Sabine Friedel
Vielen Dank, Herr Präsident. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich will den größtenteils auch von uns geteilten Ausführungen von Herrn Kollegen Gasse und Frau Kollegin Maicher nicht viel hinzufügen, nur zwei Aspekte. Nummer eins. Ich habe mich ehrlich über den Antrag der Fraktion DIE LINKE gefreut, weil sie sogar die Studie von Herrn Rackles angehängt hat. Ich schätze diesen Menschen sehr, aber ich muss zugeben, dass ich ein wenig enttäuscht war, als ich die Studie las. Ich dachte, darin geht jemand wirklich nur auf einen kleinen Teil und dann noch auf den, der bei der Behebung des Lehrermangels am wenigsten wirkungsvoll sein wird, ein. Dabei handelt es sich um einen Vorschlag, der am wenigsten aussichtsreich ist, kurzfristige Abhilfe zu schaffen. Das fand ich etwas schade, aber es gibt uns die Gelegenheit, heute über diese Punkte zu reden; denn vieles ist schon gesagt worden. Kurzfristige Abhilfe kann man sich von einem Staatsvertrag kaum versprechen. Die Verbesserung des Lehramtsstudiums ist das eine, die Frage, wie ich überhaupt damit zurechtkomme, dass ich nicht nur zu wenige, sondern perspektivisch mehr Menschen habe, die in dem System tätig werden können, das ist noch eine ganz andere Frage. Ich glaube, ein Zipfel des Tischtuchs, das an allen Seiten zu kurz ist, hat uns hier erwischt, aber es gibt noch einige andere. Was das Lehramtsstudium selbst angeht, ist es nicht so, dass es keine Standards gäbe. Es gibt auch ländergemeinsame, einheitlich getragene, nur sind diese nicht besonders konsequent. Es werden siebeneinhalb Lehramtsstudiumstypen definiert, und jeder schaut, dass er das in seinem Land irgendwie unterbekommt. Das, was aber tatsächlich das größere Problem darstellt, sind die Inhalte des Lehramtsstudiums. Hier wiederum ist die Kultusministerkonferenz aus meiner Sicht meilenweit dem, was es eigentlich braucht, hinterher. Das setzt sich dann bei uns selbst fort. Wer nach wie vor – und das als Insellösungen im internationalen Vergleich – denkt, dass es vor allem Fachwissen ist, was Lehramtsstudierenden mitgegeben werden muss, der irrt, denn diese 40 % Fachwissenschaft, 40 % Fachdidaktik lassen nur noch Platz für 20 % Pädagogik und Erziehungswissenschaft. Das ist der Standard, an dem man eigentlich schrauben muss. Dazu sagt auch Bertelsmann völlig zu Recht: Vielleicht müssen wir einmal überlegen, ob die EinFach-Lehrerausbildung, die wir aus allen anderen Ländern im internationalen Vergleich kennen, nicht auch für Deutschland der bessere Weg wäre. Ein anderer Zipfel des Tischtuchs: Wie organisieren wir unser Schulwesen überhaupt? Wie viel Freiheit, auch pädagogische Freiheit, liegt in der einzelnen Schule? Dazu sind Prof. Schleicher und die OECD die richtigen Ansprechpartner, weil uns andere Länder vormachen, dass Schulen, die selbstständig agieren und von der Kultusverwaltung nicht verwaltet, sondern nur begleitet und unterstützt werden, weitaus bessere Ergebnisse hervorbringen können und ihre Beschäftigen nicht verschleißen, sondern ihnen ein motivierendes Arbeitsumfeld geben. Die Inhalte der Schule von morgen – das ist ein sehr großes Feld, wozu ich immer wieder sage, dass wir es schaffen müssen, junge Menschen für die Zukunft wirklich sachgerecht auszubilden. Das tun wir in unseren Schulen nicht. Wir stecken unheimlich viel Energie hinein, in 35 Wochenstunden das Auswendiglernen zu verbessern. Das kann nicht die Lösung sein. Andere Länder machen es vor, dass man mit weniger Unterricht mehr Qualität erzielt. Letzter Punkt: Frau Maicher hat recht. Es ist nicht so, dass in allen diesen Fällen nichts passiert, sondern die Koalition hat sich an vielen Stellen schon auf den Weg gemacht. Wir sind bei den Modellstudiengängen nicht nur in Leipzig, sondern auch in Chemnitz, die hoffentlich zum nächsten Semester beginnen werden. Ich erhoffe mir nach wie vor einen großen Impuls von dem Prozess „Bildungsland 2030“, den das Kultusministerium angeschoben hat. Bei einem können wir schon richtig etwas vorweisen, auch im bundesweiten Vergleich. Das ist der vierte Zipfel des Tischtuchs: Assistenz, multiprofessionelle Teams, Schulen wirklich ausstatten mit Personal, das dem Lehramtspersonal unterstützend zur Seite gestellt wird und die lästigen und unterrichtsfremden Tätigkeiten mitnimmt. Dabei haben wir mit unseren unbefristeten vielen Hundert Assistenzstellen inzwischen eine Vorreiterrolle eingenommen. Es können in den nächsten Jahren gern noch mehr werden. Die einheitlichen Lehrkräfteprognosen sind wichtig. Man muss sich am Ende auch daran halten. Dazu müssen wir uns auch an die eigene Nase fassen, was unseren Stellenplan im nächsten Doppelhaushalt angeht. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD und vereinzelt bei den LINKEN) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Kollegin Friedel sprach für die SPD-Fraktion. Damit hätten wir die erste Runde absolviert. Bevor ich die zweite Runde eröffne, muss ich feststellen, dass das Gemurmel im Saal zugenommen hat. Ich bitte um etwas mehr Ruhe. Wir könnten in eine zweite Rederunde gehen, wenn das gewünscht wird. – Das ist nicht der Fall. Dann übergebe ich das Wort jetzt an die Staatsregierung. Herr Staatsminister Piwarz, bitte schön.
