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Christian Piwarz

14.07.2022 Sitzungen 7/54

Ich hatte vorhin schon einmal ein wenig angedeutet, dass die Ukraine aufgrund eines zentralistischen Systems, da es zentral aus Kiew gesteuert wird, Angebote vorhält, die sich ein Stück weit unterscheiden und auf den ersten Blick vielleicht nach „mehr wert“ aussehen als das, was wir anbieten. Doch wenn man das genauer betrachtet, gibt es durchaus Unterschiede. Die All-Ukranian-Online-School ist das bekannteste Beispiel, bei dem Online-Lernplattformen und ähnliche Panels dabei sind. Es gibt durchaus gute Angebote, die dort vorgehalten werden. Auch wir können mit unseren Systemen immer noch davon lernen, wobei wir zahlreiche Systeme längst bei uns integriert haben. Man muss vorsichtig sein, wenn man Bildungssysteme miteinander vergleicht. Das eine ist die Digitalisierung, das andere die Frage, wie ein Bildungssystem generell arbeitet. Das ukrainische Bildungssystem – ich möchte niemandem in irgendeiner Weise zu nahe treten, ich möchte nicht falsch verstanden werden – ist jedoch primär – wahrscheinlich auch historisch begründet, wir kennen das in der hiesigen Region sehr gut – auf einen Wissenserwerb ausgelegt. Das heißt, ein sehr starker Fokus liegt auf Lernprozessen, beispielsweise recht umfangreichen Hausaufgabenerteilungen, wogegen wir in Sachsen versuchen, Lehr- und Lernprozesse nach der Trias „Wissen, Kompetenzen, Werte“ umzusetzen. Es gibt durchaus Unterschiede im konzeptionellen Herangehen, sodass man vor allem die Bewertung dieser Online-Angebote vor dem Hintergrund sehen muss, wie das ukrainische System insgesamt ausgestaltet ist. Im Ausschuss habe ich einmal gesagt, dass wir gerade im naturwissenschaftlichen Bereich offensichtlich größere Leistungsmöglichkeiten im ukrainischen System festgestellt haben. Das würde erklären, dass hier sehr stark auf den Wissenserwerb gesetzt wird, während wir in unserem System eher im sprachlichen bzw. geisteswissenschaftlichen Bereich die Vorteile sehen. Es kommt also wahrscheinlich – wie so oft – auf eine sinnvolle Mischung an, wenn man es als Möglichkeit der Bereicherung ansieht, die Vorteile herauszuziehen, aber auch darauf hinweist, dass es nach unserem Verständnis durchaus Dinge gibt, die wir aus guten Gründen anders machen. Dritte Vizepräsidentin Luise Neuhaus-Wartenberg: Vielen Dank. An Mikrofon 7 Herr Dr. Weigand.

Protokoll ↗