Christin Melcher
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sprachliche Bildung ist eine, wenn nicht sogar die Voraussetzung für einen erfolgreichen Lebens- und Bildungsweg. Mit Hilfe von Sprache entdecken die Kinder die Welt. Sprache formt das Denken. Kinder lernen durch Sprache, sich anderen mitzuteilen und Beziehungen aufzubauen. Ein berühmter Philosoph, Ludwig Wittgenstein, schrieb einmal in seinem Tractatus: „Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt.“ Wir BÜNDNISGRÜNE und wir als Koalition insgesamt wollen, dass die sprachliche Welt der Kinder grenzenlos ist, liebe Kolleginnen und Kollegen. Doch gleichzeitig werden bei jedem dritten Kind Auffälligkeiten in der sprachlichen Entwicklung festgestellt – und das Jahr für Jahr. Bei den Schulaufnahmeuntersuchungen zum Schuljahr 2021/2022 hatten rund 35 % der untersuchten Kinder einen Befund im Bereich Sprache bzw. Sprechen. Befund heißt hier gleichwohl nicht, dass immer auch eine Behandlung folgen muss. Befund heißt aber in vielen Fällen, dass die Welt der Sprache ein bisschen kleiner ist als sie sein könnte, dass die Grenzen ein wenig enger gezogen sind, die Hürden und vielleicht auch die Konflikte etwas größer. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sprachliche Bildung ist eine Kernkompetenz. Sprachförderung in der frühkindlichen Bildung ist daher ein Muss. Die Sprachförderung obliegt in erster Linie den Erzieherinnen und Erziehern in den Einrichtungen. Sie sind es, die täglich mit den Kindern interagieren – im Morgenkreis, bei den Mahlzeiten, beim Spiel oder in den Ruhezeiten, kurzum im Kita-Alltag. Eine alltagsintegrierte sprachliche Bildung ist ohne die pädagogischen Fachkräfte nicht zu leisten, liebe Kolleginnen und Kollegen. Wir haben im Doppelhaushalt 2023/2024 auch ein ordentliches Kita-Paket geschnürt. Dieses Kitapaket ist 200 Millionen Euro schwer. Anders als mitunter dargestellt, halte ich es keineswegs nur für Peanuts. Teil des Paketes ist auch die Fortführung der Sprachförderung nach dem Aus der Sprach-Kitas im Juli dieses Jahres. Bereits im Januar hat das Kultusministerium Eckpunkte eines Landesprogramms skizziert. Ich freue mich, dass das Landesprogramm nun auch durch diesen vorliegenden Antrag weiter an Konjunktur gewinnt. Liebe Kolleginnen und Kollegen, was haben wir genau vor? Erstens. Wir wollen die alltagsintegrierte sprachliche Bildung in die Fläche bringen. Zweitens. Wir wollen das Programm landesweit wirksam machen. Drittens. Wir wollen den Hort und die Kindertagespflege einbeziehen. Ich sage es an dieser Stelle noch mal sehr deutlich: Eine unkritische Übernahme des Bundesprogramms in Landesregie war und ist nicht unser Ziel gewesen. Vielmehr ist es uns wichtig, das fortzuführen, was mit dem Bundesprogramm begonnen wurde, nämlich die Professionalisierung der pädagogischen Fachkräfte. Auch die Sprachfachkräfte aus dem Bundesprogramm waren in erster Linie Erwachsenenbildnerinnen und -bildner. Ihre Aufgabe war es, die Kompetenz der Erzieherinnen und Erzieher im Bereich Sprachförderung zu schulen und zu stärken. Und genau daran knüpfen wir jetzt an. Mit dem Landesprogramm sollen in jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt Sprachmentorinnen und -mentoren tätig werden. Durch die Anbindung an die örtlichen Jugendämter erhoffen wir uns Synergieeffekte. Das Bundesprogramm hat zudem stark von umfangreichen Overhead-Strukturen profitiert. Auch das wollen wir mit unserem Landesprogramm adaptieren. Eine Koordinierungsstelle wird das Programm steuern sowie mit dem Monitoring, mit der Qualitätssicherung und auch mit der Evaluation betraut werden. Mit dem Landesprogramm sollen Kitas und Kindertagespflegepersonen zielgruppengerechte Angebote zur Sprachförderung in der Kita erhalten. Die Palette soll von universellen Angeboten bis hin zur speziellen Begleitung von Trägern und Einrichtungen reichen. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Damit nutzen wir ganz konkret die gemachten Erfahrungen sowie die aufgebauten Strukturen und Kompetenzen aus dem Bundesprogramm. Damit bleibe ich bei meiner Einschätzung: Das Landesprogramm schafft eine echte Anschlussperspektive, sowohl für die im Bundesprogramm tätigen Fachkräfte als auch für die sächsischen Kindertageseinrichtungen. Ich freue mich über Ihre Unterstützung dieses Vorhabens und bitte daher um Zustimmung zu dem vorliegenden Antrag. Vielen Dank. (Beifall bei den BÜNDNISGRÜNEN, der CDU, der SPD und der Staatsregierung) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Kollegin Melcher sprach für die Fraktion BÜNDNISGRÜNE. Nun spricht für die SPD-Fraktion – – (Juliane Pfeil, SPD: Wir verzichten in der ersten Runde!) – Danke. Dann übergebe ich das Wort an Frau Kollegin Penz, Fraktion der AfD; bitte schön.
