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Luise Neuhaus-Wartenberg

Die Linke 21.09.2022 Sitzungen 7/56

Habe ich doch gesagt!) Nur diese Bereitschaft schafft Vertrauen. Aber diese Bereitschaft sehe ich im Antrag nicht. Der Weg, der damals in den Neunziger- und Zweitausenderjahren in der Lehrerpersonalpolitik in Sachsen eingeschlagen wurde, war ein Kompromiss für die älteren Generationen, in der Perspektive unser Land mit einer vernünftigen Finanzpolitik in der Verantwortung gegenüber den nachfolgenden Generationen zu entwickeln. (Beifall bei der CDU und der Staatsregierung) Kompromisse sollen immer einen Ausgleich erreichen, haben aber eben auch langfristige Auswirkungen, die einem nicht immer gefallen. Das Problem eint aber alle Bundesländer, und Sie sollten es wissen: Die Möglichkeiten des Gesamthaushalts bestimmen überall die Zahl der vorzuhaltenden Planstellen. Ein Teil der Schwierigkeiten liegt auch in den Besitzständen der Lehrer, die jene ausbauen wollen – wir hören sie da draußen –, die die Defizite in der Unterrichtsversorgung beklagen. K 6, K 9 und Altersanrechnungen sind hier aus der Zeit gefallen. Aber von den wirklichen Problemen, von naheliegenden Handlungsmöglichkeiten ist in diesem Antrag nicht die Rede. Den Antrag muss jemand geschrieben haben, der nicht weiß, wie Unterrichtsplanung, Schulorganisation und Lehrauftragsverteilung erfolgen. Es ist in der Tat so, dass Lehrerinnen und Lehrer dafür nicht immer das gebotene Verständnis zeigen. Friktionen bestimmen den Schulalltag. Die Kunst ist es, auf Friktionen zu reagieren. Dafür bräuchte es die Unterstützung durch eine verantwortungsbereite und kreative Schulverwaltung. Vieles, was Sie in Ihrem Antrag fordern, ist bereits absolut schulischer Alltag. (Lachen bei den LINKEN) Noch mehr Konferenzen, runde Tische und Stuhlkreise brauchen die Praktiker nicht. (Lachen bei den LINKEN) Sie brauchen klare Verantwortlichkeiten und Handlungsspielräume, nicht noch mehr Gremien. (Mirko Schultze, DIE LINKE: Wollen Sie diese Rede draußen halten?) Viele unserer Lehrer haben in den vergangenen Jahrzehnten Großartiges geleistet, aber unterdessen ist ein großes Problem im Alltag auch die mangelnde Resilienz für den Beruf des Lehrers. Wir haben Studienzeiten, die extrem lang sind, und Erwartungshaltungen, die nicht mit den Notwendigkeiten in den Schulen vereinbar sind. Der Lehrerberuf ist weder der Zugang für ein bedingungsloses Grundeinkommen noch die Fortsetzung einer eigenen glücklichen Schulzeit mit anderen Mitteln. (Beifall bei der CDU – Lachen bei den BÜNDNISGRÜNEN) Damit komme ich kurz zum Thema Seiteneinsteiger. (Unruhe) Nicht jeder wird glücklich werden, aber die allermeisten Seiteneinsteiger bereichern unsere Schulen und machen den Alltag bunter, (Zurufe von den LINKEN und der SPD) im Übrigen seit über 20 Jahren. Aber gerade das beschreibt den Konflikt mit jenen, die aus fachdidaktischer Überprägung nicht mehr in der Lage sind, Individualität als Wert anzuerkennen. (Unruhe) Hier braucht es Schulleitungen mit mehr Spielräumen zum Gestalten, ohne eben nur zu verwalten. Aber hier liegt in der Tat das Defizit. Es gibt im schulischen Alltag ganz normale Herausforderungen, die größere Auswirkungen auf einen regelmäßigen Schulbetrieb haben: (Zuruf des Abg. Rico Gebhardt, DIE LINKE) Elternzeit, Schwangerschaften, Pflegefälle und geplante Kuren. (Zuruf der Abg. Sabine Friedel, SPD) Ich bin sehr dafür, Fortbildungen weitgehend aus dem unterrichtlichen Schuljahr auszublenden. Vielleicht bedarf es ja einer klaren Verlagerung in den Ferienbereich, jenseits des Urlaubsanspruches von Lehrern. (Lachen bei den BÜNDNISGRÜNEN und der SPD – Zuruf von der CDU) Um den Beruf des Lehrers für die Zukunft attraktiv zu machen, muss man sich zudem vom klassischen Lehrerbild, wie es der Antrag postuliert, lösen. (Unruhe) Jene, die sich heute hinstellen und nur etwas von Überforderung, Work-Life-Balance oder der Suche nach notwendigen Freiräumen für Meditations- und Selbstfindungskursen erzählen, sind selten die Zierde des Berufsstandes. (Zuruf von der SPD – Beifall bei der CDU und vereinzelt bei der AfD) Ihr Anliegen mag legitim sein – unwidersprochen sollte es nicht bleiben. Das Spannungsfeld zwischen Fordernden und Handelnden ist zu einem gewissen Teil Generationskonflikt. Dass der Antrag aus der Perspektive der Großstadt geschrieben ist, zeigt die völlige Verkennung der Rahmenbedingungen für die Flexibilisierung im ländlichen Raum. (Lachen der Abg. Luise Neuhaus-Wartenberg, DIE LINKE) Ich habe hohen Respekt vor den Landkreisen und Verkehrsverbünden, die Linienpläne des ÖPNV und Taktungen mit den schulischen Planungen abstimmen. Dort können alle nur miteinander agieren. (Lachen bei den LINKEN und der SPD) Für Teilzeit gibt es gute Gründe. Aber wenn das Recht auf Teilzeit durch das Bundesarbeitsgericht faktisch zur Pflicht für den Arbeitgeber gemacht wird, stoßen wir in der Praxis an absolute Grenzen. Die Auswirkungen auf den Schulalltag sind gravierend. Das erscheint vielen Eltern absurd, vor allem aber jenen, die für ihr Einkommen nicht aus Steuermitteln bezahlt werden. Das wird von Interessenvertretern klein- und gleichzeitig der Lehrermangel großgeredet. Was wir brauchen, ist ein Verständnis für den Wandel des Lernens in den Formen und Inhalten der jungen Generation. Die digitalen Möglichkeiten dürfen wir nicht als Reaktion auf Defizite in der Unterrichtsversorgung reduzieren, sondern müssen sie als Chance sehen, uns von den linearen Bildungsangeboten nach Stundenplänen zu lösen. Mit der Initiative Bildungsland Sachsen 2030 sind die Eckpunkte gesetzt. Hierzu trägt allerdings Ihr Antrag keineswegs bei. Daher werden wir diesen Antrag als nicht zielführend ablehnen. Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit. (Beifall bei der CDU und vereinzelt bei der AfD – Beifall bei der Staatsregierung)

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