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Christian Piwarz

22.09.2022 Sitzungen 7/57

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordneten! Die sächsischen Lehrpläne bieten vielfältige Möglichkeiten, sich dem Anliegen des Antrags zu stellen, sowohl in fachspezifischen als auch in überfachlichen Zielstellungen. Dass hier bereits eine Menge an den Schulen passiert, dokumentiert die umfassende Stellungnahme, die Ihnen bereits vorliegt. Die Schule soll die Heranwachsenden zum zukunftsfähigen Denken befähigen und ihre Bereitschaft zu sozialem und nachhaltigem Handeln wecken. Dabei agieren die Schulen und die Lehrkräfte eigenverantwortlich, sprich: Die konkrete Umsetzung von Lehrplaninhalten und -themen, die Art und Weise der Vermittlung von Wissen, Kompetenzen und Werten sowie deren Gewichtung und Differenzierung unterliegen der pädagogischen Verantwortung der Lehrkräfte – eine Verantwortung, der Sachsens Lehrkräfte mit viel Engagement und hoher fachlicher wie didaktischer Kompetenz nachkommen. Dazu gehört auch, das entsprechende Wissen aus den Bereichen Land-, Forst-, Ernährungswirtschaft und Gartenbau authentisch zu vermitteln, und dabei gehen die Schulen sehr unterschiedliche Wege. Begeistert hat mich beispielsweise das spezifische Schulprofil der Schule am Palmengarten in Leipzig, die gerade mit dem Sächsischen Schulpreis ausgezeichnet wurde. Mit ihrem Projekt „Klasse(n)kochen“ widmet sich das Gymnasium dem Themenfeld Ernährung in besonderer Weise. Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 6 bis 9 wirken lehrplanbezogen und fachübergreifend unter der Leitung eines Catering-Unternehmens und mit Unterstützung von Lehrkräften und Eltern bei der Vor-, Zu- und Nachbereitung der Speisen und einem Imbissangebot in der schuleigenen Mensa mit. Ganzheitlich werden nicht nur Lehrplaninhalte verschiedenster Fächer aufgegriffen, wiederholt und vertieft, sondern auch die Berufsorientierung und die Wirtschaftlichkeit in den Fokus gerückt. Ein anderes Beispiel ist das Berufsschulzentrum für Agrarwirtschaft und Ernährung Dresden. Das ist eine von derzeit 27 Klimaschulen in Sachsen und hat mit ihrem großartigen Garten der Nachhaltigkeit bereits im Jahr 2018 den Sächsischen Schulpreis erhalten. Diese zwei Beispiele illustrieren, wie individuell sich Schulen mit diesem breiten Themenfeld befassen. Nicht jede Schule muss sich gleich ein schulspezifisches Profil in einem der Themenschwerpunkte oder im Bereich der Nachhaltigkeit erarbeiten. Sinnvoll und wichtig sind aber ohne Frage unterrichtsergänzende Projekte, Exkursionen oder Veranstaltungen zu ökologischen Fragestellungen. Wir unterstützen gemeinsam mit Partnern die Schulen und Lehrkräfte mit vielfältigen Anregungen und Impulsen bei der Umsetzung des Bildungsauftrages. Überdies steht für die Vermittlung von Einblicken in ökologische Themen sowie grüne Berufe ein großes regionales und überregionales Informations- und Fortbildungsangebot zur Verfügung. Einige Fortbildungsangebote verzahnen die Themenbereiche miteinander, beispielsweise der Workshop „So schmeckt nachhaltige Ernährung“ oder das Seminar „Bildung für nachhaltige Entwicklung und globales Lernen, Ernährung und Klimawandel“. Diese sind besonders für Schulen interessant, die ihr Schulprofil unter dem Schwerpunkt der Bildung für nachhaltige Entwicklung und der Agenda 2030 ausrichten möchten. Mit Projekten zur klimafreundlichen Ernährung treffen die Schulen besonders das Interesse der Jugendlichen. Das hat die letzte, bereits dritte Jugendklimakonferenz gezeigt. Durch den Einsatz für die Förderung der gesunden Ernährung durch das EU-Schulprogramm und den Blick auf die Verwendung saisonaler und regionaler Obst-, Gemüse- und Milchprodukte leisten wir einen wichtigen Beitrag dazu. Und natürlich beschäftigt viele Schülerinnen und Schüler, was in ihrer Schulküche wie verarbeitet wird, wo die Produkte und Zutaten herkommen und nicht zuletzt, was es kostet. Hier wünsche ich mir, dass noch mehr Aktivitäten an Schulen stattfinden. Ich denke beispielsweise an Schülerfirmen, die in vielen Schulen bereits wichtige Bildungsimpulse setzen oder die Kooperation mit außerschulischen Partnern. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die gesamten Angebote und Aktivitäten zur Vermittlung der Themenfelder darzustellen, würde meine Redezeit um ein Vielfaches überschreiten. (Rico Gebhardt, DIE LINKE: Perfekt!) Exemplarisch möchte ich noch einige wichtige benennen. Erstens. Im Bereich der Forstwirtschaft können wir auf langjährige erfolgreiche Kooperation zwischen dem Staatsbetrieb Sachsenforst und dem Kultusministerium zurückblicken. Aktuell wird beispielsweise ein neu erarbeitetes Lehr- und Fortbildungskonzept zum Thema „Mathe im Wald“ getestet. Bewährte Maßnahmen, wie der Betrieb von drei Waldschuleinrichtungen, waldpädagogische Tageseinrichtungen, die Durchführung der Waldjugendspiele oder der Zertifizierungslehrgang Waldpädagogik bleiben auch in Zukunft fester Bestandteil der Kooperation. Sie erfreuen sich allesamt großer Beliebtheit. Zweitens nutzen viele Schulen eigene Schulgärten oder grüne Oasen auf dem Schulgelände als praktische Lernorte, nicht nur an Grundschulen im Rahmen des Sachunterrichts oder im Wahlbereich. Ebenso können sie auch an weiterführenden Schulen, zum Beispiel im Rahmen von Projekten, im fachübergreifenden oder fächerverbindenden Unterricht oder in Ganztagsangeboten genutzt werden. „AUS GRAU MACHT GRÜN“ ist das Motto des Sächsischen Schulgartenwettbewerbs. Er unterstützt und motiviert bereits – Herr Dr. Weigand, aufpassen – seit 1993 bei der Gestaltung der Natur- und Bewegungsräume. (Dr. Rolf Weigand, AfD: Ja, als Wettbewerb!) Drittens. Der Lernort „Lernen in der Landwirtschaft“ wird mit Mitteln des Freistaates Sachsen gefördert und von der Servicestelle „Lernen in der Agrarwirtschaft“ bei der gemeinnützigen Bildungsgesellschaft des Sächsischen Landesbauernverbandes umgesetzt. Beeindruckende 1 500 Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche werden von den teilnehmenden Betrieben durchgeführt. Dabei wird auch ein wichtiger Beitrag für die Berufsorientierung und Öffentlichkeitsarbeit für die grünen Berufe geleistet. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Schulen sollen das vielfältige Angebot externer Partner noch stärker nutzen können. Die über das eigens aufgebaute BNE-Portal veröffentlichten Informationen und Angebote mit klarem Bezug zur Bildung für nachhaltige Entwicklung stehen den Schulen entweder kostenfrei zur Verfügung oder können mit den Mitteln des Qualitätsbudgets genutzt werden. Finanziell kann die Einbeziehung externer Partnerinnen und Partner in schulische Angebote sowie für die Schul- und Unterrichtsentwicklung weiterhin durch die bewährten Instrumente schulisches Qualitätsbudget, GTA und die VWV-Schulfahrten unterstützt werden. Die authentische Vermittlung von Themen der Land-, Forst-, Ernährungswirtschaft und des Gartenbaus war, ist und bleibt Bestandteil der schulischen Bildung. Unser gemeinsames Ziel ist es, sie flächendeckend in allen Schulen zu verankern. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU, den BÜNDNISGRÜNEN und der SPD – Holger Gasse, CDU, steht am Mikrofon) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Staatsminister Piwarz sprach für die Staatsregierung. Ich sehe am Mikrofon 4 Herrn Kollegen Gasse. Darf ich nach dem Begehr fragen?

Protokoll ↗