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Rico Gebhardt

Die Linke 01.06.2022 Sitzungen 7/51

Wir nicht!) Trotzdem kann man den Spruch ein bisschen umwandeln, nämlich sichere, preiswerte Energieversorgung ist die Voraussetzung für Wohlstand. Den wollen wir alle gerne haben und möglichst auch nicht darauf verzichten. Nun gibt es noch ein paar andere Anforderungen an die Energieversorgung. Zum Beispiel soll sie möglich CO - neutral sein. (Thomas Prantl, AfD: Das ist Kernkraft! – Zuruf von der AfD: Wie in Finnland!) Damit scheiden Kohle, Erdöl und Erdgas aus. Es sollen mit den Einnahmen, wo man die Energie kauft, möglichst keine Diktaturen oder Menschenrechtsverletzungen finanziert werden. (Lachen bei der AfD – Dr. Joachim Keiler, AfD: Mit chinesischen Modulen!) Damit scheiden auch wieder einige aus. (Holger Hentschel, AfD: Sollte stabil sein!) Die Produktion der Energie sollte möglichst keine Nebenwirkungen haben. Damit fällt Atomstrom weg, zumindest aus den Kraftwerken der derzeitigen Generation. Es soll nach Möglichkeit Mensch und Tier nicht belastet werden. Damit fällt der Wind weg. (Zuruf von der AfD: Ach, Mensch und Tier werden nicht belastet, wenn Windräder gebaut werden!) Es soll auch keine Beeinträchtigung des Landschaftsbilds geschehen. Damit sind wir wieder bei Wind, FreiflächenFotovoltaikanlagen und Kohletagebau. Also, irgendwann müssen wir uns entscheiden, was wir wollen. Wahrscheinlich liegt die Wahrheit wie bei vielen Dingen in der Mitte. Ich denke, Freiflächenanlagen sind kein Teufelszeug und auch nicht grundsätzlich abzulehnen, sondern man sollte einfach genauer hinschauen. Dann stellt man fest, dass diese Freiflächen-Fotovoltaikanlagen die wenigsten Nebenwirkungen haben, was ich vorhin geschildert habe, was wir nicht wollen. Es gibt zwei Typen von Freiflächenanlagen. Es gibt die herkömmlichen Anlagen, bei denen einfach möglichst viel Fläche mit Modulen zugebaut wird. Man ist jetzt aber dabei, die sogenannten Agri-PV zu etablieren, bei denen die gleichzeitige Nutzung der Flächen für Landwirtschaft und Stromerzeugung angestrebt wird. Das bringt verschiedene Synergie-Effekte der Fotovoltaikanlagen und der Landwirtschaft, das heißt: Reduktion des Bewässerungsbedarfs, Möglichkeit der Regenwassersammlung für Bewässerungszwecke, mögliche Verminderung der Winderosion, Nutzung der PV-Unterkonstruktion zur Anbringung von Schutznetzen oder Folien, Optimierung der Lichtverfügbarkeit für Kulturpflanzen durch nachgeführte PV-Systeme, höhere Effizienz der Module durch bessere konvektive Kühlung, höhere Effizienz durch bifaziale Module, Stromerzeugung sowie Diversifizierung des landwirtschaftlichen Einkommens. Wir hatten Ende des Jahres 2021 bereits eine installierte Leistung von 59 Gigawatt Peak, davon 75 % auf Dächern. Der Rest waren Fotovoltaik-Freiflächenanlagen. Wenn wir uns vom Weltmarkt unabhängig machen und all die Dinge umgehen wollen, die ich anfänglich geschildert habe, dann ist ein deutlicher Zubau nötig. Das Fraunhofer-Institut schätzt 300 bis 450 Gigawatt Peak bis zum Jahr 2045. Die Wissenschaftler schätzen weiterhin ein, dass rund 4 % der deutschen Agrarfläche ausreichen würden, um mit hoch geständerten AGRI-Fotovoltaikanlagen bilanziell den gesamten Strombedarf in Deutschland zu decken. Die Zahl 4 % sagt den Landwirten etwas. Das ist nämlich genau die Fläche, die sie aus Artenschutz- und Biotopgründen stilllegen sollen. Unabhängig davon bleibe ich dabei, dass diese Anlagen Vorteile bringen, zum Beispiel bei Sonderkulturen im Wein-, Obst- und Gemüsebau. Bei diesen empfindlichen Kulturen ist die Wertschöpfung auf der Fläche deutlich höher. Man kann die ganzen Maßnahmen, die zum Schutz vor Hagelschlag und Starkniederschlägen notwendig sind, gut mit diesen Anlagen kombinieren. Es gibt natürlich auch noch Herausforderungen, um das Thema Agri-PV besser zu etablieren. Da wäre zunächst die Herausforderung an die Landwirte, die lernen müssen, zwischen den Anlagen zu arbeiten und im Pflanzenbau mit den sich verändernden Lichtverhältnissen zurechtzukommen. Notwendig ist auch eine Anpassung von Planungsrecht und EEG-Regelung an die duale Nutzung. Wünschenswert ist – das wünscht sich auch der Berufsstand, der sonst bei Flächenentzug eher kritisch ist –, dass diese Freiflächen-Fotovoltaikanlagen auch auf Grünland möglich werden, denn die ökologische Wertigkeit von unter Fotovoltaik genutztem Grünland ist deutlich höher als bei intensiv genutztem Grünland. Gleichzeitig bieten die Fotovoltaikmodule einen gewissen Witterungsschutz für die Tiere. Und wie schon erwähnt wurde, ist die Einzäunung gleichzeitig ein guter Wolfsschutz. Das alles war jetzt ein Werbeblock für Agrifotovoltaik. Auch wenn die Zweifler und Verhinderer schnell genug kommen werden und wissen, was alles nicht geht, denke ich, dass die Wahrheit wie so oft in der Mitte liegt. Lasst die Landwirte die Chance nutzen und die Dinge sich entwickeln! Auch wenn Freiflächenfotovoltaik nur eine Brückentechnologie für andere Technologien ist, von denen wir heute noch nichts ahnen, oder vielleicht auch die AKWs der vierten Generation zur Verfügung stehen – die Technologie der Freiflächenfotovoltaikanlagen hat einen großen Vorteil: Der Rückbau ist unkompliziert, die vorherige Nutzung kann ohne größeren Aufwand wieder herbeigeführt werden. Ich bitte darum, den Antrag abzulehnen und den Landwirten die Möglichkeit zu geben, die Chancen, die diese Technologie bietet, zu nutzen. Danke schön. (Beifall bei der CDU, der SPD und den BÜNDNISGRÜNEN) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Kollege Heinz sprach für die CDU-Fraktion. Nun spricht für die Fraktion DIE LINKE Herr Kollege Böhme.

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