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Volkmar Zschocke

GRÜNE 27.04.2023 Sitzungen 7/70

Danke, Herr Präsident! Verehrte Abgeordnete! Lassen Sie mich noch mal einen Blick in die besonders betroffenen Regionen werfen. Der Raum Leipzig ist ein sehr attraktiver Raum. (Marco Böhme, DIE LINKE: Ehrlich?) Er zieht viele Menschen an, viele Unternehmen siedeln sich dort an. Damit wächst beispielsweise der Wasserbedarf für die Versorgung, für die Reinigung und Verdünnung der Abwässer oder auch für die Einhaltung der Wasserqualität der vielen schönen Seen, die dort entstehen. Ohne ausreichend Wasser funktioniert auch der Wassertourismus nicht. Auch der Auwald – die Leipziger wissen ihn zu schätzen – braucht viel Wasser, damit er nicht abstirbt. Für all diese steigenden Bedarfe ist das Wasser heute schon nicht mehr vorhanden. Deshalb wird es täglich aus der Mulde über den Berg gepumpt, um zum Beispiel das Kraftwerk Lippendorf zu kühlen oder den großen Durst von Dow Chemical im Süden von Leipzig zu befriedigen. Im Sommer kommt die Mulde jetzt schon regelmäßig an ihre Grenzen – sie kann nicht endlos Wasser abgeben. Die Flutung der größten Tagebauseen in der Region steht aber eigentlich noch bevor: Mindestens 1,6 Millionen Kubikmeter Wasser werden dafür benötigt. Die Weiße Elster oder die Pleiße werden es kaum schaffen. Wenn die Seen dann irgendwann geflutet sind, steigen die Wasserverluste durch die Verdunstung. Historisch hat es solche gigantischen Wasserflächen in der Region nie gegeben. Jetzt wird schon darüber diskutiert, ob man dann vielleicht noch Wasser aus der Saale abpumpen müsse, um das aufrechtzuerhalten. Ich will hiermit jetzt kein Schreckensszenario zeichnen, meine Damen und Herren, aber es wird hoffentlich klar, dass das ohne eine großräumige wasserwirtschaftliche Steuerung künftig nicht mehr geht und vielleicht auch nicht alle hochfliegenden Pläne des Gewässertourismus die erste Priorität dabei haben. Ähnlich ernst ist die Situation in der Lausitz. Hier hat das Umweltbundesamt aktuell untersucht, wie viel Wasser in den Lausitzer Flüssen künftig fehlen wird. Letzte Woche hat die Staatsregierung entschieden, dass es dazu eine Vereinbarung mit dem Land Brandenburg und dem Bund geben soll. Dabei geht es um ein länderübergreifendes Grundwassermodell für die Lausitz, das dann die Basis für die künftige Wasserbewirtschaftung in der gesamten Lausitz werden soll. Aber ein solches Modell schafft kein zusätzliches Wasser. Jedes Kind versteht, dass, wenn das Wasser zeitweise knapp wird, es anders eingeteilt oder besser genutzt werden muss, zum Beispiel in der Industrie durch mehr Kreislaufwirtschaft auch beim Wasser. Die Versorgung mir Brauchwasser oder Industriewasser muss von der Trinkwasserversorgung konsequent abgekoppelt werden. In der Landwirtschaft – Herr Winkler hat es sehr schön erklärt – braucht es einfach andere, sparsamere Techniken, zum Beispiel Tröpfchenbewässerung, oder Pflanzen, die mit der Trockenheit besser klarkommen. Auch der Boden kann und muss anders bearbeitet werden, damit er wieder mehr Wasser speichern kann. Die Bedeutung der Wälder und Feuchtgebiete als Wasserspeicher ist in der ersten Runde angesprochen worden, und das gilt für ganz Sachsen. Herr Hein, wenn Sie sich mit dem Thema beschäftigt hätten, wüssten Sie: Mit dem Windkraftausbau wird kein Wald verloren gehen; im besten Fall wird es eine Waldmehrung nach sich ziehen, wenn wir es gut machen. (Heiterkeit bei der AfD – Zuruf des Abg. Thomas Thumm, AfD) Der neue Wald wird auch ein besserer sein. Wenn Sie sich damit beschäftigt hätten, wüssten Sie das. (Zuruf des Abg. Thomas Thumm, AfD) Auch unsere Siedlungsgebiete müssen wesentlich wassersensibler werden. Wasserschutz heißt auch, anders zu planen und anders zu bauen. Als Mitglied in einem kommunalen Bauausschuss weiß ich, dass es viele Ingenieure und Architektinnen und Architekten gibt, die das sehr gut können. Es gibt für diese großen Herausforderungen viele kluge Partnerinnen und Partner in Sachsen. Unsere gesamte Wasserinfrastruktur muss an den Klimawandel angepasst werden. Sachsen kann das und wir müssen jetzt damit beginnen. Danke schön. (Beifall bei den BÜNDNISGRÜNEN, der CDU, den LINKEN und des Staatsministers Martin Dulig)

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