landtag.sachsen.de ↗

Georg-Ludwig von Breitenbuch

CDU 13.07.2022 Sitzungen 7/53

Sehr verehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Kollege Schreyer, Sie haben anscheinend immer noch nicht verstanden, was eine Aktuelle Debatte ist. Es geht hier um einen offenen Meinungsaustausch in diesem Plenum. Es geht eben nicht um schon gefasste Anträge oder Gesetzesentwürfe. Deshalb ist diese Vielfalt der Diskussion für uns etwas Wichtiges. Daher haben wir dies als CDU-Fraktion heute angesetzt. Uns ist auch das Thema Handwerk wichtig, weil wir wissen, dass die Unternehmerinnen und Unternehmer in ihren Handwerksbetrieben für dieses Land eine enorme Rolle spielen. Es sind nicht nur die großen Fabriken, sondern es ist letztendlich auch diese Kleinteiligkeit des Handwerks, die die Dinge in die Fläche bringt und das mit großem Erfolg. (Vereinzelt Beifall bei CDU) Ich darf mich dem Thema Rohstoffmangel widmen. Wir hatten schon vor dem Ukrainekrieg Mangel, Verknappung an Holz, Aluminium, Kupfer und Kunststoffen. Alle haben das schon damals gemerkt. Jetzt ist es eklatant sichtbar. Gummi und Kunststoffe fehlen, beim Bau, bei den Fahrzeugen, auch gerade Elektrotechnik, aber teilweise auch ganz einfache Dinge wie Verpackungen oder Logistik. Der Tanker im Suezkanal ist uns allen noch vor Augen. Das hat sofort Auswirkungen auf die hiesige Lieferbarkeit hier und die entsprechende Umsetzbarkeit im Handwerk. Diese Knappheit einerseits hat dazu geführt, wie in der Marktwirtschaft üblich, dass die Preise steigen, was diese Knappheit signalisiert. Andererseits kommt noch die Inflation dazu, welche wir zurzeit erleben. Also das Teil kommt nicht und dann wird es auch noch teurer. Das bringt die Auftraggeber selbstverständlich nicht immer dazu, den Auftrag durchzuziehen, sondern der Auftrag wird storniert, weil man auf bessere Zeiten wartet. Was wird die Zukunft sein, wenn dieser Krieg nicht beendet wird, wenn diese Lieferketten, dieses globalisierte Miteinander, was wir seit den letzten Jahrzehnten kennen, nicht mehr funktioniert? Wir werden uns wieder auf höhere Lagerhaltung und Vorräte einstellen. Wir werden uns mit den entsprechenden Kapitalisierungs- und Liquiditätsanstrengungen uns absichern, die das für die Betriebe bedeutet. Wir kommen vielleicht – das sehe ich gar nicht nur negativ – zu längeren Produktzyklen, weil damit auch eine gewisse Sparsamkeit ins System kommt. Das Handwerk kann dann wieder mit Reparaturen Geld verdienen, weil Dinge länger am Markt sind und nicht ständig durch Neues ersetzt werden, was schon immer im Interesse der Industrie war. Wir können also eine Sparsamkeit leben, die ich nicht immer nur bei der Finanzpolitik unserer Staatsregierung und uns allen hier im öffentlichen Bereich positiv rede, sondern letztendlich auch im Bereich des Handwerks. Das wäre eigentlich eine positive und nachhaltige Entwicklung. Wir können und wollen uns wieder auf Eigenes verlassen, zum Beispiel auf den Bergbau von seltenen Erden in Sachsen und Europa. Wir können auch eigene Energiequellen – sprich: Braunkohle etc. – wieder positiver sehen, weil sie uns unsere Unabhängigkeit und Entscheidungsmöglichkeit bei den Dingen, die uns wichtig sind, wiedergeben und uns eben nicht in Sackgassen führen, aus denen wir zurzeit nicht herauskommen. Aber wir brauchen auch – da nehme ich das Beispiel Holz – eine positive Sicht auf die Dinge. Ein Beispiel: 1 000 Hektar Wildnis im Wermsdorfer Wald und damit keine Holznutzung dort und kein Holz für die Handwerker ist vielleicht auch nicht der richtige Weg, wenn wir über Rohstoffmangel sprechen. Das sind einige Anstöße von mir zu diesem Thema. Ich möchte noch einmal auf das Thema Motivation für die Unternehmer zu sprechen kommen. 40 000 Unternehmerfamilien stehen im Handwerk in Rede. Wir wollen, dass deren Kreativität erhalten bleibt. Als CDU hatten wir beim letzten Landesparteitag einen Antrag „Kleine Bauvorlageberechtigung“. Das hat jetzt hier Gesetzeskraft. Insofern waren wir es, die dies durchgesetzt haben. Ralf Peukert aus dem Kreisverband Landkreis Leipzig der CDU hat das angeschoben. Wir haben es umgesetzt. Das ist einmal ein gutes Beispiel, wie schnell man mit Entscheidungen von einem Landesparteitag hier in den Landtag kommen kann. Das ist ein Positivum, welches wir hier klar benennen können. Wir wollen aber nicht nur Kreativität, sondern auch langfristiges Denken in den Handwerkerfamilien erhalten und natürlich den Leistungswillen. Wir haben heute den Steuerzahler-Gedenktag. Über die Hälfte des Jahres haben wir jetzt für staatliche und öffentliche Dinge gearbeitet, bevor letztendlich das Geld bei den Bürgern selbst ankommt. Das macht einen immer nachdenklich, weil Motivation auch an dem hängt, was bei einem selbst ankommt. Fifty-fifty war immer eine gute Regelung. Wir sind jetzt schon drüber. Das heißt, auch hier sollten wir in nächster Zeit darüber nachdenken, was für Betriebe und Familienunternehmen motivierend ist. Was geben sie an ihre Kinder weiter? Und wie kann man hier in langfristigen Zyklen weiterarbeiten? Herzlichen Dank. (Beifall bei der CDU – Sabine Friedel, SPD, steht am Mikrofon.) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Für die AfDFraktion spricht Herr Abg. Zwerg. – Einen ganz kleinen Moment noch. Es gibt noch Bedarf nach einer Kurzintervention.

Alle Reden von Georg-Ludwig von Breitenbuch Protokoll ↗