Valentin Lippmann
Eigentor!) Frau Mertsching, das mit dem Wasser, das rechnen Sie noch mal durch. Vielleicht können Sie auch noch mal verschiedene Kühlsysteme und -türme googeln. Die Kernenergienutzung erfordert eine umfassende Infrastruktur und eine neue Generation von gut ausgebildeten Arbeitskräften mit einem Höchstmaß an Verantwortungsbewusstsein – von der Anreicherung, der Herstellung von Brennstäben, der Stromproduktion bis zur Wiederaufbereitung. Die Urangewinnung verteilt sich heute auf viele Länder: Kasachstan, Kanada, die USA, Australien und weitere. Der Rohstoff Uran ist für viele Hundert Jahre verfügbar. Mit einem Brennstoffkreislauf und der Nutzung von Thorium kann die Reichweite der Uranvorkommen enorm erhöht werden. Die Endlagerthematik ist kein K.-o.- Kriterium. Dass von radio-toxischen Substanzen eine grundsätzlich andere Gefahr ausgeht als von chemisch-toxischen steht klar im Widerspruch zum Stand des Wissens und der Forschung. Das Inventar der chemischen Untertagedeponie Herfa-Neurode stellt ein erheblich größeres chemisch-toxisches Potenzial dar als jemals durch die in Deutschland angehäuften radio-toxischen Reststoffe erreicht werden kann. Überdies zerfallen radio-toxische Reststoffe nach gut bekannten naturgesetzlichen Regeln, während bei chemisch-toxischen Abfällen die Haltbarkeit zum großen Teil unbegrenzt oder unklar ist. Parallel zur Lagerung von nuklearen Reststoffen müssen Alternativen erforscht werden. Das Ziel muss die Wiederverwertung nuklearer Reststoffe sein, sodass ein geologisches Endlager nicht mehr nötig ist. Frankreich erzeugt bereits jetzt mehr als 12 % seines Stroms aus recyceltem Atommüll, dank Wiederaufbereitung. Atommüll birgt natürlich ein großes Gefahrenpotenzial, wenn er in der Biosphäre freigesetzt wird. Dieses Potenzial beträgt allerdings nur ein Zwanzigstel der Zeitspanne, die in Deutschland gesetzlich festgelegt ist, nämlich eine Million Jahre. Wahrscheinlich wurde deshalb in Schweden und Finnland ein Endlagersicherheitsnachweis von nur 100 000 Jahren gesetzlich festgeschrieben. (Antonia Mertsching, DIE LINKE: Nur 100 000 Jahre!) Die Forderung nach einer Lagersicherheit von einer Million Jahre ist wissenschaftlich nicht begründbar. Die Endlagerung funktioniert so: Die Sorgfalt beginnt mit der Verpackung des Atommülls. Was nicht recycelt wird, verbrennt im Drehrohrofen. Die Asche wird dann mit flüssigem Gas vermischt, das in Kupferzylindern erstarrt. Diese werden dicht verschweißt und kommen in wasserdichte Endlagergebinde, die ihrerseits dann im Endlager in 800 Meter tiefe Schächte – weit unter dem Grundwasserspiegel, Frau Mertsching –, in wasserdichte Tonzylinder eingebracht werden. Sie können auch gern in 800 Meter Tiefe ein Hinweisschild anbringen: Vorsicht, dort liegt was! Die einzelnen Gänge werden dann auch noch mit Ton verfüllt. Warum haben Sie ein Problem mit einem Endlager? Noch heute wird Kernenergie von den Vertretern der Altparteien auf dem technischen Stand der Siebzigerjahre erklärt. Die Welt steht nicht still. Die Kernenergieforschung hat enorme Fortschritte gemacht. Die Kernenergie wird heute von fast allen hochentwickelten Ländern als Zukunftstechnologie gesehen. Deutschland war einst Technologieführer bei der zivilen Kernenergienutzung. Der Abstieg begann mit dem Aufstieg der GRÜNEN. (Beifall bei der AfD) Ja, die Kernenergienutzung verlangt ein Höchstmaß an Verantwortung, ganz klar. Offenbar trauen das GRÜNE, SPD, LINKE und die CDU Deutschland nicht mehr zu. Heute entscheiden nicht mehr Spitzenwissenschaftler, Ingenieurskunst über Deutschlands Zukunft, heute entscheiden die Parteizentralen. (Zuruf der Abg. Susanne Schaper, DIE LINKE) Wurde Deutschland vor nicht langer Zeit für seine Technologieführerschaft der friedlichen Kernenergienutzung – (Antonia Mertsching, DIE LINKE: Was ist daran friedlich?) – vom Ausland bewundert, wird es heute bemitleidet und verspottet. Presseartikel, wie „Hat Deutschland die dümmste Energiepolitik der Welt?“, sprechen Bände. (Zuruf der Abg. Antonia Mertsching, DIE LINKE) Wenn Sie fragen, wo genau der Standort für ein Kernkraftwerk sein soll, frage ich: Wem wollen Sie alternativ 2 000 Windräder vor die Nase setzen, und woher soll die Energie bei Windflaute kommen? Herr Dr. Gerber, auch wenn es 6 Megawatt sind; wenn kein Wind weht, dann passiert dort auch nichts. Deutschland hat die höchsten Sicherheits- und Umweltstandards. Das wollen wir festhalten. Es ist bekannt für sein Höchstmaß an Verantwortungsbewusstsein. Wenn in Afrika, Asien, Amerika die Kernenergie genutzt wird, können wir das auch. Ehemalige Schwellenländer wie China und Indien sind, was Forschung und Entwicklung neuester Reaktordesigns betrifft, längst an uns vorbeigezogen. Deshalb wollen wir hier eine Machbarkeitsstudie, liebe Kollegen. Es geht nicht darum, dass wir jetzt ein Herkules'sches Kernkraftwerk als Leichtwasserreaktor oder so in der Lausitz installieren wollen, – (Marco Böhme, DIE LINKE: Hier steht: „Kernenergie – Eine echte Chance für die Lausitz!“) – an die CDU gerichtet. (Rico Gebhardt, DIE LINKE: Was Sie hier erzählen!) Die Wissenschaftler vom Institut für Festkörperphysik Berlin, welche das Forschungsprojekt Dual-Fluid-Reaktor betreiben – hören Sie zu Herr Gebhardt –, mussten in Kanada das Unternehmen Dual Fluid Energy gründen, um die Technologie zur kommerziellen Reife führen zu können. Kanada fördert solche Projekte – nur die Deutschen sind zu doof dazu, ihre eigenen Ingenieure zu fördern. (Jörg Urban, AfD: In Kanada gibt es auch keine BÜNDNISGRÜNEN!) Meine Damen und Herren, ich denke, das können wir so nicht stehen lassen. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, wie wir bei Forschung und Entwicklung – das geht in Richtung CDU – in puncto Kernenergie-Kraftwerkstechnik einen großen Schritt nach vorn machen. Ein erster kleiner Schritt wäre die Zustimmung zu unserem Antrag. Danke. (Beifall bei der AfD) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Herr Kollege Zwerg sprach für die AfD-Fraktion. (Georg-Ludwig von Breitenbuch, CDU, steht am Mikro 5.) Herr Kollege von Breitenbuch, bitte.
