Dr. Rolf Weigand
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die Bildungshütte in Sachsen brennt lichterloh, und unsere Schulen sind am Limit. Wir haben nach zwei Corona-Jahren immer noch Bildungsrückstände. Wir haben Unterrichtsausfall in Größenordnungen. Vor zwei Wochen war eine Schule aus Chemnitz im MDR zu sehen: kein Chemie, kein Physik und Mathe nur einmal in der Woche. Wo brennt es noch? Wir haben überfüllte Schulbusse. Morgens erlebt man zum Teil Schüler, die sich wie Ölsardinen in die Schulbusse pressen. Wir haben vollgestopfte Schulklassen – die Zielmarke der Koalition, an den Oberschulen die Eingangsklassen auf 25 zu verkleinern, liegt in weiter Ferne –, und wir haben explodierende Essenpreise an den Schulen. Bildung wird immer teurer. An diesem Punkt kommen Sie, werte Koalition, mit einem Prioritätenantrag zu Land-, Forst- und Ernährungswissenschaften sowie Gartenbau um die Ecke. (Christin Melcher, BÜNDNISGRÜNE: Ja!) Verstehen Sie mich nicht falsch: Ernährung, Umwelt- und Tierschutz sind wichtig; aber wissen Sie, was ich mich frage: Wozu braucht es diesen Antrag in Größenordnungen? Sie fordern in diesem Antrag Dinge, die es bereits gibt – mein Kollege Prantl wird in der zweiten Runde dazu ausführen –, und Sie wollen unter Punkt 1 wissen, wo im Lehrplan Land-, Forst- und Ernährungswissenschaften sowie Gartenbau zu finden sind. Geben Sie einfach einmal in die Suchmaschine „Lehrplan Datenbank Sachsen“ ein, und dann suchen Sie im Portal die Schlagworte „Landwirtschaft“, „Forstwirtschaft“, „Ernährungswissenschaft“ oder „Gartenbau“, und schon haben Sie alles beieinander. Das nennt man Recherche, und dafür braucht es diesen Antrag nicht. Weiter wollen Sie Auskunft zum Schulprogramm Obst, Gemüse und Milch. Dazu empfehle ich Ihnen meine Kleinen Anfragen. Ich hoffe, Sie wollen es auch ausweiten. Das zeigt die Antwort auf meine letzte Kleine Anfrage. Das kostet in Sachsen 11 Millionen Euro. Wir können wirklich etwas für unsere Kinder tun, indem wir gesunde Ernährung an den Grund- und Förderschulen ermöglichen. Trotz der Kritik musste ich beim Lesen Ihres Antrags schmunzeln. Sie erkundigen sich und fordern Gartenbau mit dem Fokus auf praktische Tätigkeit. Herzlichen Glückwunsch zu der Erkenntnis, dass Gartenbau praktisch erfolgt! Unsere jahrelange Forderung nach mehr Schulgärten trägt nun langsam Früchte. Haben wir dann bald die Goldmarie in jeder Grundschule? Das überrascht mich; denn als wir das als AfD immer wieder gefordert haben, gab es Worte wie – ich zitiere –: „Einmal mehr beschäftigen wir uns heute mit einer eher rückwärtsgewandten Initiative der AfD-Fraktion“, so Herr Kollege Gasse von der CDU. Oder Frau Friedel, Sie haben wegen unserer Forderung nach mehr Schulgärten, (Zuruf der Abg. Sabine Friedel, SPD) was auch mit Gartenbau zu tun hat, große Sorge gehabt, dass wir das Kultusministerium mit Dingen beschäftigen, die nun wirklich nicht zur Unterrichtsqualität beitragen. (Zuruf von Staatsminister Christian Piwarz) Oder: Frau Melcher von den GRÜNEN bezeichnete unsere Schulgartenidee vor zwei Jahren noch als „ideologisches Zwangsprogramm“. Nun heißt es in Ihrem Antrag, dass die Leistungen des Gartenbaus – ich zitiere – „wertschätzend zu vermitteln“ sind. Wenn auch nur zaghaft: Gartenbau und Schulgarten werden nun endlich an Sachsens Schulen gestärkt. Da kann man nur sagen: AfD wirkt. (Beifall bei der AfD) Wir als AfD fordern mehr Praxis in den Schulen. Die Schüler sollen sich die Hände schmutzig machen, gerade im Schulgarten. Sie sollen lernen – für die GRÜNEN ganz wichtig –, dass man CO für das Pflanzenwachstum braucht, genauso wie den Mist vom Bauern, damit etwas gedeiht. So schlägt man bereits in der Schule mit Wissenschaft ganz einfach links-grünen Klimawahn. (Beifall bei der AfD) Aber – und darin muss ich Ihnen widersprechen, Frau Firmenich von der CDU – eben nicht nur freiwillig im GTA, sondern Praxis für alle! Ich denke, damit schaffen wir einen großen Wurf, wenn es alle Kinder erleben, wenn die Kinder – und das wissen wir alle, die wir Kinder in Grundschulen haben – nicht nur ankreuzen müssen, GTA machen und dann leider welche hinten herunterfallen. Ich denke, gerade die Grundschule mit dem Schulgarten sollte man im Lehrplan nachschärfen und ausbauen. Wir werden jedenfalls dranbleiben. Ja, wir wollen mehr Praxis im gesamten Schulverlauf. Wir fordern eine Technische Oberschule, in der die Schüler gemeinsam bis zur 8. Klasse lernen und mit den regionalen Betrieben stärker zusammenarbeiten. Das ist ein wirklich wichtiger Beitrag zur Nachwuchsgewinnung für das Handwerk und hilft gegen den zunehmenden Akademisierungswahn, den wir hier erleben. Auch wenn wir hier durch Ihren Antrag einen zaghaften Versuch haben, mehr Gartenbau, mehr Landwirtschaft, mehr Forstwirtschaft zu haben, brennt die Bildungshütte weiter. Packen Sie das endlich richtig an und bekämpfen Sie den Lehrermangel; denn ohne Lehrer auch kein Schulgarten und kein Gartenbau. Vielen Dank. (Beifall bei der AfD – Sabine Friedel, SPD, steht am Mikrofon.) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Frau Friedel, eine Kurzintervention.
