Ivo Teichmann
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Sich für Kultur und Tourismus in Sachsen einzusetzen heißt auch, aus Fehlern zu lernen. Ich habe in Ihrer Rede, Frau Ministerin, ein ganzes Stück Selbstkritik vermisst; denn nicht alles, was hier im Bereich Kultur und Tourismus läuft, ist tatsächlich gut. Wenn wir auf die Pandemiezeit zurückschauen, dann hat die Staatsregierung einen großen Anteil daran, dass der Tourismus unverhältnismäßig großen Schaden genommen hat. Lassen Sie mich das als Wahlkreisabgeordneter aus der Sächsischen Schweiz, aber auch als Vorsitzender des Tourismusvereins Elbsandsteingebirge glaubhaft rüberbringen: Die Kultur- und Tourismusbranche möchte nicht von Almosen leben, sie möchte nicht von Fördermitteln leben, sondern sie möchte in erster Linie ungestört arbeiten können. Wenn Sie das gewährleisten können, haben Sie schon eine Menge getan. Leider habe ich das in den zurückliegenden Jahren anders erlebt. Lassen Sie mich, was den Tourismus betrifft, auf ein ganz entscheidendes Problem eingehen, das mir persönlich sehr am Herzen liegt. Der Tourismus in der Sächsischen Schweiz, aber auch in anderen Regionen in Sachsen, ist maßgeblich davon abhängig, wie es um unseren Wald bestellt ist. Beim Waldbrand in der Sächsischen Schweiz im August letzten Jahres haben Sie gesehen, dass der Tourismus zum Erliegen kommt, wenn wir unseren Wald nicht schützen. Das gilt besonders für den Staatswald, speziell für den Nationalpark Sächsische Schweiz. Die Staatsregierung, insbesondere Herr Günther – der hier leider nicht anwesend ist –, hat eine Mitverantwortung dafür, dass sich der Borkenkäfer im Nationalpark Sächsische Schweiz ungestört ausbreiten kann. Im Privatwald, im Kommunalwald, wird mit Fleiß und Engagement dagegen angekämpft, aber im benachbarten Staatswald findet das leider nicht statt. Das verärgert die Bewohner und die betroffenen Nachbarwaldbesitzer ganz enorm. Die Waldbesucher sagen zu mir als Tourismusvereinsvorsitzenden: Herr Teichmann, wie sieht‘s denn bei euch aus? Es stehen uns die Tränen in den Augen – und ich kann es verstehen; denn Waldschutz ist auch Heimatschutz, und das muss unser gemeinsames Anliegen sein. Dies betrifft auch den Waldbrandschutz. Wenn wir alle davon reden, dass die Waldbrandgefahren in den künftigen Jahren größer werden, kann es doch nicht sein, dass wir nicht in der Lage sind, ausreichend Löschwasser bereitzuhalten. Wir sind nicht in der Lage, den Feuerwehrleuten einigermaßen das Leben zu erleichtern, indem wir den Wald soweit begehbar machen, dass ungehindert Löscheinsätze gefahren werden können. Das alles ist bedrückend und ich denke, es wäre gut gewesen, wenn Sie sich, Frau Ministerin – oder auch insgesamt die Staatsregierung –, dazu geäußert und selbstkritisch rückblickend beurteilt hätten, dass hier enormer Handlungsbedarf besteht. Dieser besteht zweifelslos. Doch bei aller Kritik möchte ich gern etwas Lobendes erwähnen und mich bedanken. Ich bedanke mich dafür, dass nunmehr nach sechs Jahren, am Freitag, den 3. Februar 2023, die Aussichtsplattform an der Bastei endlich wiedereröffnet und begehbar gemacht wird. Das hat den Freistaat Sachsen circa 3 Millionen Euro gekostet. Ich weiß, dass die Baumaßnahme nicht unumstritten ist, aber ich selber begrüße sie ausdrücklich. Ich möchte allerdings eine Bitte damit verbinden. Ich würde mich freuen, wenn dieses Betonbauwerk farblich in Sandsteinoptik gestaltet würde, so dass sich ein solches Bauwerk sensibler in die vorhandene Umgebung einfügt. Dies ist mit einem geringen finanziellen Aufwand machbar. Wir alle erwarten, wenn Leute Baumaßnahmen vollziehen, dass sich diese Baumaßnahmen harmonisch in Natur und Landschaft einfügen. Dies sollte auch für den Freistaat, der eine gewisse Vorbildrolle an dieser Stelle hat, genauso gelten. Vielleicht ist es möglich, hier noch einmal nachzubessern. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
