Sabine Friedel
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Was Bildung für den einzelnen Menschen ist, das ist Forschung für eine Gesellschaft: die Suche nach Erkenntnis, um die Welt besser zu verstehen und sich das Leben in ihr etwas zu erleichtern. Forschung bringt manchmal abstraktes Verständnis hervor und manchmal auch konkrete Dinge, wie sie bereits benannt worden sind: Porzellan, Kaffeefilter oder Zahnpasta. Man braucht für erfolgreiche Forschung eine ganze Menge: Es braucht kluge Menschen, kreative Köpfe, eine offene Gesellschaft, in der Wahrheit gesucht werden darf und weder verordnet noch geleugnet wird. Und es braucht natürlich auch die Bereitschaft, Forschung zu finanzieren. In Deutschland werden ungefähr zwei Drittel der Forschungsausgaben von der Industrie getätigt und circa ein Drittel von der öffentlichen Hand. Von diesem einen Drittel sind es wiederum ungefähr 30 %, die die Länder tragen. In Sachsen sind wir sehr weit vorn mit dabei, was die Ausgaben für Forschung angeht. Das ist wichtig und gut so, da wir hier das Fehlen von Industrie und von großen Forschungs- und Entwicklungsstandorten zu kompensieren haben. Deshalb ist es auch das Verdienst der ehemaligen Wissenschaftsministerin und des jetzigen Wissenschaftsministers, dass Sachsen bei den Forschungsausgaben auf Platz 3 im bundesweiten Vergleich liegt, was die Forschungsfinanzierung an Hochschulen angeht, sogar auf Platz 1. Diese öffentliche Forschungsförderung ist enorm wichtig; denn sie fließt vor allem in solche Forschungsprojekte und -gegenstände, für die es keinen Markt oder Kapitalgeber gibt, da man sie später nicht in Produkte kleiden und verkaufen kann, sondern weil die Erkenntnisse für das Gemeinwohl gut sind und es befördern können. Es ist dann Aufgabe von uns, der Politik, solche Forschungserkenntnisse in die Praxis umzusetzen. Ich will Ihnen drei Beispiele geben und beginne mit einem Beispiel aus Dresden: Die TU Dresden untersuchte im Auftrag des Kultusministeriums in den Jahren 2007 bis 2017 den sächsischen Modellversuch Gemeinschaftsschulen. Das Ergebnis dieses Forschungsprojektes war: Die Bildung von Schülerinnen und Schülern gelingt an Gemeinschaftsschulen genauso gut wie im gegliederten Schulsystem, und der Erwerb sozialer Kompetenzen gelingt besser. Auch wenn es erst eines Volksantrags bedurfte und noch immer recht langsam vorangeht, bin ich froh, dass wir diese Erkenntnisse umsetzen und nun Schritt für Schritt Gemeinschaftsschulen in Sachsen einführen. Ein zweites Beispiel: Im Auftrag des Bundesinnenministeriums wurde bereits im Jahr 2010 von Rambøll untersucht, wie vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und insbesondere des Rückgangs von Kinderzahlen die Schulbildung in den ländlichen Räumen organisiert werden kann. Der Abschlussbericht empfahl eine ganze Menge: jahrgangsübergreifenden Unterricht, eine höhere Selbstständigkeit der Schulen, eine Umorganisierung des Schulalltags und die Kooperation mit außerschulischen Partnern. Den jahrgangsübergreifenden Unterricht haben wir in Sachsen bereits drei Jahre später eingeführt, das waren damals Frau Kultusministerin Kurth und Herr Landwirtschaftsminister Kupfer. Er existiert immer noch und wir müssen, glaube ich, aufpassen, dass wir ihn auch erhalten. Der Rest kommt, auch wenn es nur langsam geht, Schritt für Schritt. Es ist gut, dass solche Erkenntnisse in Sachsen Fuß gefasst haben. Ein letztes Beispiel, das gar nicht so lange zurückliegt: Mit der Corona-Studie der Universität Leipzig haben wir zwei Pandemie-Jahre lang die politischen Entscheidungen rund um den Schulbetrieb begleiten lassen. Sie werden sich erinnern: In den Sondersitzungen der Ausschüsse haben wir viel über die Forschungsergebnisse diskutiert, es war ein ständiges Rückversichern und Anpassen. Insgesamt ist es uns, so glaube ich, gelungen, die Folgen der Pandemie, so gut es ging, abzufedern, die Schulen möglichst offen zu halten, das Infektionsrisiko für Kinder und Lehrkräfte einzudämmen und so viel Normalität wie möglich zuzulassen, um die Bildung der Kinder zu gewährleisten. Forschung hat also oft einen sehr praktischen, positiven Effekt auf das Leben von Menschen – einen Effekt, der – wenn man die Ergebnisse ernst nimmt – weit über die Annehmlichkeiten von gut gefiltertem Kaffee hinausgeht und die Lebens- und Zukunftschancen von Menschen wirklich beeinflusst. Es ist deshalb wichtig, sie zu fördern. Durch gute Worte und Würdigung in Reden wie diesen, aber vor allem durch gute Taten und ausreichend Finanzmittel. Dazu werden wir uns beim Haushalt wieder sprechen. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD, der CDU, den BÜNDNISGRÜNEN und der Staatsregierung) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Wir gehen in die nächste Runde. Wird von der CDU das Wort gewünscht? – Bitte, Herr Abg. Fritzsche.
