fazit: Die Kinder sind die Leidtragenden. Dabei bestimmen die sprachlichen Fähigkeiten eines Kindes nicht nur seine soziale Anbindung oder sein Selbstwertgefühl; nein, sie prägen auch den späteren Bildungs- und Berufsweg. Letzten Sommer entschied die Ampelregierung in Berlin, die Sprachförderung der Kita-Kinder zu streichen. Begründung: Das ist Aufgabe der Länder. Das war nicht nur unerwartet und kurzfristig, sondern unüberlegt und kurzsichtig. Ein Sprachprogramm für Kinder gerade jetzt einzustellen und finanziell den Ländern aufzubürden, ist angesichts der aktuellen Lage dreist und ignorant: zwei Jahre Corona, Zustrom tausender ukrainischer Familien und unkontrollierte Migration nach Deutschland. Immerhin war der Druck auf Berlin so groß, dass die Bundesregierung wieder ein Stück zurückrudern musste. Gnädigerweise gewährt man den Ländern eine Übergangsfrist bis Sommer 2023. Allerdings ist das nicht überraschend, zumindest für uns nicht; für viele Kitas ist das eben schon zu spät. Sie verlieren ihre Sprachfachkräfte. Diese Fachkräfte für sprachliche Bildung sind eben nicht einfach zusätzliche Erzieher. Sie haben das gesamte Kita-Team beraten und unterstützt, um im Kitaalltag die sprachliche Entwicklung der Kinder zu fördern. Sie haben neue Ideen entwickelt oder Verbesserungsvorschläge gemacht, um unter anderem auch die Eltern mitzunehmen. Sie haben im Sinne der Kinder gedacht. Ja, und nun? Nun geht es wieder zulasten der Kinder. Meine Damen und Herren Abgeordnete! Die AfD-Fraktion hat noch vor dem Haushaltsbeschluss im letzten Jahr die Regierung aufgefordert, ein eigenes Landesprogramm aufzulegen. Dazu haben wir auch die entsprechend notwendigen Mittel vorgeschlagen: 80 Millionen Euro für qualifizierte Sprachfachkräfte in allen Kitas. Ziel war es, schnellstmöglich und damit nahtlos die Sprachförderung im Kindergarten fortzuführen und flächendeckend auszubauen und die bereits tätigen Sprachfachkräfte in den Kitas zu halten. Und was haben Sie gemacht? Das, was Sie aus ideologischen Gründen immer tun: Sie haben unsere Anträge abgelehnt. Aber nicht nur das, sondern Sie haben groß verkündet, ein eigenes, viel besseres Programm aufzulegen. Und nun? Nun haben Sie Ihren großen Wurf mit sage und schreibe 11 Milliönchen Euro im Haushalt veranschlagt. Das reicht ja nicht einmal, um die bereits bestehenden Fachkräfte in den geförderten Einrichtungen zu finanzieren, geschweige denn, flächendeckend Sprachbildung zu verankern. Es sind mittlerweile nicht nur einzelne Einrichtungen, die dringend Unterstützung für die Sprachförderung brauchen; nein, in ganz Sachsen wächst der Druck auf Erzieher, Sprachdefizite oder fehlende Sprachkenntnisse aufzufangen. Ihre glorreiche Idee, dass sich die bisherigen Sprachfachkräfte auf die neu geschaffenen Erzieherstellen bewerben sollen, ist völlig weltfremd. Erstens sind viele keine ausgebildeten Erzieher, und zweitens sollte eine qualifizierte Sprachkraft nicht das Loch des Erziehermangels stopfen. Meine Damen und Herren Abgeordnete! Ihr Antrag enthält natürlich auch gute Vorschläge für ein Landesprogramm: erstens die Weiterbildung von Erziehern, zweitens Geld für Materialien oder drittens die Unterstützung für pädagogische Konzepte. Wo aber bleibt neben den Koordinierungsstellen, Beratung und Qualitätssicherung denn der ganz pragmatische Ansatz? Wo ist die regelmäßige intensive und individuelle Sprachförderung in allen Kindertageseinrichtungen? Warum müssen Kinder nach der Kita am späten Nachmittag noch zum Logopädentermin gehen? Warum kann dies nicht in jeder Einrichtung durch mindestens eine dafür ausgebildete Sprachkraft, zum Beispiel einen Logopäden, geschehen? Sie, werte Regierungskoalition, haben in der Aussprache zu unserem Antrag noch verkündet, dass allen Kindertageseinrichtungen eine zusätzliche Fachkraft vor Ort ermöglicht werden soll. Wo ist dieser konkrete Punkt in Ihrem Antrag? Ich habe ihn nicht gefunden. Die Betonung liegt auf „ermöglichen“, nicht auf einer Willensbekundung. Daher möchten wir mit unserem Änderungsantrag diese Lücke schließen. Wir wollen, dass die Sprachbildung und die Sprachförderung unserer Kinder auch in Zukunft mit ausreichenden personellen und finanziellen Mitteln gesichert ist. Wir wollen, dass alle Kinder gute Chancen haben, ganz egal, aus welchem Elternhaus sie kommen. Mit Ihrem Antrag und unserem Änderungsantrag kann man das möglich machen. Bei Ihrem Antrag handelt es sich um einen Prioritätenantrag. Wenn Kinder bei Ihnen wirklich Priorität haben, so wie bei uns, dann stimmen Sie unserem Änderungsantrag zu. Vielen Dank. (Beifall bei der AfD) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Kollegin Penz sprach für die AfD-Fraktion. Für die Fraktion DIE LINKE spricht nun Kollegin Tändler-Walenta; bitte schön.

Alle Reden von Romy Penz Protokoll ↗