landtag.sachsen.de ↗

Simone Lang

SPD 13.07.2022 Sitzungen 7/53

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Die medizinische Versorgung der Menschen in diesem Land ist nicht erst seit der Corona-Pandemie ein Thema, das viele beschäftigt und umtreibt. Als jemand, der aus dem Erzgebirgskreis kommt, weiß ich genau, wie hausärztliche Versorgung aussieht. Ich spüre ganz hautnah, was es bedeutet, wenn die Hausärztin vor Ort keine Nachfolge für ihre Praxis findet oder wenn man für so einen Termin, zum Beispiel beim Hautarzt, nicht nur ins Auto steigen muss, sondern auch über Wochen, wenn nicht gar über Monate hinaus auf einen Termin warten muss. Das Thema der bedarfsgerechten ambulanten Versorgung stellt sich nicht nur in Sachsen, sondern es stellt alle anderen Bundesländer vor dieselben Herausforderungen. Dabei ist eine gute Gesundheitsversorgung so grundlegend, dass jede und jeder einen Anspruch auf bedarfsgerechte und bestmögliche Versorgung haben muss. Diese Überzeugung hat zur Folge, dass wir anders, als im Antrag der AfD-Fraktion suggeriert, bereits seit Jahren Maßnahmen ergreifen, um bedarfsgerechte Versorgung zu gewährleisten. Alexander Dierks hat das schon ausgeführt. Wir haben seit dem Wintersemester 2021 90 zusätzliche Medizinstudienplätze in Sachsen, davon 50 im Chemnitzer Modellstudiengang. Gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung fördert das Sozialministerium angehende Allgemeinmediziner(innen) mit einem Hausarzt-Stipendium. Die KV Sachsen unterstützt gemeinsam mit den gesetzlichen Krankenkassen Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung, die in einem Fachgebiet tätig werden wollen, in dem Versorgungsengpässe drohen, zum Beispiel Augenheilkunde, Psychiatrie und Psychotherapie für Kinder und Erwachsene oder Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Es gibt in Sachsen eine finanzielle Förderung bis zu 100 000 Euro, wenn Haus- oder Facharztpraxen übernommen oder neu gegründet werden. Mit dem Modellprojekt „Studieren in Europa – Zukunft in Sachsen“ werden in den Studiengängen jeweils 20 Studierende gefördert, die das Medizinstudium im deutschsprachigen Studiengang Humanmedizin an der Universität Pécs in Ungarn aufgenommen haben. Im Anschluss an das Studium absolvieren die Studierenden die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin hier in Sachsen und werden anschließend für mindestens fünf Jahre hausärztlich in Sachsen tätig. Seit dem Studienjahr 2020/2021 übernimmt das Sozialministerium die Förderung von zusätzlich 20 Plätzen. Themen wie die Ausnutzung von Möglichkeiten zum Bürokratieabbau, stärkere Delegation ärztlicher Tätigkeiten, sektorenübergreifende Versorgung, verschiedene Versorgungsmodelle, zum Beispiel in Form von medizinischen Versorgungszentren oder in Form einer kommunalen Poliklinik-Plus liegen bereits auf dem Tisch, und zwar in Bund und Land. In dieser Diskussion darf man nicht aus dem Blick verlieren, dass die Anzahl der Ärzte und Ärztinnen seit 1991 um 6 291 angestiegen sind. Damit kommen jetzt auf 100 000 Einwohner und Einwohnerinnen 454 Ärzte und Ärztinnen. 1991 waren es noch 259. Unterschiede bei der Versorgung zeigen sich allerdings durch die regionale Konzentration von verschiedenen Fachrichtungen. Die hohe Arztdichte in Leipzig und Dresden – auch das sagte Herr Dierks schon – resultiert in hohem Maße aus überdurchschnittlich vielen im spezialisierten stationären Bereich in den Fach- und Universitätskliniken beschäftigten Ärzten und Ärztinnen. Diese versorgen allerdings Patienten und Patientinnen aus ganz Sachsen und darüber hinaus. Auch die ambulante Versorgung in den sächsischen Krankenhäusern ist ein wichtiger Baustein im Gesundheitsnetz. Wie bereits erwähnt, liegen die Themen nicht nur auf dem Tisch, sondern sie werden auch regelmäßig in zuständigen Ausschüssen, wie dem Gemeinsamen Bundesausschuss, der Sächsischen Landesärztekammer oder der Kassenärztlichen Vereinigung, diskutiert. Dabei wird nach Möglichkeiten für eine bessere Versorgung gesucht und diese dann umgesetzt. Wir erachten den zusätzlichen Erkenntnisgewinn einer derartigen Enquetekommission für recht überschaubar. Deshalb lehnen wir diesen Antrag ab. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD und den BÜNDNISGRÜNEN) Dritte Vizepräsidentin Luise Neuhaus-Wartenberg: Das war Simone Lang für die SPD-Fraktion. Gibt es weiteren Redebedarf? – Herr Schaufel für die AfD-Fraktion, bitte.

Alle Reden von Simone Lang Protokoll ↗