Luise Neuhaus-Wartenberg
Ich habe die Plakate tatsächlich nicht gesehen. Ich war nur fünf Minuten draußen und habe von Weitem geschaut. Ich will aber sagen: Nö, also das finde ich nicht, dass wir den Lehrerinnen und Lehrern „nichts“ geben. Das teile ich nicht. Aber was auf Plakate geschrieben wird, sind – solange es auf dem Grundgesetz basiert – freie Meinungsäußerungen. Dann ist es so, wie es ist. (Dr. Rolf Weigand, AfD: Aha!) – Solange es auf dem Grundgesetz basiert, sage ich noch einmal. Wir waren stehen geblieben beim kostenfreien Schulessen und dem ÖPNV-Ticket für alle Kinder. Das sollte das Mindeste sein, gerade auch bei den steigenden Energiepreisen. Ich glaube, darüber müssen wir noch einmal sprechen. Da sollte das Land die Kommunen als Schulträger nicht alleinlassen. Zu guter Letzt fordern wir einen runden Tisch „Schule – lerngerecht und sozial“, der aus ganz unterschiedlichen Expertinnen und Experten besteht, etwa aus Eltern- und Schüler(innen)vertretung, Lehrer(innen)vertretung, Studierendenvertretung, Schultrainern, Gewerkschaften, Wissenschaft und, und, und. Niemand hat die Weisheit gepachtet; es wäre absolut vermessen, das zu glauben. Daher sollte dieser runde Tisch jenseits davon, dass er über Maßnahmen zur Verbesserung der aktuellen Situation in der Bildung diskutiert, auch Ideen für die Zukunft entwickeln – eben auch, wie man zum Beispiel Lehrkräfte gewinnt. Um noch einmal grundsätzlich zu werden: Natürlich entsprechen einige Ideen nicht dem konservativen Denken einiger hier im Saal. Aber „traditionell“ und „konservativ“ zahlt sich gerade nicht wirklich aus. Deshalb braucht es progressive, mutige Schritte. Es braucht Schritte, die die Menschen, die sie gehen, mitdenken und die nicht nur ein System berücksichtigen, das irgendwie nicht stört. Zu diesen Menschen zählen auch langsam Lernende, Träumerinnen und Träumer, Schüchterne und Aufmüpfige. Auch sie brauchen ihren Platz in unserem Bildungssystem. „Scheitern dürfen“ gehört genauso dazu. Wir brauchen ein Bildungssystem, das seinen Blick neu ausrichtet und nicht nur damit beschäftigt ist, sich auf Defizite zu konzentrieren, sondern das vor allem Potenziale integriert. Es geht um die Entfaltung der Persönlichkeit, um Urteilsvermögen, Empathie, ästhetisches Empfinden, Konfliktfähigkeit, die Fähigkeit, politische Entscheidungen treffen zu können, und, und, und. All das können nur Lehrkräfte leisten, die Freude und Muße zugleich haben und nicht nur unter Arbeitsbelastung und Druck stehen. Sie sind deshalb auch die beste Werbung für den Beruf des Lehrers oder der Lehrerin. Auch deshalb ist unser Antrag eine gute Sache. Ich freue mich auf die Debatte. Herzlichen Dank. (Beifall bei den LINKEN)
