Petra Köpping
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordneten! Am vergangenen Freitag fand hier im Plenarsaal der Fachtag des Landkreises Meißen zum Thema „Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zwischen Corona und Suchtmittelkonsum“ statt. Die Schirmherrschaft dafür hatte Landtagspräsident Dr. Rößler. Viele meiner Kolleginnen und Kollegen aus dem Sozialministerium, zum Beispiel unsere Kinder- und Jugendbeauftragte, die Abteilungsleitung Jugend, Familie und Teilhabe, aber auch das Fachreferat Psychiatrische Versorgung, Suchtfragen sind anwesend gewesen. Die Rückmeldungen zu diesem Fachtag betrafen zwei große Punkte. Die erste Rückmeldung ergab eine wirklich spürbare Zunahme des Medienkonsums. So erhöhte sich die Zahl der Klientinnen und Klienten im Bereich der Medienabhängigkeit um circa 8 % laut Sächsischer Landesstelle gegen die Suchtgefahren. Die zweite Rückmeldung war, dass wirklich viele Angebote in der Corona-Zeit weitergelaufen sind. Ich möchte an dieser Stelle unseren Beratungsstrukturen noch einmal ein Dankeschön aussprechen. Sie haben nach ganz vielen Wegen gesucht, ihre Klientinnen und Klienten nicht fallen zu lassen, das heißt die Beratung nicht einstellen zu müssen, sondern um an dieser Stelle weitermachen zu können. Dafür mein ganz herzliches Dankeschön. (Beifall bei der SPD) Wir beobachten die Entwicklung im Bereich der Suchthilfe natürlich kontinuierlich. Wir nutzen dafür die Daten aus vielen Quellen, zum Beispiel die Deutsche Suchthilfestatistik, die Polizeiliche Kriminalstatistik oder eben auch die Epidemiologischen Suchtsurveys, den regelmäßigen Fachaustausch des SMS mit der Sächsischen Landesstelle gegen die Suchtgefahren e. V., mit deren Fachausschüssen und auch mit den entsprechenden regionalen Fachkräften. Wir haben während der Pandemie mit großem Engagement, Flexibilität und Kreativität gearbeitet. Wir haben den Kontakt zueinander nie abreißen lassen – und eben auch nicht zu den Klientinnen und Klienten. Deswegen konnte man mit Sicherheit viele Dinge, die in dieser Zeit unbeobachtet geblieben wären, auch beobachten und man konnte natürlich auch beraten und behandeln. Zum Konsumverhalten während der Pandemie ist es durchaus wichtig, gute Daten zu haben, damit wir das Hilfesystem weiterentwickeln können. Wir werten die Daten, die wir haben, auch nach den vorliegenden Quellen aus. Der laufende Auftrag des SMS ist eine vertiefte sächsische Auswertung im Rahmen der bundesweiten Epidemiologischen Suchtsurveys. Die Daten werden uns voraussichtlich im ersten Quartal 2023 vorliegen. Weitere Informationen erwarten wir durch unsere Studie zur psychischen Gesundheit einschließlich der so genannten F10-Diagnosen – das sind die Suchterkrankungen – der sächsischen Schülerinnen und Schüler im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Ich habe in diesem Plenum schon mehrfach angedeutet, dass wir voraussichtlich Ende 2022 belastbare Daten haben werden. Selbstverständlich werden die Ergebnisse des Drogen- und Suchtberichts einbezogen werden. Wir werden in Umsetzung der Forderungen in dem Antrag auch mit anderen Häusern weiterhin gut zusammenarbeiten. Ein wichtiger Partner dabei ist für uns natürlich das Kultusministerium. Herausgreifen möchte ich das Thema der crystalgeschädigten Säuglinge und Kinder. Unser Ziel ist es, drogengeschädigte Säuglinge und Kinder – nicht nur infolge des Crystalkonsums, sondern zum Beispiel auch infolge des Konsums von Alkohol – zu verhindern und, wenn nötig, zu betreuen. Schätzungen gehen bundesweit von circa 10 000 Kindern aus, die durch Alkohol- oder Crystalkonsum geschädigt worden sind. Über Ansätze, die Situation der betroffenen Familien zu verbessern, wird voraussichtlich zu Beginn des dritten Quartals dieses Jahres beraten werden. In diesem Zusammenhang werden auch die Netzwerkkoordinatoren „Frühe Hilfen“ der Landkreise und kreisfreien Städte laufend befragt. Deren Expertise wird natürlich einbezogen werden. Um die Ergebnisse der Studien umsetzen zu können, braucht es natürlich – das haben einige Rednerinnen und Redner vor mir schon angekündigt – auch finanzielle Mittel. Deswegen wollen wir dem Thema, das heißt auch den Auswirkungen von Corona, begegnen und haben dafür im Regierungsentwurf für den Haushaltsplan Mittel vorgesehen, damit wir entsprechend gegensteuern können. Nach Rücksprache mit den Fachleuten aus ganz Sachsen wollen wir uns ein Bild machen, um die entsprechenden Unterstützungsmaßnahmen einleiten zu können. Ich möchte noch einmal ausdrücklich für den Antrag danken, weil es wichtig ist, dass wir dieses bedeutende Thema auf die Tagesordnung setzen. Wir werden uns diesem Thema in der gemeinsamen Zukunft mit den betroffenen Menschen widmen. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU, den BÜNDNISGRÜNEN und der SPD) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Wir kommen jetzt zum Schlusswort. Das Schlusswort haben die drei einreichenden Fraktionen. Frau Čagalj Sejdi wird es übernehmen. (Unruhe)
