landtag.sachsen.de ↗

Antonia Mertsching

Die Linke 05.05.2022 Sitzungen 7/50

– Schneller denken ist das Motto. Herr Präsident! Werte Abgeordnete! Die Aktuelle Debatte der AfD ist reine Panikmache. (Oh-Rufe bei der AfD) Wie die Antwort auf Ihre Anfrage an den Bundestag bestätigt hat, haben wir keine Hungerkrise und auch keine Produktionskrise. Das Thema Ernährung ist immer eine Frage der Verteilung gewesen und ist es auch jetzt. Natürlich gibt es in Deutschland Menschen, die von Armut derart betroffen sind, dass sie sich jetzt keine Nahrungsmittel mehr leisten können. Es ist auch so, dass die Tafeln teilweise keine Leute mehr aufnehmen. Deshalb haben wir schon immer gefordert, dass es ein Gesetz geben sollte, das die Supermärkte verpflichtet, Nahrungsmittel abzugeben, wenn sie noch genießbar sind, aber nicht mehr verkauft werden. Alles Weitere, was wir zu den steigenden Preisen als Angebote abgeben werden, werden nachher meine Kollegen Franz Sodann und Nico Brünler in unserer Aktuellen Debatte ausführen. Wichtig ist das Thema Nahrungsmittelverschwendung. Die Hälfte der Nahrungsmittel landet nicht auf dem Teller, weil es entweder von der Produktion nicht dorthin gelangt oder weil es verschwendet und weggeworfen wird. Ihre Panikmache befördert außerdem den Reibach, den einige Leute jetzt machen. Die reichsten Deutschen auf Platz eins, drei und sieben sind Dieter Schwarz und die beiden Albrecht-Brüder. Diese drei Leute besitzen zusammen 94 Milliarden Euro. (Carsten Hütter, AfD: Die haben dafür auch etwas getan, versuchen Sie es doch mal mit Arbeit!) Im Verhältnis dazu ist die jährliche EU-Subvention an Deutschland 6 Milliarden Euro. Da wissen wir doch, wohin das Geld geht. (Carsten Hütter, AfD: Die zahlen Steuern!) Dass die Lager immer noch voll sind und nicht zu den Nahrungsmitteln verarbeitet werden, die wir brauchen, zum Beispiel Öl, befördert die Spekulation weiter. Außerdem ist Ihre Aktuelle Debatte heuchlerisch. Seit wann interessieren Sie sich denn für den Hunger in der Welt? (André Barth, AfD: Schon immer! – Unruhe bei der AfD) Die Flächen stehen weltweit unter Druck. Aber weshalb? Weil die Nachfrage nach tierischen Eiweißen und Fetten weiterhin steigt. Es muss ja immer unbedingt Fleisch gegessen werden. In Deutschland werden 57 % der Fläche für Futterpflanzen verwendet. Da sehen Sie doch, wo Sie einsparen können, um mehr Weizen anzubauen. Der Deutsche Bauernverband sagt auch, dass von den 1,4 Millionen Hektar ökologischen Vorrangflächen nur 250 000 Hektar für den Weizenanbau verwendet werden können. Das sind 1,5 % der landwirtschaftlich verfügbaren Flächen in Deutschland. (Carsten Hütter, AfD: Das wäre in der Planwirtschaft nicht passiert!) Um gleich mit dem Märchen aufzuräumen, dass wir die Welt ernähren müssten: In Deutschland stehen 16,6 Millionen Hektar für die Nahrungsmittelproduktion zur Verfügung. Aus dem Ausland verwenden wir 19 Millionen Hektar. Wir sind also viel abhängiger von der Nahrungsmittelproduktion im Ausland als das Ausland von uns. Das betrifft Brasilien, die Elfenbeinküste oder Indonesien. Da gibt es immer das Märchen vom Bevölkerungswachstum. Vielleicht schauen Sie sich einmal den Film „10 Milliarden – Wie werden wir alle satt?“ an. Dieser Planet kann genug Menschen ernähren, aber nicht, wenn alle so viel Fleisch essen, wie wir das in Deutschland tun. (Lachen bei der AfD) – Es ist so. (Beifall bei den LINKEN, den BÜNDNISGRÜNEN, der SPD und vereinzelt bei der CDU) Wenn es mit dem Konsum von Genussmitteln wie Kaffee, Schokolade und Fast Food so weitergeht, ist es auch kein Wunder, dass die Flächen verbraucht werden. Wir müssen uns nämlich fragen: Was wird eigentlich für wen angebaut? Das geht vor allem auf unser Konto, weil wir den anderen die Lebensmittel wegfressen. Ihre Aktuelle Debatte ist total zynisch. Für wen sprechen Sie hier eigentlich? Sie leugnen die ganze Zeit die Klimaerwärmung und die ökologische Krise. Die trifft aber gerade diejenigen, die wirtschaftlich am schwächsten sind. Ihre Politik der Verhinderung sorgt die ganze Zeit dafür, dass wir bei der nachhaltigen Entwicklung nicht vorwärtskommen. Ständig kommen Ihre Behauptungen, dass es ja auch Wissenschaftler gibt, die etwas anderes behaupten als 99 % der Klimawissenschaftler. (Proteste bei der AfD) Klimawissenschaftler sind nicht nur „Wetterwissenschaftler“, sondern Biologen, Hydrologen, Ökologen, Geologen, Physiker und Chemiker. (Starke Unruhe bei der AfD) Sie tun immer so, als ob die 99 % weniger wert wären als das 1 % von Leuten, die denken, dass sie vielleicht etwas anderes herausgefunden haben. (Glocke des Präsidenten – Beifall bei den LINKEN, der SPD und vereinzelt bei den BÜNDNISGRÜNEN) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Ich bitte um etwas Ruhe, meine sehr verehrten Damen und Herren.

Alle Reden von Antonia Mertsching Protokoll ↗