Ines Kummer
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Bevor ich zum eigentlichen Antrag komme, lassen Sie mich noch ein paar Sätze zur aktuellen Situation im Breitensport sagen. Wir haben gestern und auch heute ausführlich über die Herausforderungen gesprochen, vor denen unsere Gesellschaft und auch unsere Sportlandschaft in Sachsen steht. Ich wiederhole es an dieser Stelle gern: Es genügt nicht nur, zu warten, was der Bund macht, sondern wir müssen hier in Sachsen auch Verantwortung übernehmen und ein Maßnahmenpaket vorbereiten. Sachsen muss Sportland bleiben, auch in Krisenzeiten. (Vereinzelt Beifall bei den BÜNDNISGRÜNEN und der SPD) Unsere Sportvereine brauchen, genau wie soziale oder kulturelle Strukturen, Unterstützung. Meine Kollegin Franziska Schubert hat in der gestrigen Debatte unsere bündnisgrünen Vorstellungen dazu klar formuliert. Der DOSB, der Dachverband des organisierten Sports, hat aber schon selbst die Initiative ergriffen und sich das Ziel gesetzt, 20 % Energie einzusparen. Mit den Empfehlungen zur Energiereduktion für Sportvereine vom 6. September dieses Jahres hat der DOSB aus meiner Sicht einen praktikablen Dreistufenplan für Sportstätten vorgelegt. Neben begleitenden Maßnahmen wie Änderungen des Nutzungsverhaltens und kurzfristige Umrüstungen, werden auch langfristige Umrüstungen für Sportstätten vorgeschlagen. Um genau zu wissen, wo welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, welche finanziellen Herausforderungen daraus hervorgehen, welche Förderkriterien in diesem Zusammenhang zukünftig sinnvoll und notwendig sind, braucht es eine landesweite Übersicht über den Zustand unserer sächsischen Sportstätten, eben eine Sportstättenstatistik. Mit dem Ihnen vorliegenden Antrag verfolgt die Koalition das Ziel, in nicht allzu ferner Zeit ein strategisches Planungsinstrument für das Sportland Sachsen in der Hand zu haben. „Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sächsische Sportstättenstatistik“ klingt vielleicht erst einmal trocken und langweilig. Allerdings ist die Erstellung einer solchen alles andere als trocken und langweilig. Das haben schon die vielen Vorgespräche deutlich gemacht. Liebe Kolleginnen und Kollegen, 2021 standen 20,5 Millionen Euro für investive Sportförderung zur Verfügung, im Jahr 2022 sind es 21,78 Millionen Euro. Das klingt viel, trotzdem haben wir Sanierungsstau bei unseren Sportstätten. Im Umkehrschluss reichen die im Haushalt eingestellten Mittel nicht aus, um alle Bedarfe zu erfüllen. Wir haben im Moment keinen Überblick darüber, wo der Sanierungsbedarf am dringendsten ist. Wir haben aktuell auch keinen Überblick darüber, wie sich das Sportverhalten der sächsischen Sportlerinnen und Sportler entwickeln wird. Wir müssen uns die Frage stellen, wo in fünf, zehn und 20 Jahren welche Sportstätten gebraucht werden. Welche Sportstätten müssen am dringendsten saniert werden, und wo müssen wir in ein paar Jahren mit Baumaßnahmen rechnen? Die sächsische Bevölkerung altert, und damit ändert sich auch das Sportverhalten der Menschen. Das heißt zum Beispiel, dass Sportanlagen für ältere Menschen gut erreichbar und zugänglich sein müssen. Für uns BÜNDNISGRÜNE ist in diesem Zusammenhang Nachhaltigkeit ein großes Thema. Nicht nur den Herausforderungen des Klimawandels ist zu begegnen, auch Energieeffizienz muss bei Neubau und Sanierung von Sportstätten zwingend mitgedacht werden. Nachhaltigkeit heißt auch, Ressourcen effizient einzusetzen. Angesichts der enormen Summen, die investiert werden müssen, wäre es nicht mehr zeitgemäß, wenn zwei nebeneinanderliegende Kommunen große Mehrzweckhallen bauen, die nur zur Hälfte ausgelastet sind. Sportstätten müssen für Mehrfachnutzung zugänglich sein und sind als multifunktionale Bewegungsräume zu verstehen. Turnhallen für den Schulsport könnten am Nachmittag und am Abend auch für den Vereinssport genutzt werden. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir brauchen valide Daten, um all diese Fragen – und viele weitere – beantworten zu können. Wir brauchen valide Daten, um ein genaues, flächendeckendes Bild über den Bestand und den Zustand der Sportstätten in Sachsen zu erhalten. Dazu ist es notwendig, alle im Freistaat befindlichen Sportstätten zu erfassen, welche Sportarten dort ausgeübt werden, welche Nutzergruppen die Sportstätte tangieren, wie Kapazitäten und Bedarfe aussehen. Enorm wichtig ist dabei die Erfassung des baulichen Zustandes. Diese Daten helfen den Kommunen bei ihrer Sportstättenentwicklungsplanung, also genau der Planung, die die eben von mir aufgeworfenen Fragen beantworten soll. Diese Daten sollen in Zukunft Grundlage für Förderentscheidungen sein. Sie helfen zu erkennen, welche Projekte die größte Relevanz haben, wo der Bedarf oder der Sanierungsstau am größten sind. Damit schaffen wir die Grundlage für faire und transparente Förderentscheidungen. Uns BÜNDNISGRÜNEN sind eine gendergerechte Verwendung von Fördermitteln und eine gendergerechte Nutzung von Sportstätten dabei genauso wichtig wie die Frage, ob Sportstätten nachhaltig gebaut und inklusiv nutzbar sind. Mit dem Antrag für eine sächsische Sportstättenstatistik legen wir heute den Grundstein. Der Antrag sieht in einem ersten Baustein vor, vorhandene Daten zu Sportstätten bei den Kommunen und Landkreisen, dem Landessportbund sowie den Behörden des Freistaates systematisch zu erfassen und aufzuarbeiten. Mitgedacht haben wir dabei, inwieweit diese Daten bereits verschiedenen Nutzergruppen zur Verfügung gestellt werden können. Eine Fachkonferenz wird der zweite Baustein sein. Zusammen mit der kommunalen Ebene und mit Experten soll erörtert werden, welche weiteren Parameter notwendig sind, damit wir die Ziele „Sportstättenentwicklungsplanung“ und „bedarfsgerechte Förderentscheidung“ erreichen können. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Helfen Sie mit, den Sport in Sachsen zukunftssicher, krisenfest und nachhaltig aufzustellen. Stimmen Sie unserem Antrag zu! Vielen Dank. (Beifall bei den BÜNDNISGRÜNEN und der CDU) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Kollegin Kummer sprach für die Fraktion BÜNDNISGRÜNE. Kollege Pallas spricht nun für die SPD-Fraktion.
