Dr. Stephan Meyer
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Es ist heute hier für mich eine bewegende Rede; es ist nämlich meine letzte. Gleichzeitig ist es aber ein schöner Abschluss nach 13 Jahren, hier im Sächsischen Landtag zum Handwerksthema zu sprechen. (Beifall bei der CDU, den BÜNDNISGRÜNEN und vereinzelt bei der SPD – Beifall bei der Staatsregierung) Gleichzeitig ist es auch eine schöne Verbindung, weil es sowohl in der Politik als auch im Handwerk immer daran liegt, wie es die Menschen umsetzen, also: Die handwerklichen Arbeiten erkennt man daran, ob sie von Fachleuten umgesetzt worden sind. Bei der Politik ist es meistens so, dass man erst ein paar Jahre später merkt, ob Fachleute am Werk waren. (Zuruf des Abg. Dr. Rolf Weigand, AfD) Es geht um die Menschen, und das ist das Schöne, das uns an dieser Stelle verbindet. Ich möchte an die Ausführungen von Sabine Friedel anschließen und auch etwas speziell zum Thema Fachkräfteentwicklung sagen. Wir haben in Sachsen über 40 000 Betriebe mit 320 000 Menschen, die im Handwerk arbeiten. Entscheidend ist, dass der Altersdurchschnitt dieser Menschen 50 Jahre beträgt. Wir sehen also, dass wir in den nächsten Jahren einen enormen Nachholbedarf haben. Deshalb ist es ganz wichtig – das hat auch Sabine Friedel gesagt –, dass wir frühzeitig schon die Kinder in der Kita sensibilisieren müssen, wie interessant Handwerksberufe sind. Das kann man wirklich ehrlichen Herzens tun. Es gibt mittlerweile eine enorme Innovation im Handwerk, ebenso im Bereich von digitalen Anwendungen, aber auch im Bereich von Entlastungen. Wenn ich an das HWK-Bildungszentrum denke, bei dem das Thema Robotik vorgestellt wird, das auch künftig Handwerksberufe auch im höheren Alter möglich macht, dann stelle ich fest: Darin ist so viel Bewegung. Auch die Digitalisierung ist ein Bereich, der sehr viel möglich macht. Deshalb ist es wichtig, dass wir auch in der Politik positiv über das Handwerk sprechen – das sind Multiplikatoren – und dass wir eine stärkere Praxisnähe in der Schule erzeugen mit dem Ziel, dass auch die Handwerksbetriebe enger mit den Schulen kooperieren und frühzeitig junge Menschen an das Handwerk heranführen. (Beifall bei der CDU, den BÜNDNISGRÜNEN, der SPD und der Staatsregierung) Es sind, um die Zahl 7 % noch einmal in absoluten Zahlen auszudrücken, im letzten Jahr 5 444 Neuverträge geschlossen worden. Das ist eine sehr große Zahl. Gleichzeitig haben wir gegenwärtig noch 900 Ausbildungsplätze online ausgeschrieben. Wir werden jetzt viel Kraft in das Handwerk investieren müssen, um möglichst viele dieser Plätze auch besetzen zu können. Es ist aber auch wichtig – das wurde auch schon angesprochen –, Folgendes deutlich zu machen: Wenn ich einen soliden Handwerksberuf erlerne, steht mir die Welt offen. Ich kann auch später mit dem Meisterabschluss ein Studium absolvieren, wenn ich das möchte. Es ist nicht immer wichtig, ein Abitur zu haben und dann zu studieren und später womöglich keine Arbeit aufnehmen zu können, von der ich auch leben kann. Aber: Mit einem soliden Handwerksberuf steht mir die Welt offen. Es gilt aber auch deutlich zu machen, dass unsere Schul- und Bildungslandschaft durchlässiger ist als in den letzten Jahren. Ich möchte aber konkret noch ein paar Punkte ansprechen, die mir wichtig sind. Erstens ist das die überbetriebliche Lehrunterweisung. Wir haben es geschafft, mit einem ressortübergreifenden Programm den ESF zu überwinden und jetzt über ein Landesprogramm im Bereich der beruflichen Bildung zu verfügen. Gleichzeitig ist es befristet. Ich möchte uns als Haushaltgesetzgeber ermahnen, diese Fortführung im nächsten Doppelhaushalt auch sicherzustellen. (Beifall der Abg. Sabine Friedel, SPD) Es ist wichtig, dass wir die Bundesmittel abnehmen und damit vollständig das Handwerk unterstützen. Gerade auch die kleinen Unternehmen brauchen diese Lehrunterweisung, und es ist wichtig, dass wir das auch fortsetzen. (Beifall bei der CDU, der SPD und vereinzelt bei den BÜNDNISGRÜNEN) Zweitens ist das Thema Meisterbonus angesprochen worden. Dazu gibt es im Koalitionsvertrag eine klare Festlegung. Ich halte es für wichtig, dass wir diese Erhöhung, die wir als Koalitionspartner vereinbart haben, auch umsetzen. Ein dritter Aspekt, der heute noch nicht angesprochen wurde, ist, dass wir auf Zuwanderung angewiesen sind. Wir werden auch im Handwerk nicht umhinkommen, Menschen aus dem Ausland in unseren Arbeitsmarkt aufzunehmen. (Beifall bei der CDU, den BÜNDNISGRÜNEN und der SPD) Deshalb finde ich die Initiative der Wirtschaft auch sehr gut und wichtig, dass wir Menschen gezielt darauf aufmerksam machen, dass es eine Datenbank gibt, die möglichst auch kleinen und mittelständischen Unternehmen zugänglich wird, dass Angebot und Nachfrage zusammenkommen. Daher halte ich es für erforderlich, dass die Kammern und auch die Unternehmen eng in die Fortschreibung der Fachkräftestrategie zur Zuwanderung eingebunden werden, damit dort Nachfrage und Angebot zusammenkommen. Abschließend möchte ich sagen, dass Handwerk und ländlicher Raum, dem ich mich jetzt noch intensiver widmen werde, ganz eng verbunden sind. Sie sind eine wesentliche Säule der Wirtschaft. Es ist wichtig, dort attraktive Rahmenbedingungen zu schaffen, und diese schaffen in erster Linie die Kommunen, die Menschen vor Ort. (Zuruf des Abg. Rico Gebhardt, DIE LINKE) Deshalb: Vergessen Sie, vergesst nicht die kommunale Ebene! Sie ist ganz wichtig, um dort eine attraktive Lebensqualität zu schaffen. Das bedeutet: Wir brauchen mehr Planungsfreiräume, wir brauchen aber auch eine gute kommunale Finanzausstattung. Das möchte ich Ihnen gern mit auf den Weg geben. Ich möchte mich an dieser Stelle für die langjährige gute Zusammenarbeit mit den meisten hier im Raum bedanken, die von gegenseitigem Respekt auf Augenhöhe geprägt war. Ich wünsche allen vor allem Gesundheit, viel Kraft für alle Anstrengungen, die jetzt in den nächsten Wochen, Monaten, Jahren zu erwarten sind und von denen wir alle noch nicht wissen, in welche Richtung es geht. Und auch das möchte ich hier an der Stelle sagen: Behalten Sie den Respekt bei! Es geht um die Menschen im Freistaat Sachsen. Es geht darum, dass wir auch künftig dem Handwerk und allen Menschen vielleicht nicht einen goldenen Boden, aber vor allem einen fruchtbaren Boden bereiten. Dazu möchte ich künftig auf kommunaler Ebene beitragen. Ich danke für die Aufmerksamkeit. Alles Gute! Ich melde mich ab! (Starker, langanhaltender Beifall bei der CDU, den BÜNDNISGRÜNEN, den LINKEN, der SPD und der Staatsregierung) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Als Nächster erhält für die AfD-Fraktion der Abg. Schreyer das Wort.
