Sabine Friedel
Vielen Dank, Herr Präsident. Vielen Dank, liebe Kolleginnen und Kollegen, für die Debatte bis hierher. Wir haben die Aktuelle Debatte unter den Titel gestellt: „Schulfrieden gesichert, jetzt das Schulnetz stabilisieren“. Unser Anliegen war zum einen, zurückzublicken auf die Erfolge, die uns in den letzten zwei Jahren in Sachen längeres gemeinsames Lernen gelungen sind, und zum anderen nach vorn zu blicken auf die Herausforderungen, die uns in den nächsten Jahren bevorstehen. Insofern war ich etwas überrascht über die Redebeiträge der Kollegen – hier bleibe ich mal bei der männlichen Form –, dass die Kämpfe der Vergangenheit wieder ausgetragen werden. Ich glaube daran, dass wir es in dieser Runde vor zwei Jahren geschafft haben – damals haben wir alle etwas anders miteinander gesprochen –, einen Schulfrieden herzustellen, den es vorher nicht gab. Wir haben ihn mit einem Kompromiss hergestellt, bei dem es alle Seiten geschafft haben, von Maximalpositionen abzukommen und die Perspektive des anderen zu verstehen. Ich denke, die hohe Nachfrage, der Erfolg – man muss die Zahl von Schulen mit längerem gemeinsamen Lernen jetzt nicht nur an einer, sondern an zwei Händen abzählen – und die hohen Anmeldezahlen geben uns recht, dass wir vor zwei Jahren etwas Gutes gemacht haben. Die Herausforderung der Zukunft – auf manche sind die Kolleginnen und Kollegen eingegangen – haben auch etwas mit den Instrumenten des Schulgesetzes zu tun, die wir zur Verfügung haben. Inhaltlich war es gestern zum Bespiel bei der Debatte um das Handwerk ein Thema. Wie schaffen wir es, dass Schulen junge Menschen auf ein Leben vorbereiten, das anders aussieht als das, was uns erwartet hat, als wir oder unsere Eltern jung waren und in die Schulen gingen? Wie muss man die Schule anders gestalten? Zum anderen haben wir die zahlenmäßige Herausforderung einer schwankenden, volatileren und dazu räumlich ungleichen Entwicklung. Wir brauchen jetzt mehr Lehrkräfte, als wir haben, und mehr Stellen für Lehrkräfte, als momentan im Haushalt zur Verfügung stehen. Gleichzeitig werden wir in zehn, zwölf Jahren vor anderen Entwicklungen stehen. Wir werden Gegenden in Sachsen haben, für die es uns wichtig sein muss, die Schulstandorte zu erhalten und klüger zu agieren, als das in der Vergangenheit der Fall war. Wir werden auch erleben, dass die fast 34 000 Lehrerstellen, die wir auf der Spitze brauchen werden, in zehn Jahren in dem Umfang nicht mehr gebraucht werden. Wir müssen uns fiskalisch überlegen, wie wir das in eine gute Balance bekommen. Das Gute daran ist, dass unser Schulgesetz durch die zwei wesentlichen Novellierungen, die es in Jahren 2017 und 2020 gab, viele Instrumente bereithält, sowohl für die inhaltliche Frage einer Flexibilisierung der Stundentafeln – wir brauchen noch die Überarbeitung der Lehrpläne, wir haben mehr pädagogische Freiheit an den Schulen, die viele Kollegen und Kolleginnen gern nutzen – als auch strukturelle Elemente, die Flexibilität ermöglichen. Der jahrgangsübergreifende Unterricht ist angesprochen worden, zur Oberschule+ habe ich schon ausgeführt. Auch die Modellstudiengänge im Lehramt werden es uns erlauben, künftig viel bedarfsgerechter und bedarfsgenauer zu agieren. In einem System, das immer wieder Herausforderungen und Schwankungen unterworfen ist, tut man gut daran, nicht starr zu sein, sowohl in den eigenen Überzeugungen, als auch in den gesetzlichen Instrumenten, die man zur Verfügung hat. Die gute Nachricht ist: Wir haben flexible Instrumente. Wir schaffen es immer besser, sie zu nutzen. Ich denke, das ist ein Anlass, optimistisch in die nächsten Jahre zu blicken, dass uns die Entwicklungen auch in den kommenden Jahren nicht überrollen werden, sondern, dass wir sie aktiv und klug gestalten können. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD, der CDU, den BÜNDNISGRÜNEN und der Staatsregierung)
