Jan-Oliver Zwerg
Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kollegen! Wie machen wir es denn nun? Schwierige Situation, nicht? Also, die erneuerbaren Energien, Photovoltaik und Windenergie, kommen bei der Primärenergieversorgung auf nur circa 2,3 %. Das müssen wir einmal so festhalten. Der angelobte Wind- und Solarpark im Tagebau, das wurde von den GRÜNEN schon erwähnt, soll 300 Megawatt Leistung haben. Das ist ein Witz. Das ist zu wenig. Was soll das bringen? Dann haben wir um die Mittagszeit, wenn der Stromverbrauch niedrig ist, viel Strom, und nachts liefern die Photovoltaikanlagen eben gar nichts. Bei Wind ist es ja nun auch nicht viel besser. Die Versorgungssicherheit ist also gleich null. Die Speicher – das haben wir schon tausendmal angesprochen – sehe ich noch nicht. Also entweder geben Sie nun einmal ein bisschen Gas, im wahrsten Sinne des Wortes, oder wir reden nicht mehr darüber, dass die Erneuerbaren Versorgungssicherheit bieten könnten. Wasserstoff: Ich habe mir einmal die Wasserstoffstrategie durchgelesen. Es tut mir leid, aber Konkretes und Zahlen: Fehlanzeige. Es tut sich nichts. Grüner Wasserstoff ist so ziemlich die ineffizienteste Energieform überhaupt: Sie stecken 4 Kilowattstunden hinein, um 1 Kilowattstunde herauszubekommen. Dann setzen Sie auf grünen Wasserstoff, den wir zeitnah nicht zur Verfügung haben werden. (Andreas Nowak, CDU: Wenn Sie den in wind- und sonnenreichen Gegenden produzieren, Herr Zwerg, dann funktioniert das schon!) Und, Herr Nowak, es wird so sein, dass wir diesen Wasserstoff zu größten Teilen importieren werden; das wissen Sie auch. (Andreas Nowak, CDU: Ja! Ist doch gut!) Da frage ich mich: Wo ist denn da die Unabhängigkeit Deutschlands oder der EU? (Andreas Nowak, CDU: Wenn Sie diversifizieren, wird das schon funktionieren!) Wir werden an der Kernkraft nicht vorbeikommen. Wir sehen in unseren Nachbarländern, dass das bereits stattfindet und dass es auch künftig stattfinden wird. Die Belgier lassen ihre zwei Kernkraftwerke, die eigentlich abgeschaltet werden sollten, eben doch am Netz. (Zuruf des Abg. Marco Böhme, DIE LINKE) Es wird nicht anders funktionieren. (Marco Böhme, DIE LINKE: Doch!) Flüssiggas aus Katar, das haben wir heute auch schon gehört – Stichwort Menschenrechte usw. Wir nehmen auch sehr gern das Fracking-Gas aus den USA. Aber ich sage Ihnen etwas: Wir haben in Niedersachsen riesige Gasfelder, da können wir auch Fracking machen. Tolle Idee, oder? (Lachen der Abg. Luise Neuhaus-Wartenberg, DIE LINKE) Aber das tun wir nicht – wir sind ja „sauber“. (Zuruf: Eben!) Wir sind sauber, aber wir nehmen das Fracking-Gas aus den USA. Wir nehmen auch sehr gerne den Atomstrom aus Frankreich oder den Kohlestrom aus Polen oder Tschechien – kein Problem für die deutsche Politik. (Zuruf des Abg. Henning Homann, SPD) Was für eine Doppelmoral, meine Damen und Herren! Welch eine Scheinheiligkeit! (Beifall bei der AfD) Die CDU, einzelne Politiker der CDU hatten ja jetzt die Idee, Nord Stream 1 eventuell abzuschalten, den Gashahn zuzudrehen. Das sind ungefähr 55 Milliarden Kubikmeter im Jahr. Das zu ersetzen würde bedeuten, dass ungefähr 20 Flüssiggastanker permanent zwischen den USA und Europa pendeln müssten (Zuruf von der AfD: Aber selbstverständlich!) und dass ständig zwei Tanker an den Terminals regasifizieren müssten, was etwa 20 Stunden dauert. Wir haben aber keine eigenen Terminals, also wird es noch ein bisschen komplizierter. Dann wird von GRÜNEN ins Feld geführt: Na ja, zur Not haben wir ja in Spanien und in Portugal Terminals, die schon vorhanden sind – dann nehmen wir diese. Die können Sie eben nicht nehmen, weil sie gar nicht mit dem europäischen Gasnetz verbunden sind. (Marco Böhme, DIE LINKE: Ja, aber die in Rotterdam!) – Wie viele sind das denn? (Zuruf von den LINKEN) – Genau. Und wer benutzt die? Deutschland im Moment nicht. Wir stellen uns beim Flüssiggas als Neukunde hinten an. Wir stellen uns als Neukunde an, es müssten also zusätzliche Kapazitäten geschaffen werden, weltweit, um unseren Gasbedarf zu decken. Deswegen sagen wir als AfD: Der Energiemix ist wichtig. Lasst uns verschiedene Standbeine behalten. Die Kohleverstromung läuft im Moment auf Hochtouren, sonst würde das hier überhaupt nicht weitergehen. Zweiter Vizepräsident André Wendt: Die Redezeit ist abgelaufen.
