Kay Ritter
– Ende 2022 beschlossen – das ist jetzt nicht mehr lange hin –, und so mancher Anwesende im Hohen Haus, der damals noch auf der anderen Seite des Tisches saß – Herr Urban, 2011 waren Sie noch Chef der Grünen Liga –, hat die Entscheidung insgeheim bestimmt begrüßt. Der Grundgedanke, meine Damen und Herren, Schaden, der durch eine saubere, aber risikobehaftete Technologie entstehen kann, abzuwenden, ist in der Sache nicht verwerflich. Die fehlende Menge sollte in der Hauptlast durch Gas ersetzt werden. Das hat genau 3 982 Tage in der Theorie funktioniert, und jetzt wissen Sie alle, was nach diesen 3 982 Tagen passiert ist: Dann kam der russische Angriffskrieg, und plötzlich ... So ist es nun einmal in der Praxis. Ich nenne einmal Zahlen des letzten Jahres: Wir hatten im vorigen Jahr in Deutschland einen Primärenergieverbrauch von 3 387 Terawattstunden, 497 davon sind russisches Erdgas und 210 Terawattstunden sind Kernenergie, die ab April dann nicht mehr zur Verfügung steht. Meine Damen und Herren, wir reden hier nicht über die Krümel auf dem Backblech. (Zuruf von der AfD: Nein!) Es fehlt ab nächstem Jahr tatsächlich ein Fünftel des Kuchens; das muss man so klar benennen. Das haben wir auch erkannt, Herr Urban, also, so ist es ja nun nicht. Wir schwimmen ja nicht auf der Wurstsuppe. Die verarbeitende Industrie schaut mit Recht nach Berlin und wünscht sich eine Entscheidung, bezahlbare und verlässliche Energie zu besorgen, (Zuruf von der AfD: Aha!) und zwar auf der Grundlage nicht nur von Strom, sondern auch von Gas, Kohle, Pellets, Öl und alternativen Energien. Die Zwischenbilanz in Berlin fällt verheerend aus; das muss man klar und deutlich sagen. Für den Bürger ist es doch zweitrangig, ob der Strom aus (Sebastian Wippel, AfD: … der Steckdose kommt!) Fotovoltaikanlagen oder aus einem Windrad kommt; er muss bezahlbar bleiben. Ich denke, darin sind wir uns hier in diesem Haus alle einig. Das muss das Ziel sein. Die Versorgungssicherheit müssen wir gewährleisten. Ich bin unserem Ministerpräsidenten sehr dankbar, dass er auf Bundesebene nicht nur für die Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke bis April wirbt. Ich habe es gerade gesagt: 20 % von dem Kuchen fehlen. Wie sollen wir das denn lösen? Wir müssen dort an die Sache herangehen und den Netzausbau vorantreiben. Es muss weniger Genehmigungsverfahren geben und alles etwas schneller gehen. Ich kann mich erinnern: Ihre Idee war in der letzten Debatte – oder vor zwei Plenarsitzungen –, in der Lausitz (Jan-Oliver Zwerg, AfD: KKW!) ein Kernkraftwerk zu bauen. Tolle Idee! (Jan-Oliver Zwerg, AfD: Ja, zum Beispiel!) Wie lange dauert so etwas, bis es fertig ist? (Jan-Oliver Zwerg, AfD: Das ist doch kein Grund, nicht anzufangen! – Zuruf von der AfD: Das ist doch lächerlich!) – Genau, ja, ja, ist klar. – Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir sind uns einig: Versorgungssicherheit geht vor allem, und dazu müssen wir alle verfügbaren Energiearten nutzen. Alles andere erzähle ich in der zweiten Runde. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU)
