Hanka Kliese
Vielen Dank, Herr Präsident. Herr Keiler, Sie haben recht, wir suchen tatsächlich nach der besten Form des Strafvollzugs, die eine Form ist, die zu so wenig Wiederholungsstraftaten führt wie möglich. Das heißt, wir suchen nach der idealen Form, die dazu führt, dass Menschen nicht nur eine Haftzeit absitzen, sondern dass sie innerhalb dieser Haftzeit etwas lernen, dass sie sich innerhalb dieser Haftzeit mit ihren Straftaten auseinandersetzen, vielleicht auch in einem Opfer-Täter-Ausgleich beispielsweise, und dass sie innerhalb ihrer Haftzeit Tätigkeiten ausüben, die sie befähigen, nach der Haftzeit wieder ein normales Leben zu führen. Ich persönlich habe mir das Projekt „Seehaus“ angeschaut. Ich weiß nicht, ob Sie schon einmal dort waren. Ich kann das sehr empfehlen. Ich habe den Eindruck, dass das dort sehr wohl stattfindet. Trotzdem haben Sie recht, die Zahlen sind nicht überzeugend. Das liegt aber daran, dass es für solche Projekte sehr konkrete Kriterien gibt. Das heißt, es gibt viele Straftäter, die nicht für das „Seehaus“ infrage kommen. Man lebt dort mit Familien, mit Kindern. Das heißt zum Beispiel, Sexualstraftäter können nicht dorthin. Die Kriterien sind sehr eng, sodass es nicht so viele Menschen gibt, die überhaupt in dieses „Seehaus“ können. Ich halte es trotzdem einen Versuch wert und finde deshalb auch die Evaluation richtig; denn ich denke, es sollte uns im Strafvollzug genau darum gehen, die Art und Weise bzw. den Weg zu finden – ich möchte jetzt nicht pathetisch sagen, einen besseren Menschen aus der JVA zu schicken –, der mehr tut, als Menschen einfach wegzusperren. (Beifall bei der SPD, der CDU, den BÜNDNISGRÜNEN und der Staatsregierung)
