Christin Melcher
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte zunächst der Fraktion DIE LINKE sehr danken, dass sie den Kindertag zum Anlass genommen hat, heute diese Aktuelle Debatte zu führen. Gestern war der Internationale Kindertag, und auch ich möchte die Gelegenheit nutzen, allen Kindern und Junggebliebenen von Herzen zum Kindertag zu gratulieren. (Jens Oberhoffner, AfD: Danke schön!) Liebe Kolleginnen und Kollegen! Kinder brauchen Rechte, gute Bildung und eine Schule, die gute Laune macht – natürlich, darin sind wir uns einig. Für uns GRÜNE bedeutet das, wir wollen Schulen, in denen zukunftsweisendes, jahrgangs- und fächerübergreifendes Lernen möglich ist, in denen Kinder mitentscheiden dürfen und ihre Interessen und Perspektiven wesentlich stärker in den Mittelpunkt der Schulpolitik gerückt werden. Was wäre eine Schule, wenn Kinder mitentscheiden könnten? Ich bin der festen Überzeugung, diese Schulen wären bunter und vielfältiger. Die Schulgebäude wären innovativer, einladender, mit viel Platz zum Erkunden, zum Lernen, aber auch zum Ausruhen und auch einem Raum, um Faxen zu machen und Spiele zu spielen. Die Menschen, die in diesen Schulen arbeiten, wären so verschieden wie die Kinder und Jugendlichen, die die Schule besuchen, und die Meinungen und Entscheidungen der Schülerinnen und Schüler hätten ein wesentlich größeres Gewicht. Wir BÜNDNISGRÜNE wünschen uns, dass neue Wege und kreative Lösungen unterstützt und nicht ausgebremst werden. Wir wünschen uns moderne, gerechte und demokratische Schulen. Wir wollen die Eigenverantwortung von Schulen vor Ort wesentlich stärker unterstützen, wir wollen echte Ganztagsschulen mit multiprofessionellen Teams, längeres gemeinsames Lernen in Gemeinschaftsschulen und eine breite Vernetzung der Schulen im analogen wie im digitalen Raum. Der Rahmen für eine solche zukunftsgewandte Schul- und Unterrichtsentwicklung wurde mit der Schulgesetznovelle aus dem Jahr 2017 und zuletzt mit der Einführung der Gemeinschaftsschule und der Oberschule+ deutlich erweitert. Dass es mitunter dennoch an Flexibilität und Vielfalt in unserem Bildungssystem mangelt, zeigt das Beispiel der Grundschule „4 Jahreszeiten“ in Deutzen. Die Schließung einer Grundschule im ländlichen Raum sollte der Vergangenheit angehören. Doch bei der Schulschließung in Deutzen geht es um mehr. „Man muss so viel aufgeben“ hat eine Elternrätin gegenüber der Presse geäußert. Das stimmt auch. Eine ganztägig arbeitende Schule mit jahrgangsübergreifendem Unterricht, ein Lebensraum und der Mittelpunkt eines Gemeindewesens wurde geschlossen. Die Grundschule Deutzen stand aufgrund der geringen Schülerzahlen bereits 2016 auf der Kippe. Was die Schule damals gerettet hat, war ein neues Konzept: der jahrgangsübergreifende Unterricht. Bis heute gibt es in Sachsen nur neun Grundschulen – Deutzen eingerechnet –, die jeweils zwei Jahrgänge in einer altersgemischten Klasse unterrichten. Die Grundschule Deutzen schien gerettet. So hätte es weitergehen können und sollen – bis 2019 wegen erheblicher Mängel die Notauslagerung der Grundschule an den Standort der Grundschule in Neukieritzsch erfolgen musste – und nun das endgültige Aus wegen fehlender Fördermittel. Das sollte aus unserer Sicht schon aufgearbeitet werden. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir sind uns einig, dass Fördermittel zielgerichtet verausgabt werden müssen, dass die Beträge, auch wenn sie im aktuellen Doppelhaushalt noch mehr erhöht würden, selten zufriedenstellen, dass wir Schwerpunkte setzen müssen. Ich halte es aber für problematisch, wenn Schulstandorte gegeneinander ausgespielt werden. Ich finde es vor allem fatal, wenn Vertrauen und Engagement vor Ort zerstört werden. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich habe eingangs über unsere BÜNDNISGRÜNEN-Ideen und -Wünsche für gute Bildung gesprochen. Für den Schulstandort in Deutzen wünsche ich mir, dass die Ideen für eine Oberschule Plus vorangetrieben werden und wir als Politik mehr im Sinne der Kinder handeln. Vielen Dank. (Beifall bei den BÜNDNISGRÜNEN und der SPD)
