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Jörg Urban

AfD 15.03.2023 Sitzungen 7/67

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! „Dass die Sachsen sind, was sie sind, verdanken sie nicht ihrer Gemütlichkeit, sondern ihrer Energie. Das Energische ist größer als bei irgendeinem anderen deutschen Stamm, selbst die Bayern nicht ausgenommen.“ Mit diesen Worten blickte Theodor Fontane am Ende seines Lebens auf seine Ausbildungszeit in Sachsen zurück. Zu dieser Zeit Mitte des 19. Jahrhunderts besaß Sachsen bereits eines der fortschrittlichsten Bildungswesen im gesamten deutschen Raum. Fontane schrieb daher zu Recht weiter: „Die Sachsen sind die Überlegenen. Ihre Kulturüberlegenheit wurzelt in ihrer Bildungsüberlegenheit, die nicht von neuestem Datum, sondern fast 400 Jahre alt ist.“ Bereits weit vor der Reformation wurde in Sachsen sehr viel Wert auf Bildung gelegt. Unter anderem wurde im Jahr 1183 die Domschule zu Meißen gegründet oder 1409 die Universität Leipzig. In Dresden gab es zudem bereits im Jahr 1532 städtische Elementarschulen. Volksbildung und Wissenschaft haben in Sachsen eine lange und erfolgreiche Tradition. (Beifall bei der AfD) Sehr geehrte Damen und Herren! Wissenschaft braucht kluge Köpfe. Damals wie heute sind ein exzellentes Bildungssystem und ein hohes Bildungsniveau die Grundvoraussetzung für die Wissenschaft. Beide verschlechtern sich jedoch seit Jahren immer weiter. Sachsen steht zwar noch auf einem Spitzenplatz im bundesweiten Ländervergleich, aber seien wir ehrlich: Sind wir nicht damit nur die Einäugigen unter den Blinden? Die Anzahl der Viertklässler, die nicht einmal die Mindestanforderungen für Mathe und Deutsch erreichen, wächst auch in Sachsen Jahr für Jahr. In Mathematik waren es 2021 bereits 13,4 %, das sind 50 % mehr als fünf Jahre davor. Beim Lesen sieht es nicht besser aus: 13 % der Viertklässler schaffen nicht mehr das geforderte Mindestmaß. Das sind sogar 80 % mehr als 2016. Und wie reagiert die sächsische Regierung auf diese beunruhigende Entwicklung? Sie schafft auch in diesem Jahr wieder großzügig Prüfungserleichterungen. Es ist aber nicht so, dass die heutigen Schüler mehr und Anspruchsvolleres lernen müssen als früher, obwohl das vielen so scheint. Ich sage Ihnen auch, warum dieser Anschein erweckt wird: Die Lehrpläne der sächsischen Schulen werden zwar immer voller, aber nicht etwa mit Fachthemen wie Mathematik, Biologie oder Chemie. Nein, unsere Kinder werden überschüttet mit immer mehr Demokratieerziehung, mit politischer, interkultureller, nachhaltiger und geschlechtssensibler Bildung. (Rico Gebhardt, DIE LINKE: Das ist vernünftig!) Selbstverständlich befürworten auch wir Bildung zu Politik, Demokratie, Kultur und Umwelt, aber es gibt absolut keinen Grund, diese Themen auch noch in Mathe, Chemie und Physik zu behandeln. (Beifall bei der AfD – Widerspruch bei den LINKEN und den BÜNDNISGRÜNEN) Um später als Wissenschaftler oder als Ingenieur Spitzenleistungen zu erzielen, braucht es weder Gendersternchen noch Cancel-Culture-Qualitäten, es braucht viel mehr junge Menschen mit Spaß am logischen Denken, mit einem freien Geist, junge Menschen mit dem Satz des Pythagoras oder mit dem Energieerhaltungssatz im Bildungsrucksack. (Beifall bei der AfD) Sehr geehrte Damen und Herren! Seit Jahren werden immer mehr Schüler auf ein Gymnasium geschickt. Dabei spielt die Bildungsempfehlung keine wirkliche Rolle mehr, denn was sagt sie denn heute noch aus? In den letzten zwei Jahren erhielten 7 bis 10 % mehr Grundschüler eine Bildungsempfehlung fürs Gymnasium. Es gibt sogar Schulen in Sachsen, da stieg die Quote derer, die auf ein Gymnasium gingen, von 20 auf unglaubliche 70 %. Das, meine Damen und Herren, hat nichts mit einem hohen Bildungsniveau zu tun. Das ist bildungspolitischer Selbstbetrug. Es geht aber noch weiter: Die Noteninflation beim Abitur scheint ebenso keine Grenzen mehr zu kennen. Während der Notendurchschnitt beim Abitur 2009 noch bei 2,5 lag, waren es zehn Jahre später bereits 2,2. Erstaunlicherweise hat auch die Corona-Zeit trotz monatelanger Schulschließungen keine negativen Auswirkungen auf den Notendurchschnitt gehabt. Der Abiturdurchschnitt lag im letzten Jahr sogar bei 2,1. Selbst die klügsten Schüler scheinen in Sachsen immer klüger zu werden. 2009 hatte rund 1 % der Abiturienten die Traumnote 1,0. Letztes Jahr waren es bereits 4,5 % mit der Abi-Note 1,0. Doch leider haben diese vielen Bestnoten immer weniger mit der realen Leistung der Schüler zu tun. (Georg-Ludwig von Breitenbuch, CDU: Zum Thema, bitte!) Bernhard Krötz, Mathematikprofessor an der Universität Paderborn, warnte erst kürzlich davor, dass heute so gut wie kein deutscher Abiturient die Aufnahmeprüfung an einer indischen Ingenieurhochschule bestehen würde. Wenn Sachsen tatsächlich Wissenschaftsstandort von Weltrang werden will, dann geht das nur mit einer Schulbildung, die nicht nur im Vergleich der Bundesländer, sondern auch im internationalen Vergleich eine Spitzenposition einnimmt. (Beifall bei der AfD) Sehr geehrte Damen und Herren! Nicht nur wir kritisieren das ständig sinkende Bildungsniveau, sondern auch viele Hochschulprofessoren oder gestandene Fachleute, wie der ehemalige Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes Josef Kraus. Auch er sagt, Abiturienten, die sich für ein naturwissenschaftliches oder technisches Studium einschreiben, weisen heute leider oft eklatante Wissenslücken auf. Als Reaktion darauf bieten die Universitäten immer mehr Vorkurse an, um zumindest einen kleinen Teil dieser Defizite aufzuarbeiten. Aber was man in zwölf Jahren Schulunterricht nicht verinnerlicht hat, kann man in einigen Wochen Vorkurs einfach nicht aufholen. Deshalb verwundert es nicht, dass sich am Ende immer weniger Studenten für technische oder naturwissenschaftliche Studiengänge entscheiden. Herr Gemkow, so sieht es aus. Auf die Situation unserer jungen Forscher an den sächsischen Hochschulen wird mein Kollege Dr. Weigand noch ausführlich eingehen. Was ist nun aber die Lösung? Wie schafft man es, das Bildungssystem, das Bildungsniveau unserer jungen Menschen, insbesondere derer, die ein Studium beginnen wollen, wieder anzuheben? Kluge Köpfe für die Zukunft des Wissenschaftsstandortes Sachsen gewinnt man nicht durch erleichterte Lern- und Prüfungsbedingungen, auch nicht durch Stundenkürzungen in den MINT-Fächern oder die Reduzierung von Fachthemen in den Lehrplänen. Nur mit einem Bildungssystem, das insgesamt ein hohes Niveau einfordert, aber gleichzeitig unterschiedliche Leistungsgrenzen der Schüler akzeptiert, kann Sachsen auch in Zukunft wirklich vorn mitspielen. Wissenschaftler und Forscher gewinnt man durch die Würdigung herausragender Leistungen. Fleiß, Anstrengung und das Ausloten der eigenen Grenzen sind keine Diskriminierung der nicht so guten. Im Gegenteil, Fleiß und Anstrengung sind die Voraussetzungen für Spitzenleistungen. (Beifall bei der AfD) Für eine gute Zukunft Sachsens als Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort brauchen wir exzellente Wissenschaftler und gut ausgebildete Fachkräfte. Diese Fachkräfte aus dem Ausland abzuwerben, ist für mich und meine Fraktion keine ausreichende Lösung; denn der Weg des geringsten Widerstandes führt nicht langfristig zum Erfolg. Zeigen wir den jungen Menschen in diesem Land lieber, dass es sich lohnt, sich anzustrengen, dass sich Leistungsbereitschaft lohnt! Sehr geehrte Damen und Herren, wir haben in Sachsen nur sehr begrenzt verfügbare Rohstoffe und Bodenschätze, aber wir haben einen großen Schatz. Das sind unsere Kinder und unsere jungen Menschen. Dieses Potenzial gilt es klug und mit Weitsicht zu fördern. Auch dafür haben uns die sächsischen Wähler in dieses Parlament gewählt und uns die Verantwortung in die Hände gelegt. Vielen Dank. (Beifall bei der AfD)

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