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Romy Penz

AfD 16.12.2022 Sitzungen 7/63

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Ich möchte zunächst kurz auf den Redebeitrag von Frau Gockel eingehen: Wenn Sie Ihr Bildungssystem mit einem Auto vergleichen, so steht es nicht im Stau, sondern in einer Sackgasse, und Sie haben vergessen, das Lenkrad mal wieder herumzudrehen, oder die Sackgasse ist einfach zu eng geworden – vielleicht durch Ihre Koalitionspartner, dessen bin ich mir nicht ganz sicher. Wenn Sie sagen, Sie möchten Partner für die Kinder und die Eltern sein, so ist das absolut richtig; aber Eltern können auch Handwerker sein, Eltern können Handwerkerleistungsempfänger sein. Das spielt alles zusammen, dabei gibt es kein Schwarz und kein Weiß; es gehört für mich zusammen. Auf den populistischen Beitrag von Frau Melcher möchte ich nicht eingehen. Was fordern wir in unserem Antrag? Im ersten Teil fordern wir ganz einfach dazu auf, die Realität anzuerkennen. Die in Ihrer Begründung als Hauptgrund genannte Demografie ist nur ein kleiner Teil der Wahrheit. Als Handwerker, der auch im Besitz des Abiturs ist, möchte ich diese hier einmal durch ein Zitat zu Wort kommen lassen – allgemeingültig für alle Handwerksberufe –, stellvertretend durch eine Werbekampagne der Handwerkskammern. Zitat: „Es braucht dringend ein gesamtgesellschaftliches Umdenken. Es muss endlich in den Köpfen ankommen, dass eine berufliche Ausbildung genauso viel wert ist wie eine akademische. Auf diese Gleichwertigkeit möchte die Kampagne hinweisen und stellt dafür diejenigen in den Fokus, die sich zukünftig für das Handwerk entscheiden können. Handwerk liegt in der Natur der Menschen. Es muss gelingen, dass wieder mehr Menschen es auch zum Beruf machen.“ Ähnliche Worte kamen heute Morgen auch bei einem anderen Thema aus den CDU-Reihen. Die Kampagne besteht aus Bildern – aus Bildern mit Kindern, nicht mit Handwerkern. Auf diesen Bildern liest man nachfolgende Sätze und auch Fragen, die ich als Aufforderung und Hilferuf, aber auch als Bestätigung für die Notwendigkeit unseres Antrags sehe. Plakat 1: Unsere Kinder lernen, mit dem Kopf zu arbeiten. Mit den Händen arbeiten sollen dann andere. Warum steht Wissen über Können, wenn wir beides brauchen? Hier stimmt etwas nicht. Plakat 2: Kinder sollen sich frei entwickeln. „Wie?“, fragen Erwachsene. Warum ist ein Studium oft die einzige Vorstellung von einem gelungenen Leben? Hier stimmt etwas nicht. Plakat 3: In der Schule lernt man fürs Leben. Zum Leben gehört Handwerk. Über das Handwerk lernt man wenig. Warum erfahren wir kaum etwas über unsere wirklichen Möglichkeiten? Hier stimmt etwas nicht. Plakat 4: Die meisten Kinder wollen einmal irgendetwas mit Handwerk machen – bis sich Erwachsene einmischen. Warum vergessen wir, dass Begreifen viel mit unseren Händen zu tun hat? Hier stimmt etwas nicht. Diese Sätze unterstreichen mehr als deutlich den zweiten Teil unseres Antrags, wobei auch dieser nur ein kleiner Baustein unserer Bemühungen sein kann. Die Hauptakteure der inhaltsvollen und treffsicheren Kampagne sind also Kinder. Kinder entdecken ihre Umwelt mit den Händen, verwirklichen damit ihre Ideen, können auf ganz natürliche Art kreativ sein. Mit dem Eintritt in die Schule und zunehmendem Erwachsenwerden wird den Heranwachsenden seit den Neunzigerjahren verstärkt durch Lehrer und Eltern vermittelt, dass geistige Fähigkeiten der entscheidende Faktor für ein erfolgreiches und glückliches Leben seien. Hier müssen wir dringend gegensteuern, denn die Vorstellung von Work-Life-Balance wird zunehmend über Homeoffice und Gleitarbeitszeit definiert. Genau das haben aber das Handwerk und ein Großteil von Wirtschaft und Industrie schlicht und einfach nicht zu bieten. Die bisherigen Bemühungen, die Sie in Ihrer Begründung als Ablehnungsgründe aufführen – und das ist zahlenmäßig belegbar –, sind absolut nicht zielführend. Deshalb: Entrümpeln oder entschlacken wir, wie Frau Friedel sagte, die Lehrpläne! Schaffen wir ein breites Spektrum für alle Schüler und nehmen wir dabei auch die Lehrer mit, genau wie in unserem Antrag beschrieben. Wenn nun fast 50 % der Schüler bereits nach der 4. Klasse den gymnasialen Weg gehen, so ist das eher eine Inflation auf das Gymnasium. Ich weiß nicht, ob Studierfähigkeit und Studienberechtigung noch gleichgesetzt werden. Mir scheint, dass dabei nicht mehr unterschieden wird. Somit bleibt uns doch überhaupt nichts anderes übrig – wenn 50 % der Schüler auf das Gymnasium gehen –, als die duale Ausbildung und somit unseren Mittelstand auch an den gymnasialen Standorten zu stärken. Das kann nur im Sinne aller sein, deshalb gehe ich von Ihrer Zustimmung aus. Vielen Dank. (Beifall bei der AfD) Dritte Vizepräsidentin Luise Neuhaus-Wartenberg: Das war Frau Penz für die AfD-Fraktion mit dem Beginn der zweiten Rederunde. Gibt es weiteren Redebedarf? – Das sehe ich nicht. Herr Staatsminister Piwarz, bitte schön.

Alle Reden von Romy Penz Protokoll ↗