Sebastian Gemkow
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Sehr geehrten Damen und Herren Abgeordneten! Sachsen ist seit Jahrhunderten Schrittmacher und Impulsgeber für wissenschaftliche Innovationen. Die Industrialisierung ging maßgeblich vom Land Sachsen aus. Chemnitz galt im 19. Jahrhundert als das „sächsische Manchester“. Die erste funktionstüchtige Dampflokomotive auf dem europäischen Kontinent, die Saxonia, kam aus Sachsen und wurde in Dresden Übigau gebaut. Die erste Ferneisenbahnstrecke in Deutschland, von Leipzig nach Dresden, gab es in Sachsen. Das alles wissen Sie. Das ist nichts Neues. Aber es zeigt, wie fortschrittlich dieses Land schon immer war. Die Voraussetzung dafür war jederzeit, dass kluge Köpfe diese Erkenntnisse und Innovationen in Produkte, in etwas, das man anfassen kann, transferiert haben. Dazu gehörten immer Mut und Bereitschaft innovationsfreudiger Menschen, diese Erkenntnisse in die Tat umzusetzen. Heute verfügen unsere Hochschulen und Forschungseinrichtungen über mehr kluge Köpfe, als es damals und in den letzten Jahrhunderten der Fall war. Diese Frauen und Männer verändern unsere Welt nachhaltig. Sie verändern sie mit Dynamik und Kreativität. Wir können stolz darauf sein, dass wir sie hier haben. Die Aufgabe des Freistaates Sachsen ist es, die bestmöglichen Rahmenbedingungen für diese Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu schaffen. Mit dem Wissenschaftshaushalt 2023/2024 hat der Sächsische Landtag einen besonderen Beitrag dazu geleistet, diese Rahmenbedingungen zu schaffen. Mit einer Vielzahl bedeutender Vorhaben wird das Wissenschaftsland Sachsen massiv gestärkt. (Beifall bei der CDU, der SPD und der Staatsregierung) Wir können als Freistaat besonders stolz sein, wenn unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für ihre Arbeit ausgezeichnet werden. Im vergangenen Jahr wurde Prof. Svante Pääbo mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin geehrt. Er ist Direktor am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und gilt als Begründer des Gebietes der Paläogenetik. An dieser Stelle – ich denke, das tue ich auch in Ihrem Namen – gratuliere ich Herrn Pääbo noch einmal herzlich zu dieser großen Ehre und diesem wunderbaren Erfolg. (Beifall des ganzen Hauses) Es ist auch dieser Nobelpreis, der zeigt, wie vielschichtig und vielseitig die Forschung in unserem Land ist. Deshalb soll die Forschung mit einem Strategieprozess im Rahmen zum Thema: Wissenschaftslandes Sachsen des Weißbuchs für die Forschung in öffentlichen Wissenschaftseinrichtungen im Freistaat Sachsen erstmals und vorreiterhaft in Deutschland ganzheitlich betrachtet werden. Dieser Prozess wird von einer hochkarätigen Expertenkommission begleitet. Sie bringt sich sehr aktiv in diesen Prozess ein und gibt wertvolle Impulse und Anregungen. Ich kann aus eigenem Erleben sagen. Die Sitzungen der Kommission sind von einer sehr intensiven Diskussion und einem vielschichtigen Austausch geprägt. Bis zum jetzigen Zeitpunkt ist in diesem Prozess eine fundierte Analyse der Stärken und Schwächen unserer Forschungslandschaft erstellt worden, die einen zusammenfassenden Überblick über den aktuellen Istzustand gibt und gleichzeitig ein Verständnis für Strukturen und Rahmenbedingungen der sächsischen Forschung ermöglicht. Die Informationen, die dort gewonnen wurden, dienen jetzt als Basis für die Ableitung von Handlungsempfehlungen im Kontext des begleitenden Weißbuch-Strategieprozesses. Ich kann sagen, dass der hohe Zuspruch zu diesen Veranstaltungen und den besonderen Formaten der Beteiligung, aber auch das Interesse der sächsischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeigen, diesen Strategiebildungsprozess durchzuführen und ihn aktiv mitzugestalten. Es ist außerdem deutlich geworden, dass die Weißbuch-Veranstaltungen durch die interdisziplinäre Teilnehmerschaft ein gutes Umfeld für Austausch und neue Vernetzungen in unserer Wissenschaftsgemeinschaft geworden sind. Mit diesem umfassenden und sehr partizipativen Prozess nimmt der Freistaat Sachsen – ich habe es gesagt – bundesweit eine Vorreiterrolle ein. Im zweiten Projektjahr 2023 liegt der Fokus auf der eigentlichen Konzeption dieses Weißbuchs, das auf der Basis der Analyse und unter Einbeziehung der fachlichen Expertise erstellt wird und am Ende Leitlinien und Handlungsempfehlungen an die Hand geben soll, um für zukünftige Generationen und Wissenschaftsstrategien als Basis zu dienen. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Einen besonders bedeutenden und langfristigen Einfluss – Sie alle bekommen das in diesen Wochen und Monaten in spezifischer Weise mit – werden die beiden neu entstehenden Großforschungszentren in Sachsen haben. Sie werden die Wissenschaftslandschaft über viele Dekaden, die vor uns liegen, prägen, und als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft fungieren. Sie werden den Strukturwandel durch Innovationsimpulse mitgestalten und wirtschaftliches Wachstum und neue Arbeitsplätze schaffen und fördern. Damit tun wir etwas, das wir in den letzten Jahrzehnten im Wissenschaftsbereich in Sachsen schon immer getan und für richtig befunden haben, nämlich, dass wir in Köpfe investieren, um anhaltende und sich langfristig gegenseitig verstärkende Effekte zu erzielen. Die bestehende sächsische Forschungslandschaft mit ihrer Vielfalt und Exzellenz bietet den neuen Zentren dafür genauso hervorragende Anknüpfungspunkte wie die große Breite unserer klein und mittelständisch geprägten sächsischen Wirtschaft. Vor allem aber durch die dann neu gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse und Innovationen werden neue Wertschöpfung entstehen. Diese Wertschöpfung unmittelbar in den Kohleregionen ist ein Schwerpunkt der Ansiedlung der beiden Zentren. Es ist schon im Auswahlprozess eines der entscheidenden Kriterien für die Auswahl dieser beiden Konzepte gewesen, dass genau dieser Transfer und diese Strukturwandeleffekte erzielt werden. Dafür beschreiten wir neue Wege der Zusammenarbeit in Ausbildung, Forschung und Transfer. Beide Ideenskizzen hatten hervorragende Transferkonzepte zum Gegenstand, und dies waren die maßgeblichen Entscheidungskriterien für die Auswahl. Die beiden neuen Großforschungszentren mit ihrer wissenschaftlichen Strahlkraft werden dazu beitragen, Sachsen als attraktiven Standort für Ausbildung, Studium und Arbeit international langfristig sichtbar und vor allem verlässlich zu machen. Beide Zentren wurden in einem wissenschaftsgeleiteten Prozess ausgewählt. Mehr als 2 Milliarden Euro wurden für Aufbau und Betrieb geplant, und sie werden nach ihrem Endausbau die größten Forschungseinrichtungen in Sachsen sein und bundesweit zur Spitze gehören. (Beifall bei der CDU, den BÜNDNISGRÜNEN und der SPD) In Mitteldeutschland entsteht mit Hauptstandort in Sachsen in Delitzsch das Center for the Transformation of Chemistry unter Leitung von Prof. Seeberger. Dieses Zentrum zielt auf die Transformation der Chemie hin zu einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft ab. Die chemische Industrie – das wissen wir alle – ist einer der wichtigsten Industriezweige in Deutschland und er ist von grundlegender Bedeutung für Wertschöpfungsketten zahlreicher weiterer Wirtschaftszweige. Schon um die Resilienz des Wirtschaftsstandorts Deutschland zu sichern, müssen wir die Durchbrechung der Abhängigkeiten von fossilen Quellen sowohl als Energielieferanten für Herstellungsprozesse als auch als Rohstoffbasis für chemische Stoffe und Produkte erreichen. Dafür brauchen wir kostengünstige und nachhaltige Produktionsprozesse, hauptsächlich aus nachwachsenden Rohstoffen oder recycelten Materialien unter Einhaltung höchster Arbeitsschutz- und Umweltstandards und vor allem drastisch verkürzter Transportwege. Mit einem inter- und transdisziplinären Ansatz sowie strukturierter Kooperation von Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft wird das CTC – so die Kurzform – die Transformation der Chemie zu einer Kreislaufwirtschaft vorantreiben. Durch das CTC und weitere Ansiedlungen in Delitzsch und der gesamten Region werden neue Arbeitsplätze entstehen und bestehende Arbeitsplätze im gesamten Chemiedreieck gesichert und gewissermaßen in eine neue Zeit gebracht. Außerdem werden neue Aus- und Weiterbildungsangebote des CTC wichtige Impulse für die gesamte regionale Wirtschaft und die Fachkräftegewinnung setzen. In der sächsischen Lausitz, meine sehr geehrten Damen und Herren, wird als weiteres Großforschungszentrum das Deutsche Zentrum für Astrophysik – Forschung, Technologie und Digitalisierung –, kurz DZA, unter Leitung von Prof. Hasinger entstehen. Die Astrophysik ist heute eine Hightechwissenschaft mit großer Innovationskraft. Neuartige Teleskope und Observatorien messen mit größter Präzision die Boten, kleine Teilchen aus dem Universum, und dabei entstehen riesengroße Datenmengen. Deshalb sieht sich die Astrophysik großen Herausforderungen in Datenverarbeitung, Computing und Technologieentwicklung gegenüber, woraus letztlich ein großes Potenzial für Wissenschaft, Forschung, Wirtschaft und vor allem die digitale Transformation entstehen wird. Im DZA sollen diese großen Datenströme zukünftiger internationaler Großteleskope gebündelt und verarbeitet werden. Dabei stehen Themen wie Digitalisierung und ressourcenschonendes Computing im Mittelpunkt – alles Fragen, die auch in vielen anderen Gesellschafts-, Wissenschafts- und Wirtschaftsbereichen in den kommenden Jahrzehnten von absoluter essenzieller Bedeutung sein werden. Gleichzeitig sollen in einem neuen Technologiezentrum unter anderem Regelungstechniken für Observatorien entwickelt werden. Vor allem im Bereich der optischen Technik, der Halbleitertechnik ist das Potenzial immens groß. Hier wird deutlich, wo die Anknüpfungspunkte in die bestehenden Ökosysteme unserer Wirtschaft sind; denn immer wieder steht die Frage im Raum, ob Astrophysik nicht weit weg von tatsächlicher Wertschöpfung ist. – Nein, ist sie nicht. Dort entstehen sehr konkrete Anknüpfungspunkte für die Halbleiterelektronik bei uns in Sachsen und für viele andere spannende Wirtschaftszweige, die davon maßgeblich profitieren können. Es ist eine einzigartige Kombination von Forschung und Entwicklung in der Informationstechnik, Sensortechnik und Materialforschung und dem daraus resultierenden Bedarf an Fertigungsstätten, die das DZA in die Lage versetzen werden, ökonomische Impulse zu setzen und letztlich zukunftsfähige Arbeitsplätze sowohl im wissenschaftlichen, aber vor allem auch im nicht wissenschaftlichen Bereich am Zentrum direkt vor Ort, aber auch im Umfeld zu schaffen. Vorgesehen ist neben der Ansiedlung des Hauptstandorts in Görlitz der Bau eines Untergrundlabors für Forschung und Entwicklung unter Bedingungen geringster seismischer Störungen in den Granitformationen der Lausitz im Landkreis Bautzen. Sie verfolgen sicher in der aktuellen Berichterstattung, was dort geplant ist. Auch das werden einzigartige Infrastrukturen sein, die weltweit ihresgleichen suchen werden. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die beiden Großforschungszentren reihen sich in eine vielfältige Landschaft sächsischer außeruniversitärer Forschungseinrichtungen ein, die schon zum jetzigen Zeitpunkt unsere Wissenschaftslandschaft maßgeblich ausmachen. Ein wichtiger Teil dieser Landschaft sind die Institute der Leibniz-Gemeinschaft. Die Mehrzahl dieser Institute hat in den vergangenen beiden Jahren das externe Evaluationsverfahren durchlaufen, und auf der Grundlage dieser Evaluation entschied und entscheidet die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz über den Verbleib der Einrichtungen in der gemeinsamen Finanzierung des Bundes und der Länder. Wir können stolz darauf sein, dass in allen abgeschlossenen Verfahren den Instituten bei uns in Sachsen hervorragende Leistungen bescheinigt wurden, womit die gemeinsame Finanzierung von Bund und Land für die nächsten sieben Jahre gesichert ist. Mit dem Erweiterungsbau für das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie – ich nenne es einmal NobelInstitut – sichern wir genauso wie mit dem Neubau für das Institut für Länderkunde in Leipzig, das ein erster Baustein für einen neuen Wissenschaftshotspot im Zentrum Leipzigs sein wird, die Zukunftsfähigkeit bedeutender Institute bei uns in Sachsen. Auch in Görlitz wird ein wegweisender Neubeginn beim Zentrum für datenintensive Systemforschung CASUS erfolgen. Damit werden die hervorragenden Leistungen dieses in Görlitz neu gegründeten und geschaffenen polnisch-deutschen Forschungszentrums maßgeblich unterstützt und nicht zuletzt gewürdigt. Genauso stolz sind wir auf die große Präsenz der Helmholtz-Gemeinschaft und ebenso der Fraunhofer Gesellschaft, die maßgeblich zum Renommee des Wissenschaftslandes Sachsen beitragen. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Neben den Forschungszentren und den Forschungseinrichtungen wird das Wissenschaftsland Sachsen maßgeblich von den vier Universitäten, den fünf Hochschulen für angewandte Wissenschaften, unseren fünf Kunst- und Musikhochschulen und natürlich der Berufsakademie Sachsen geprägt. Die Novellierung des Hochschulgesetzes war und ist deshalb ein zentrales Anliegen der Koalition. Wir, die Staatsregierung, haben Ihnen mit dem Regierungsentwurf einen Vorschlag dafür übersandt, wie wir an bewährten Erfolgen festhalten und gleichzeitig sehr wichtige Transformationen in Gang setzen können. Johann Gottlieb Fichte ist einer der bekanntesten Philosophen aus Sachsen. Er begründete lange vor unserer grundgesetzlich verankerten Wissenschaftsfreiheit, dass Vernunft mit Freiheit einhergeht. Vor diesem Hintergrund ist der Entwurf des Hochschulgesetzes ein Wissenschaftsermöglichungsgesetz. Wir ermöglichen unseren Hochschulen auf einer stabilen Basis die besten Bedingungen für Hochschulautonomie und Wissenschaftsfreiheit. (Beifall bei der CDU) In diesem neuen Gesetz sollen mehr Möglichkeiten geschaffen werden, Neues zu erproben und Organisation selbst zu gestalten. Digitalisierung soll schon bei zentralen Entscheidungsprozessen an unseren Hochschulen ermöglicht und rechtlich abgesichert werden. Die Bedingungen für eine hohe Qualität der wissenschaftlichen Arbeit und der Arbeitsplätze werden durch das neue Hochschulgesetz noch besser gewährleistet als in der Vergangenheit. So wird es in der Personalentwicklung die dafür erforderlichen Konzepte geben. Sie stehen auf der Agenda. Dazu kommen verlässliche Karrierewege, die mit neuen Personalkategorien untersetzt werden. Wir schlagen zum Beispiel für attraktive Bedingungen neben der klassischen Professur die Möglichkeit vor, als Lektorin oder Lektor selbständig Aufgaben in Forschung und Lehre wahrzunehmen oder als Wissenschaftsmanager zu unterstützen. Die Hochschulen für angewandte Wissenschaften können mit Tandemprofessuren ihren Nachwuchs sichern und gleichzeitig die Verbindungen in die Wirtschaft, die eine bedeutende Rolle für diese Hochschulen spielen, festigen. Auch die Möglichkeiten der internen Mitgestaltung sollen weiter ausgebaut werden. Unsere wissenschaftlichen Spitzenkräfte von morgen, die Doktorandinnen und Doktoranden, erhalten zum Beispiel eine eigene Interessensvertretung. Durch Kooption der Hochschullehrer sollen die Hochschulen für angewandte Wissenschaften künftig ihren Nachwuchs gemeinsam mit den Universitäten promovieren können. Die neuen Hochschulallianzen sollen innovative Formen der Kooperation zwischen Hochschulen, Forschungseinrichtungen, aber auch Unternehmen ermöglich. Das soll nicht an der Grenze Sachsens aufhören, sondern wir räumen mit diesem neuen Gesetz – wenn Sie es denn so befürworten – die Möglichkeit ein, in ganz neuen Formen der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft – auch im Ausland – zu kooperieren. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die Staatsregierung hat Ihnen diesen Vorschlag für das neue Hochschulgesetz unterbreitet. Ich bin mir sicher, dass mit Ihren weiterführenden Ideen am Ende ein modernes Gesetz entstehen kann und dass Sie dieses unterstützen werden. Jedenfalls möchte ich an dieser Stelle ganz herzlich dafür werben. (Beifall bei der CDU) Eine weitere wichtige Transformation in der Hochschullandschaft steht uns noch bevor, nämlich die Umwandlung der Berufsakademie Sachsen mit ihren sieben Studienakademien zur Dualen Hochschule Sachsen. Diese Weiterentwicklung ist im Koalitionsvertrag festgelegt worden. Sie ist sinnvoll für unsere Wissenschaftslandschaft; denn Wirtschaft, Wissenschaft und Hochschulen gehören in Sachsen eng zusammen. Dieser Zusammenhang wird an der Berufsakademie schon in der Ausbildungsphase umgesetzt. So wird dieses Projekt die Architektur der sächsischen Hochschullandschaft grundlegend erweitern. Die Duale Hochschule Sachsen ergänzt dann im Konzert der sächsischen Hochschulen als eigenständige Hochschulart diese spannende, vielfältige und so wertvolle Landschaft. Künftig wird die Duale Hochschule Sachsen Anbieter für das duale Studium in der sächsischen Hochschullandschaft mit einer weiterhin engen Anbindung an die lokale und regionale Wirtschaft ganz im Sinne des Transfers sein. Weil die sächsische Wirtschaft durch den Mittelstand geprägt ist, ist die duale Hochschule mit ihren regionalen Standorten direkt vor Ort bei den Unternehmen. Deshalb sollen die Praxispartner in der dualen Ausbildung auch zukünftig in einer einmaligen Weise in die Organisationsstruktur dieser Hochschule einbezogen werden. Das ist sicherlich das Alleinstellungsmerkmal gegenüber den anderen Hochschulformen. Für die Berufsakademie Sachsen bedeutet die Überführung in eine duale Hochschule am Ende mehr Sichtbarkeit, einen Imagegewinn sowie eine dauerhafte Konkurrenzfähigkeit auf dem Gebiet der dualen Studienangebote, ohne dadurch die Landschaft zu kannibalisieren, sondern mit einem eigenen Angebot unsere Landschaft in hervorragender Weise zu ergänzen. Der Hochschulabschluss soll künftig als akademischer Grad verliehen werden. Das ist ein Attraktivitätsfaktor für Studienanfänger. Damit werden sowohl der Studienform als auch den Absolventen dualer Studiengänge in Sachsen neue Perspektiven eröffnet. Wir erhoffen uns davon auch, dass die Absolventinnen und Absolventen in der Region bleiben, dass sie zur Weiterqualifizierung nicht aus der Region abwandern. Das ist ein großer Wunsch der Praxispartner und der Unternehmen vor Ort gewesen. Dem wollen wir zukünftig Rechnung tragen. (Beifall bei der CDU) Die Weiterentwicklung zur dualen Hochschule ermöglicht aber auch eigenständige Forschung, und so kann der Innovations- und Technologietransfer zwischen Hochschule und Wirtschaft gestärkt werden. Damit ist die Weiterentwicklung zur Dualen Hochschule Sachsen ein wichtiger Schritt zur Stärkung der Wirtschaft im ländlichen Raum. Auch zur dualen Hochschule wird Ihnen die Staatsregierung demnächst einen Entwurf vorlegen. Ich bin mir sicher, dass Sie auch hierzu innovative Ideen beitragen können. Am Ende müssen Sie über diese Transformation entscheiden, aber schon heute bitte ich dafür ganz herzlich um Ihre Unterstützung. Sowohl im Entwurf des Hochschulgesetzes, aber auch bei der dualen Hochschule steht der Gedanke des Transfers besonders im Fokus. Insbesondere wollen wir, dass mehr Forschungsergebnisse in die kommerzielle Nutzung in Sachsen überführt werden. Dabei wollen wir unsere Hochschulen künftig weiter intensiv unterstützen. Die sächsischen Hochschulen unternehmen schon heute große Anstrengungen, eine lebendige Gründerkultur zu etablieren. Das passiert zum Beispiel durch EntrepreneurshipAusbildungen, die Gründerinitiativen SAXEED in Chemnitz, Freiberg, Mittweida und Zwickau, aber auch mit AXIS in Dresden oder der Selbstmanagementinitiative SMILE in Leipzig. Auch die Universitäten mit spezialisierten Profilen wie die TU Bergakademie Freiberg oder die private Handelshochschule in Leipzig nehmen bei den Gründungen durch ihre Aktivitäten eine führende Rolle ein. Die Handelshochschule hat zuletzt wieder eine Spitzenposition verteidigt. Sie ist mit diesem hervorragenden Profil und dieser hervorragenden Performance bundesweit einmalig. Wir können stolz darauf sein, dass wir solche Hochschulen bei uns haben. Auch die TU Chemnitz schneidet in der Klasse der mittelgroßen Universitäten überdurchschnittlich gut ab. Wir sind also gut aufgestellt und haben unseren Hochschulen für angewandte Wissenschaften, die wir im Verbund unterstützen, damit sie ihre Stärken im Transfer von Forschungsergebnissen in Wirtschaft und Gesellschaft ausbauen und vorantreiben können, weiter unsere Unterstützung zur Verfügung gestellt. Die Zusammenarbeit mit der sächsischen Wirtschaft und den Hochschulen für angewandte Wissenschaften ist ein ganz wesentlicher Faktor für Stabilität und Fortschritt. Wir werden das intensivieren und unterstützen jetzt schon gemeinsam mit dem Bund im Programm „Innovative Hochschule“ bei uns unter dem Namen „Saxony-high-five“ die Aktivitäten der Hochschulen für angewandte Wissenschaften. Das werden wir natürlich auch in den kommenden Jahren so tun. Mit zahlreichen Projekten ist der Austausch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft vorangebracht worden. Auch in den kommenden Jahren werden wir die Transferaktivitäten unserer Hochschulen fortsetzen und über die Förderzeiträume verstetigen. Das heißt, wir werden nicht nur das fortsetzen, was jetzt schon geschieht, sondern es auch ausbauen. Es sind – um noch einmal auf die Hochschulen für angewandte Wissenschaften zurückzukommen – ihre anwendungsorientierten Forschungsergebnisse, die oft eine Chance auf schnelle Umsetzung in der Praxis haben, weshalb diese HAW in Sachsen so kostbar sind und weshalb wir einen unglaublichen Schatz mit diesen Hochschulen haben. (Beifall bei der CDU) Alle diese Erfolge zeigen, dass wir am Ende nicht nur die Forschung selbst unterstützen, sondern dass wir uns auch darum kümmern, die Ergebnisse in konkrete Anwendungen münden zu lassen, und diesen Weg werden wir konsequent fortsetzen. Unser Ziel ist es, in den kommenden Jahren alle Transferformate an den Hochschulen weiter zu stärken und auszubauen. Im Einklang mit der Innovationsstrategie des Freistaates Sachsen werden wir uns auch für die Etablierung einer Validierungskultur einsetzen. Wir wollen, dass im besten Fall Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schon von Anfang an bei ihren Forschungsprojekten insbesondere im Bereich der Ingenieur- und Naturwissenschaften mitdenken, wo die Transferpotenziale liegen und wie sie diese dann in ihre Projekte einbeziehen können. Klar ist nämlich auch: Die Zukunft des Transfers wird hybrid sein, weshalb wir auch die virtuellen Kommunikationswege, Plattformen und Formate stärker in den Fokus rücken werden. Wir haben die Digitalisierung dieser Transferwege zum Teil unserer Strategie „Digitale Transformation im Hochschulbereich“ gemacht, die wir in den kommenden Jahren ausbauen wollen. Unser Ziel ist es, mit dieser Strategie neue Technologien und Methoden zur Kommunikation einzusetzen, um einerseits neue Zielgruppen und Wege des Transfers zu erschließen, im Dialog Transparenz zu schaffen, zu informieren, Wissen zu kommunizieren und Partizipation im Sinne des Open-Science-Gedankens zu ermöglichen, andererseits aber auch Erfordernisse, Kompetenzen sowie Denk- und Handlungsweisen der Praxisakteure zu berücksichtigen. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich bin schon auf die herausragende Qualität der Forschung an unseren Hochschulen und den Forschungseinrichtungen im Freistaat eingegangen. Auf verschiedenen Wegen und vor allem mit wissenschaftsgeleiteten Verfahren unterstützt der Freistaat die Forschungsaktivitäten gezielt. Mit starken, forschungsbezogenen Programmen für Infrastruktur, Projekte und Vernetzung unterstützt das Wissenschaftsministerium im anwendungsnahen Bereich die Entwicklung der Forschung auf einem auch im Bundesvergleich sehr hohen Niveau. Das passiert gemeinsam mit der Europäischen Union über die Programme EFRE und JTF. Mit diesen Förderungen wird in den Forschungseinrichtungen ein Know-how aufgebaut, das langfristig verfügbar und Grundlage für neue Erkenntnisse sowie Innovation ist, das transferfähige Forschung und Entwicklung ermöglicht und letztlich die Einrichtung von Kooperationen mit der Wirtschaft attraktiv macht, was eine wesentliche Voraussetzung dafür ist, dass diese Erkenntnisse und Innovationen tatsächlich in eine Wertschöpfung überführt werden. In der Förderperiode von 2014 bis 2020 konnten durch diese Fördermechanismen 246 Vorhaben gefördert werden. Mittel in Höhe von mehr als 246 Millionen Euro stehen dahinter. Jedes dieser Vorhaben, das hier unterstützt wurde, ist von wirklich großer Bedeutung. Es gibt viele Beispiele zu nennen. Ich nenne zwei: Das Projekt „Clean Energy City“ an der TU Chemnitz ist ein Projekt zur Erprobung von Wasserstofftechnologien in der Sektorenkopplung, das ich anspreche, weil man daran gut die Hebelwirkung dieser Programme erkennen kann; denn dieses Projekt ist die Voraussetzung dafür gewesen, dass der Antrag für das Hydrogen Innovation Center letztlich Erfolg hatte und jetzt an der Universität Chemnitz umgesetzt werden kann. Man sieht: Investitionen in diese Projekte hebeln viel mehr, als man ursprünglich überhaupt investiert hat. Gefördert wurde auch das Leipziger Forschungszentrum für Zivilisationserkrankungen am Universitätsklinikum Leipzig. Hier wurden insbesondere leistungsfähigere Strukturen zur nachhaltigen Nutzung von Daten geschaffen, die sogenannten LIFE-Daten, die in den letzten Jahren in einem hervorragenden Projekt in Leipzig gesammelt wurden. Das sind Gesundheitsdaten, die sich weiterverwenden lassen. Gleichzeitig konnte die Vernetzung der Universitätsmedizin Leipzig mit externen Partnern befördert werden. Man sieht: Es entstehen aus diesen Projekten sehr viele neue Projekte und damit ein großer Mehrwert, der Grundlage für hohe Innovation, aber vor allem Transfer und Wertschöpfung sein kann. In der neuen Förderperiode bis 2027 soll schwerpunktmäßig eine bessere Vernetzung zwischen Forschung und Wirtschaft gefördert werden. Insbesondere werden Forschungsnetzwerke mit Zukunftsthemen und einem hohen Sprunginnovationspotenzial angesprochen und unterstützt. Außerdem gibt es mit der Förderung von Nachwuchsforschergruppen, Promotionen und Studienerfolgsprojekten aus ESF-Mitteln ein wirkungsvolles Instrumentarium zur Bildungsförderung, das sehr intensiv bei uns in Sachsen genutzt wird. Eine bezüglich des Umfangs vielleicht nicht ganz so große Fördermöglichkeit, die aber für uns alle hier, weil wir immer wieder darüber befinden müssen, sehr wichtig ist, ist die sogenannte Förderung aus Landesmitteln der Titelgruppe 70, der Landesforschungsförderung. Hiermit können wir Themen offen unterstützen, vor allem Forschungsprojekte im Grundlagenbereich. Es ist ein wesentliches forschungspolitisches Instrument, das wir an die Hand bekommen haben. Im Moment werden über 53 Projekte mit diesem Instrumentarium gefördert, darunter zum Beispiel das Projekt SaxFDM, das in unmittelbarem Zusammenhang mit der digitalen Transformation steht und wichtige Voraussetzungen für die Vernetzung sächsischer Einrichtungen im Bereich der Digitalisierung legt. Ein anderes wichtiges Projekt ist DIKUSA. Unter dem thematischen Dach der Digital Humanities arbeiten hier noch bis 2025 die geisteswissenschaftlichen außeruniversitären sächsischen Forschungseinrichtungen zusammen. Sie vernetzen digitale Kulturdaten in Sachsen und bauen eine technische Infrastruktur für die Forschung zu Mobilität, Transformation von Orten, Personen und Artefakten auf. Mit der Landesforschungsförderung werden wir auch in Zukunft die Forschungseinrichtungen in Sachsen beim Kompetenzaufbau und bei der strategischen Positionierung unterstützen. Damit können wir ihre Chancen bei der Mitwirkung an Initiativen des Bundes und der Europäische Union nachhaltig erhöhen. Es ist übrigens eine interessante Erkenntnis des zuvor schon angesprochenen Weißbuch-Prozesses, die hier zutage getreten ist: dass nämlich die nachweisliche Hebelwirkung dieser Investitionen in der Landesforschungsförderung in Bezug auf die Einwerbung von Drittmitteln erheblich ist. Wir haben festgestellt, dass jeder Euro, der über die Landesforschungsförderung in die Projekte hineinfließt, zwei weitere Euro auslöst. Es ist also eine wirklich gute Hebelwirkung und ein gutes Investment, das wir hiermit gemeinsam auf den Weg gebracht haben. „Gemeinsam“ sage ich deshalb, weil das die Staatsregierung im Entwurf des Haushalts vorgeschlagen hat und Sie dankenswerterweise im Hohen Haus im Haushaltsverfahren nochmals eine Verbesserung vorgenommen und den Ansatz für diese Landesforschungsförderung erhöht haben, wofür ich an dieser Stelle nochmals ganz herzlich danken möchte. (Beifall bei der CDU, der SPD und der Staatsregierung) Zur Förderung wissenschaftlicher Spitzenleistungen existiert ein weiteres, ganz besonderes Instrument: die sogenannten Exzellenzcluster. Zur nachhaltigen Stärkung des Wissenschaftsstandorts Deutschland werden diese Cluster durch den Bund und die Länder im Rahmen der gemeinsam getragenen Exzellenzstrategie gefördert. Sachsen hat in den letzten Wettbewerbsrunden dabei immer wieder sehr gut abgeschnitten. Aktuell hat die TU Dresden drei Exzellenzcluster, so viele wie kaum eine andere Universität in Deutschland. Das Exzellenzcluster „Komplexität und Topologie in Quantenmaterialien - ct.qmat“ gemeinsam mit der JuliusMaximilians-Universität Würzburg beschäftigt sich mit der Entwicklung und Entdeckung topologischer Phänomene in der Festkörperphysik. Die Forschung, die hier stattfindet, hat bereits zur Entdeckung topologischer Materialien geführt, die in sämtlichen modernen Hochtechnologien eingesetzt werden können. Das reicht von der Informationsverarbeitung über die Energieversorgung bis hin zur Medizintechnik. Ein weiteres Exzellenzcluster geht der Frage nach den physikalischen und chemischen Gesetzmäßigkeiten nach, die für die Entstehung des Lebens unabdingbar sind. Unter dem Namen „Physics of Life“ werden die physikalischen Prinzipien der räumlichen und zeitlichen Organisation lebender Materie ergründet und maßgebliche Erkenntnisse zum Verständnis lebender Materie gewonnen. Daraus entstehen neue Herangehensweisen im Bereich der Biotechnologie und Medizin. Das befördert die gesamten exzellenten Ökosysteme gerade hier in der Region Dresden, bei denen Biotechnologie und Medizin so stark vertreten sind und die dadurch natürlich einen starken Rückenwind für die Innovationsfähigkeit und den weiteren Ausbau bekommen. Das dritte aktive Exzellenzcluster widmet sich der Interaktion von Mensch und Maschine unter dem Namen „Zentrum für taktiles Internet – CeTI“. Die zentrale Idee von CeTI ist, Menschen die Möglichkeit zu geben, quasi in Echtzeit mit kooperierenden Maschinen in der realen und virtuellen Welt zu agieren. Dazu ist eine interdisziplinäre Forschung in den Schlüsselbereichen der Mensch-Maschine-Kooperation, bei Sensor-, Soft- und Hardware-Design, bei Kommunikationsnetzen und der entsprechenden Wissenschaft notwendig. Die Erkenntnisse, die aus dieser Forschung resultieren, lassen sich vielfältig umsetzen, beispielsweise in der Telemedizin, in der Industrie 4.0 und im Internet der Kompetenzen, also in den Bereichen Bildung, Rehabilitation, Bionik und Gerontologie. Es gibt also auch hier starke Anknüpfungspunkte an echte Wertschöpfungen, an Anwendungen, zum Nutzen für die Menschen weit über Sachsen und Deutschland hinaus. In früheren Ausschreibungsrunden waren andere Initiativen erfolgreich, die wir inzwischen als Forschungscluster fortsetzen, zum Beispiel das Exzellenzcluster „MERGE“ an der TU Chemnitz, bei dem man sich mit Technologiefusionen für multifunktionale Leichtbaustrukturen auseinandersetzt. Die Weiterentwicklung des Leichtbaus auch unter dem Aspekt der Kreislaufwirtschaft, ist ein zentrales Forschungsthema in Sachsen. Es spielt insbesondere für den Strukturwandel eine zentrale Rolle, weshalb wir stolz darauf sein können, dass dieses Thema Exzellenz war, Exzellenz bleibt, aber heute mit anderen Mitteln unterstützt und fortgeführt wird, auch mit Mitteln des Landes Sachsen selbst. (Beifall bei der CDU und der SPD) Das Exzellenzclusterzentrum für Regenerative Therapien der TU Dresden ist zusammen mit dem gleichnamigen DFG-Forschungszentrum die Wiege der Regenerationsforschung in Sachsen. Das Thema hat eine sehr hohe Bedeutung und wird in Dresden intensiv unter der Berücksichtigung der technologischen Fortschritte in der Stammzelldifferenzierung, der Humangenomforschung, der Geneditierung und der systematischen Datenanalyse, die die Optionen der Therapieentwicklung drastisch erhöhen, weiterentwickelt. Auch das war in der Vergangenheit ein Exzellenzcluster. Heute wird es weiter mit Landesmitteln unterstützt und fortgeschrieben. Damit ist das einer der Wachstumskerne in diesem Bereich bei uns im Freistaat Sachsen. Letztlich ist das cfaed der TU Dresden im Herzen der Elektronik und Halbleitertechnologie verortet. Das ist ein Forschungsbereich, der darauf abzielt, durch einen engen Zusammenschluss von Natur- und Ingenieurwissenschaften in der Nano- und Mikroelektronik einen Paradigmenwechsel in der Elektronik herbeizuführen. Diese Thematik – das wissen wir alle – entwickelt sich mit einer unheimlich hohen Geschwindigkeit weiter. Wir müssen heute an der Technologie von morgen arbeiten, damit wir wettbewerbsfähig bleiben und damit diese sehr stark aufgestellte Industrie bei uns in Sachsen auch künftig innovativ bleiben kann und im internationalen Vergleich die Nase vorn hat. Das unterstützt das Land selbstverständlich maßgeblich mit. Die Universität Leipzig wird sich in den kommenden Jahren in Exzellenzbemühungen begeben. Sie hat damit bereits begonnen. An der aktuellen Wettbewerbsrunde der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder wird man sich mit drei Initiativen beteiligen. Das erste Thema wird die Klimaforschung sein. Die Leipziger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen ein ganzheitliches Verständnis des Klimawandels und der Artenvielfalt gewinnen und erfolgversprechende Lösungsansätze entwickeln. Das zweite Thema ist in der Medizin angesiedelt. Es wird um Fragen der Zivilisationskrankheiten und der schwerwiegenden Folgen von Fehlernährung gehen. Mit der dritten Initiative strebt die Universität eine zeitgemäße Neuinterpretation der Globalisierung, ihrer Dynamisierung und natürlich der Folgen für die Mensch-Umwelt-Beziehungen an. Ich kann Ihnen sagen: Wir unterstützen alle unsere Universitäten sehr nachhaltig, sehr massiv in der aktuellen Wettbewerbsrunde und bei der künftigen Evaluierung dieser Cluster. Auch deswegen an dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an Sie alle, die Sie für diese Bemühungen zusätzliche Haushaltsmittel zur Führung gestellt haben. Das ist eine großartige Unterstützung für unsere Universitäten bei ihren so maßgeblichen Bemühungen um Exzellenz. (Beifall bei der CDU sowie vereinzelt bei den BÜNDNISGRÜNEN und der SPD – Beifall bei der Staatsregierung) Es sind nicht nur diese institutionalisierten, verstetigten Förderungen, mit denen wir diese Bemühungen unterstützen, sondern wir werden auch die Cluster CeTI, Physics of Life und ct.qmat mit neuen Gebäuden unterstützen. Der Neubau des Global Hub im Herzen von Leipzig fügt sich in die Geistes- und Sozialwissenschaften an der Universität Leipzig ein und honoriert wiederum die international anerkannte Spitzenforschung zu Globalisierungsprozessen. Vor allen Dingen wird dieses Investment aber auch das Vorhaben der Exzellenz an der Universität Leipzig maßgeblich unterstützen. Mit den Gebäuden, die wir jetzt geplant haben, mit den großen Investitionen, die wir in all diesen Bereichen vornehmen können, stellen wir exzellente Infrastruktur für diese Forschung zur Verfügung und geben damit als Freistaat ein starkes Bekenntnis zu den Exzellenzanstrengungen unsere Universitäten ab. (Beifall bei der CDU sowie vereinzelt bei den BÜNDNISGRÜNEN und der SPD – Beifall bei der Staatsregierung) Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die Zukunft des Wissenschaftslandes Sachsen hängt jedoch ganz maßgeblich davon ab, dass wir in Zukunft ausreichend qualifizierte Fachkräfte bei uns haben. Die demografische Entwicklung ist auch bei uns in Sachsen eine zentrale Herausforderung für die Gesellschaft, insbesondere für die Hochschulen. Die Deckung des Fachkräftebedarfs ist eine der elementaren Voraussetzungen für die weitere positive Entwicklung unseres Bundeslandes, und das insbesondere im Hinblick auf Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, aber eben auch Wissenschaft. Das sächsische Potenzial an Studienanfängern wird perspektivisch nicht mehr ausreichen, um den Bedarf an akademischen Fachkräften in Sachsen zu decken. Es sind unsere sächsischen Hochschulen, die mit attraktiven Studienangeboten einen entscheidenden Beitrag dazu leisten können, junge Menschen für Sachsen zu begeistern. Sie werden auch weiterhin ein Magnet für Studierende, Nachwuchswissenschaftler und Forscher sein. Das stellen sie sicher durch ihre Leistungsfähigkeit, durch die Qualität der Aufgabenerfüllung, aber auch durch die Kultur im Umgang miteinander und natürlich durch ihr exzellentes Renommee. Durch attraktive, wettbewerbsfähige Studien-, Forschungs-und Arbeitsbedingungen werden wir mit Sicherheit auch künftig unter diesen Rahmenbedingungen die notwendigen Fachkräfte gewinnen und halten können. Deswegen haben wir als Freistaat Sachsen, als Staatsregierung, mit dem Maßnahmenplan zur Gewinnung internationaler Fach- und Arbeitskräfte für Sachsen etwas aufgelegt, was uns als Wissenschaftsressort in die Lage versetzt, durch zielgerichtete Maßnahmen unsere Hochschulen dabei zu unterstützen, Studieninteressierte zu gewinnen und am Ende mehr Studierende zum berufsqualifizierenden Abschluss zu führen. Dabei wissen wir, dass die sächsische Wissenschaftslandschaft durch ein breites Fächerspektrum geprägt ist – von den Geisteswissenschaften bis zu den MINT-Fächern. In Sachsen sind die MINT-Fächer besonders prominent vertreten. Unser Ziel ist es, diese hohe MINT-Quote aufrechtzuhalten und im Idealfall weiter auszubauen. Das behalten wir dabei im Hinterkopf. Dafür braucht es neben der Erschließung vorhandener inländischer Potenziale auch die Gewinnung von Fachkräften aus dem Ausland. Den Hochschulen kommt dabei natürlich eine besondere Rolle zu. Deshalb liegt ein besonderer Fokus auf der Gewinnung internationaler Studierender als künftige Fachkräfte für den heimischen Arbeitsmarkt. Wir unterstützen die Hochschulen gezielt bei der Identifikation von Zielregionen zur Studienwerbung und verändern und modernisieren gleichzeitig die Art der Werbung für den Studienstandort Sachsen. (Beifall bei der CDU und der Staatsregierung) Besondere Bedeutung hat gleichzeitig die Vorbereitung und Begleitung von internationalen Studentinnen und Studenten. Ihre Integration in Gesellschaft und Wirtschaft soll unter besonderer Berücksichtigung der Sprachausbildung neu justiert werden. Gemeinsam mit einem gemeinsamen, koordinierenden Büro greifen wir als Wissenschaftsministerium den Hochschulen bei langfristigen Konzepten für die Studienberatung und Studierendengewinnung unter die Arme. Gleichzeitig koordinieren wir die Studienvorbereitung vor Ort in ausgewählten Zielländern. Das ist Teil dieser Strategie, die wir aufgelegt haben. Mit dem Doppelhaushalt, meine sehr geehrten Damen und Herren, haben Sie uns die Möglichkeit gegeben, die Hochschulen mit finanziellen Mitteln zu unterstützen. So können wir zum Beispiel die Studienkollegs an neue Bedarfe anpassen und eine spätere Eingliederung der Kollegiatinnen und Kollegiaten in den sächsischen Arbeitsmarkt von Anfang an mitdenken und modellhaft zusammen mit der Wirtschaft befördern. Wir unterstützen auch weiterhin den Studienerfolg internationaler Studierender, wobei der Erwerb guter sprachlicher Fähigkeiten und die fachliche Bewältigung der Studienanforderungen im Fokus stehen. Gleichzeitig sollen die Studierenden, die zu uns kommen, Hilfe bei der Überwindung rechtlicher und behördlicher Hürden erhalten. Natürlich hat auch die finanzielle Unterstützung eine wesentliche Bedeutung. Sie alle kennen – wir haben darüber schon in vergangenen Debatten diskutiert – das Förderprogramm „Georgius Agricola“, das Stipendium, das wir begabten Studentinnen und Studenten aus dem internationalen Umfeld zur Verfügung stellen. Diese Förderrichtlinie wird auf mehr Länder erweitert werden, als es in der Vergangenheit der Fall gewesen ist. Wir wollen damit maßgeblich Talente fördern, die aus dem Ausland zu uns kommen und idealerweise langfristig bei uns bleiben sollen. Dabei wird es entscheidend sein, die internationalen Studentinnen und Studenten für den sächsischen Arbeitsmarkt zu begeistern. Dafür stärken wir die Hochschulen beim Auf- und Ausbau ihrer Netzwerke und ihrer Zusammenarbeit vor allem mit der Wirtschaft. Das beginnt bei der frühzeitigen Vermittlung adäquater Praktikumsplätze für eine frühe Bindung und eine frühzeitige Perspektive für diese Menschen, die zu uns kommen wollen, über den Zeitraum ihrer Ausbildung bei uns hinaus. Wir unterstützen außerdem die wichtige Arbeit der CareerServices an unseren Hochschulen, die über studienergänzende Workshops zu Schlüsselkompetenzen, interkulturellem Training und Bewerbungstraining hinaus unsere Aktivitäten unterstützen und diese Bemühungen intensivieren werden. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die Verbesserung des Studienerfolgs und die Gewinnung internationaler Studierender sind zentrale Bausteine für die Zukunft des Wissenschaftslandes Sachsen und letztlich für die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Sachsen. So sind am Ende unsere Studentinnen und Studenten eine besonders bedeutende Gruppe in unserem Wissenschaftsland. Noch sprechen wir über deren Gewinnung und Studienerfolg, aber wir dürfen dabei nicht vergessen, dass seit dem Beginn der Corona-Pandemie auch für diese jungen Menschen keine Normalität mehr herrscht. Sie beginnt sich wieder zu entwickeln; es beginnt eine neue Normalität. Es bleibt aber auch dabei, dass seit dem ersten Lockdown im Jahr 2020 für mehr als zwei Jahre ein überwiegender Teil der Lehre digital stattgefunden hat. Es war für alle Beteiligten eine Mammutaufgabe, diese Transformation in so kurzer Zeit zu realisieren. Deswegen möchte ich – auch wenn wir das alles schon fast wieder vergessen haben – an dieser Stelle noch einmal allen Beteiligten, den Hochschulen, den Dozenten und natürlich unseren Verwaltungen und den Studierenden ganz herzlich dafür danken, dass sie diese Zeit bewältigt haben, dass sie so vieles hingenommen haben und trotzdem erfolgreich geblieben sind. Dafür noch einmal mein ganz herzlicher Dank an dieser Stelle. (Beifall bei der CDU, den BÜNDNISGRÜNEN, der SPD und der Staatsregierung –
