Romy Penz
Schule ist mehr als Unterricht. Sechs Jahre Landesprogramm Schulsozialarbeit sind ein Erfolgsmodell für Sachsen. Hier stellt sich mir jedoch folgende Frage: Wie passt die Wortwahl „Erfolgsmodell“ in den Kontext Ihres Debattentitels? Der Begriff „Best Practice“, auch Erfolgsmodell oder Erfolgsrezept genannt, stammt aus der angloamerikanischen Betriebswirtschaftslehre und bezeichnet bewährte, optimale, vorbildliche Methoden, Praktiken und Vorgehensweisen in der Unternehmensführung. Ich möchte einmal aus dem Evaluationsbericht zitieren: „Der dreimalige Wechsel der Förderkonditionen zwischen August 2017 und 2019 hat allerdings dazu geführt, dass in den ersten gut eineinhalb Jahren der Förderung sehr viel Unruhe vor Ort herrschte und von den Trägern der freien Jugendhilfe und den Jugendämtern ein sehr hoher Verwaltungsaufwand zu leisten war.“ (Sabine Friedel, SPD: Welches Jahr meinen Sie denn?) – Ich denke, das wissen Sie, Frau Friedel. Das brauche ich Ihnen nicht zu beantworten. Wer als Träger der freien Jugendhilfe von Beginn an gefördert wurde, musste innerhalb von 18 Monaten viermal Anträge stellen und für diese Zeit dreimal Fördermittel abrechnen. Die Jugendämter hatten analog viermal Förderbescheide zu erstellen und dreimal Verwendungsnachweise zu prüfen. (Sabine Friedel, SPD: Das war früher!) – Um noch einmal auf Sie einzugehen, Frau Friedel: Vor 2017 war es noch einer größerer Flickenteppich, wie Frau Pfeil schon erwähnte. Damit passt das Wort „Erfolgsmodell“ schon mal nicht, und auch die Jahresbilanz dieses „Erfolges“ wird halbiert, wenn man noch weitere Kritikpunkte dieses Berichtes einbezieht, welche ich hier unmöglich alle aufzählen kann. Verschiedene Monitoringmodelle, die schwammigen Definitionen und Hinweise aus der sächsischen Fachempfehlung und die Angliederung der Jugendhilfe machen die Schulsozialarbeit für alle beteiligten Akteure leider nicht einfacher. Fakt ist aber: Aufgrund zahlreicher und nicht selten gravierender Probleme an nahezu allen Schulen und Schularten sind Schulleiter und Lehrer sehr froh, dass es die Sozialarbeit gibt. Zur Wahrheit gehört aber auch: Schulsozialarbeit bekämpft lediglich Symptome, die Wurzel wird nicht gegriffen. Deshalb wird der Ruf nach einem immer höheren Schlüssel für die Schulsozialarbeit nicht abreißen. Wenn wir die gesamtgesellschaftlichen Probleme nicht lösen, wird uns die Schulsozialarbeit nicht retten. Eine Leistungsgesellschaft lebt von Fordern und nicht nur von Fördern. Es muss auch für Kinder und Jugendliche klare Grenzen und Regeln geben, die sie einhalten. (Beifall bei der AfD) So wird sicherlich auch der Krankenstand der Lehrer reduziert und die Motivation der Lehrer außerordentlich erhöht. Solange Leute, die alle Regeln der Gesamtgemeinschaft missachten und zur Durchsetzung ihrer Ideologie ganz bewusst Sachbeschädigungen begehen und die Gefährdung von Menschenleben billigend in Kauf nehmen, solange zum Beispiel Klimakleber mit dem wohlwollenden Begriff „Aktivisten“ versehen werden, wird der Ansatz auf den Kopf gestellt. (Beifall bei der AfD – Zuruf der Abg. Susanne Schaper, DIE LINKE) Ich frage mich, ich frage Sie: Wurden diese Klimakleber – – (Marco Böhme, DIE LINKE: Thema verfehlt! – Zuruf von der CDU) Ich zitiere nun aus der Fachempfehlung. (Rico Gebhardt, DIE LINKE: Ja! – Zuruf von der AfD) – Hören Sie bis zum Ende zu, Herr Gebhardt. (Zurufe von den LINKEN) Ich frage mich: Wurden diese Klimakleber – ich zitiere nun aus der Fachempfehlung der Schulsozialarbeit; so viel zum Thema – „im Sinne einer subjektiven Auseinandersetzung mit der Welt und der Aneignung von Welt im Kontext (Zuruf des Abg. Rico Gebhardt, DIE LINKE) der Förderung von individueller sozialer, schulischer sowie zukünftiger beruflicher Entwicklung“ – Zitat zu Ende, Herr Gebhardt – betreut? Wird der Sinn der Sozialarbeit hiermit ad absurdum geführt? Sehr geehrte Damen und Herren! Ich freue mich sehr auf den Debattentitel: Schulsozialarbeit hat sich erledigt, weil sie so erfolgreich war. Danke. (Beifall bei der AfD)
