Christin Melcher
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Im Juli stellte der Bürgerrat Bildung und Lernen der Montag Stiftung seine Empfehlungen für ein Sofortprogramm im Bildungsausschuss vor. Ganz oben auf der Liste der meist jungen Botschafter(innen) des Bürgerrates stand: Wir wollen eine lebensnahe Schule. Wir wollen mehr Praxis, mehr Beteiligung, mehr Einblicke in das echte Leben. – Genau hier setzt das Gesamtkonzept Bildung für nachhaltige Entwicklung an. Es geht um Handlungswissen. Landwirtschaft und Ernährung, der Schutz und die Nutzung natürlicher Ressourcen sind dabei wichtige Themenbereiche. Das Ziel ist, Kindern und Jugendlichen ein umfassendes Verständnis für die wirtschaftliche Nutzung natürlicher Ressourcen zu vermitteln. Auch soll ihr Bewusstsein für einen sorgsamen, nachhaltigen und respektvollen Umgang mit Natur und Umwelt geschärft werden. Deshalb gehören die Themen Land-, Forst-, Ernährungswirtschaft und Gartenbau fest zur schulischen Bildung, denn es geht nicht zuletzt um unsere Lebensgrundlagen. Sachsen ist mit seiner Landesstrategie Bildung für nachhaltige Entwicklung, dem BNE-Portal, und einer Vielzahl von Programmen, Projekten und Materialien gut aufgestellt. Auch wurde BNE in den Lehrplänen als überfachliches Ziel in allen Schularten verankert. Damit ergeben sich zahlreiche Anknüpfungspunkte, im Unterricht über Umweltschutz und Ernährung, Ackerbau, Viehwirtschaft oder auch die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald zu sprechen. Der Bericht der Staatsregierung zeigt zudem auf, wie vielfältig die Kooperationen mit außerschulischen Partnern bereits sind. Dies reicht von Schulgärten und grünen Klassenzimmern über Ganztagsangebote zum Imkern bis hin zu den jährlich stattfindenden Waldjugendspielen. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Im Koalitionsvertrag haben wir uns vorgenommen, die Umweltbildung weiter zu stärken und die Natur in der Schule stärker erfahrbar zu machen. Wir haben verabredet, wald- und umweltpädagogische Angebote weiterzuentwickeln und die Träger und Maßnahmen der Umweltbildung zu unterstützen. Auch sollten die Themen Umwelt, Naturschutz und Landwirtschaft in den Fortbildungen der Lehrkräfte stärker berücksichtigt werden. Dennoch, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehe ich, gemessen an den Zielsetzungen des Koalitionsvertrags und des vorliegenden Antrags trotz vielfältiger Maßnahmen und Programme einige Herausforderungen. Zunächst: Am Dienstag startete das 3. Sächsische Waldpädagogik-Forum. Beim größten Netzwerktreffen von Waldpädagoginnen und -pädagogen wurde deutlich kommuniziert, dass die Nachfrage nach wald- und umweltpädagogischen Veranstaltungen das Angebot oft deutlich übersteigt. Das liegt zum einen an einem hohen Interesse am Wald, zum anderen aber auch an den Folgen der Corona-Pandemie. Freiberuflich tätige Waldpädagoginnen und -pädagogen sind teilweise in andere Berufsfelder gewechselt und fehlen nun in der Waldpädagogik. Auch Aufenthalte in einem Waldschulheim sind oft lange im Voraus ausgebucht. Hierbei sollten wir darauf achten, dass der Zugang zu diesen Angeboten niedrigschwellig bleibt und möglichst viele junge Menschen davon profitieren können. Dafür ist es – zweitens – wichtig, bei der Umsetzung der Landesstrategie BNE die Empfehlungen zur Strukturentwicklung aufzugreifen. Es ist gut und richtig, dass die Landesstiftung Natur und Umwelt in ihrer Arbeit als Landeskoordinierungsstelle gestärkt wird; dafür wurden im Haushalt bereits Mittel eingeplant. Nachbesserungsbedarf sehen wir allerdings bei der Ausstattung der regionalen Servicestellen. Sie sind wichtig, um die BNE-Arbeit weiter zu professionalisieren, aber auch, um konkret vor Ort schulische und außerschulische Akteure zusammenzubringen. Dafür braucht es einen angemessenen finanziellen Rahmen; diesen wollen wir mit dem Haushalt schaffen. Drittens. Wir BÜNDNISGRÜNEN begrüßen, dass BNE inzwischen in der Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte verankert ist. Der Fortbildungskatalog enthält eine ganze Reihe von Veranstaltungen im Bereich Ernährungswirtschaft. Gerade in der universitären Phase der Lehramtsausbildung plädieren wir aber für eine weitere Stärkung jenseits von freiwilligen Angeboten und Fortbildungen. Zudem stößt auch das Fortbildungsangebot, etwa im Bereich Waldpädagogik, an personelle Grenzen, wie auch die Staatsregierung in ihrer Stellungnahme eingeräumt hat. Es bleibt also weiterhin genug zu tun. Was gut ist, kann immer noch besser werden. In diesem Sinne bitte ich um Zustimmung zu unserem Antrag. Herzlichen Dank. (Beifall bei den BÜNDNISGRÜNEN und der Abg. Sabine Friedel, SPD) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Die SPD verzichtet. Die AfD ist jetzt vorgesehen. Herr Dr. Weigand, bitte.
