Kathleen Kuhfuß
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich hatte ein wenig Atmosphäre angekündigt. Zum Schluss möchte ich Sie noch mit einer Frage konfrontieren, und zwar, ob Sie glauben, dass sich Studierende in Berlin, in Heidelberg oder gerne auch in Chemnitz von dem Beitrag im „Ärzteblatt Sachsen“ aus dem Dezember – diesen hat Frau Schaper erwähnt – angezogen fühlen. Der Beitrag, der die Krise des Klimawandels zum Klimaterrorismus verkürzt und die Debatte um Informationen sowie Behandlung von Transpersonen als politisches Verbrechen darstellt. (Zuruf von der AfD) Auch wenn es sich um die persönliche Meinung im Editorial handelt, sollte sich die Kassenärztliche Vereinigung fragen, ob der Versorgungsauftrag mit derartigen Äußerungen wirklich gestärkt wird oder ob es abschreckt, wenn man sich derartig gehen lässt. Meine persönliche Meinung dazu ist klar. Aber ich stelle mir die Frage, ob auch hier im Haus ein Bewusstsein dafür vorhanden ist, welches Bild wir jungen Menschen von dem Geschehen in Sachsen vermitteln. Wir müssen uns nicht wundern, dass wir kaum jemanden in unser wirklich schönes Bundesland locken können. Um es noch einfacher zu sagen: Wer Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen haben will, der muss akzeptieren, dass es Wissenschaft gibt. Er muss auch als lebenserfahrener Mensch anerkennen, dass sich die Welt weiterentwickelt. Junge Mediziner(innen) – ob mit oder ohne Migrationshintergrund – kommen nur aufs Land, wenn sie als moderne, aufgeklärte Menschen hier sein dürfen und ein Umfeld erleben, welches fortschrittlich und weltoffen ist. Vielleicht gelingt es ja Herrn Heckemann als Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung zu verdeutlichen, dass es sein Job ist, die medizinische Versorgung sicherzustellen. Er muss nicht alles gut finden, was in einer progressiven Welt passiert. Hilfreich aber wäre es, wenn er uns den Gefallen tut und sein persönliches, fortschrittsfeindliches, intolerantes Weltbild nicht im Amtsblatt abdruckt (Beifall der Abg. Lucie Hammecke, BÜNDNISGRÜNE, und bei den LINKEN) und uns nicht den letzten Mut nimmt, Fachkräfte zu finden, die sich gerne im ländlichen Sachsen um uns kümmern. Herzlichen Dank. (Beifall bei den BÜNDNISGRÜNEN, der SPD sowie der Abg. Daniela Kuge, CDU, und Susanne Schaper, DIE LINKE)
