Simone Lang
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Zu Beginn der Woche erreichten uns Schlagzeilen darüber, dass es in Sachsen wieder mehr Ärztinnen und Ärzte gibt, 354 mehr als im Jahr 2020. Über 18 700 Ärztinnen und Ärzte sind demnächst in sächsischen Krankenhäusern, im ambulanten Bereich und in den Gesundheitsämtern tätig. So erfreulich diese Nachricht ist, so bleibt doch die Herausforderung, dass weiterhin viele Haus- und Fachärzte vor allem auf dem Land fehlen. Das Problem zeichnet sich seit einigen Jahren ab und ist nicht auf Sachsen begrenzt, obgleich wir als Freistaat aufgrund der demografischen Entwicklung besonders hart betroffen sind. Studien und Umfragen zu Medizinstudierenden unter anderem von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung machen deutlich, dass junge Ärzte tendenziell lieber in Städten leben und arbeiten. Viele entscheiden sich gegen eine eigene Praxis und bevorzugen stattdessen eine Anstellung, um Arbeit, Familie und Freizeit besser in Balance zu bringen. In dieser Gemengelage brauchen wir ein Gesamtkonzept, um eine Tätigkeit im ländlichen Raum attraktiver zu machen. Das im letzten Jahr verabschiedete Landarztgesetz ist ein weiterer Baustein in diesem Paket, das die Sicherung der Gesundheitsvorsorge in allen Regionen sicherstellen soll. Langfristig können so gezielt Bedarfe in der hausärztlichen Versorgung im ländlichen Raum gedeckt werden. Mit der Einführung der Vorab-Quote bei den Hochschulzulassungen werden künftig 40 Medizinstudienplätze an Bewerberinnen und Bewerber vergeben werden, die sich verpflichten, für zehn Jahre in der häuslichen Versorgung tätig zu werden. Dabei gehen wir einen neuen Weg bei der Hochschulzulassung. Es zählt nicht nur maßgeblich der Abiturdurchschnitt. Es ist zum Beispiel entscheidend, dass wir vermehrt auf Menschen setzen, die berufliche Vorerfahrungen haben, ehrenamtliches Engagement im Gesundheitsbereich zeigen, die sich mit ihrer Studien- und Berufswahl auseinandergesetzt haben und einen guten Medizinertest ablegen. Natürlich setzen wir auch auf Menschen, die den Willen haben, als Landärztin und Landarzt tätig zu werden. Dies können die Studienbewerberinnen und -bewerber in einem zweistufigen Auswahlverfahren unter Beweis stellen. Die heutige Debatte möchten wir dafür nutzen, um auf die Bewerbungsfrist zum Wintersemester 2022/2023 aufmerksam zu machen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir erlauben uns keinen Aprilscherz, wenn am Freitag, dem 1. April, das Portal online geht und für 14 Tage, bis zum 15. April, geöffnet ist. Diese zwei Wochen sind für alle Bewerberinnen und Bewerber relevant, die bereits ein Abitur in der Tasche haben, um sich zum Beispiel aus der Berufstätigkeit heraus oder nach den entsprechenden Bundesfreiwilligendiensten für das Medizinstudium zu bewerben. Ja, uns ist bewusst, dass die Landarztquote allein das Problem nicht lösen wird. So ist diese Maßnahme nur ein Teil des 2019 verabschiedeten 20-Punkte-Programms für die medizinische Versorgung. Die Koalition packt es an. Seit dem Wintersemester 2021 gibt es 90 zusätzliche Medizinstudienplätze in Sachsen, davon allein 50 im Modellstudiengang in Chemnitz. Gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung fördert das Sozialministerium die künftigen Mediziner. Die KV Sachsen unterstützt gemeinsam mit den gesetzlichen Krankenkassen die Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung, die in einem Fachgebiet tätig werden wollen, in dem Versorgungsengpässe drohen, zum Beispiel Augenheilkunde, Psychiatrie, Psychotherapie für Kinder oder HNO. Es gibt in Sachsen eine finanzielle Förderung bis zu 100 000 Euro, wenn eine Haus- oder Fachpraxis übernommen oder neu gegründet wird. Mit diesem Modellprojekt „Studieren in Europa – Zukunft in Sachsen“ werden in den Studiengängen jeweils 20 Studierende gefördert, die das Medizinstudium im deutschsprachigen Studiengang Humanmedizin an der Universität Pécs in Ungarn aufgenommen haben. Im Anschluss an das Studium absolvieren die Studierenden die Fachweiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin in Sachsen und werden anschließend für fünf Jahre hausärztlich in Sachsen tätig sein. Seit dem Studiengang 2021 übernimmt das Sozialministerium die Förderung von zusätzlich 20 Plätzen. Finanzielle Anreize reichen nicht, das wissen wir. Medizinische Versorgungszentren und die Gründung kommunaler Polikliniken müssen ebenso Abhilfe schaffen wie eine stärkere Delegierung von medizinischen Aufgaben an Fachpersonal zur Entlastung. Es ist ein Gesamtpaket, das verstetigt werden muss. Stetes Bewerben und Fördern lohnt sich dennoch; denn der Beruf der Hausärztin und des Hausarztes ist ein schöner und sinnstiftender. Eine Tätigkeit in der ländlichen Region geht auch mit Vorteilen einher, die mit der Verbundenheit und dem Vertrauen von Patientinnen und Patienten einhergehen. Ich habe die Möglichkeit, Patienten über viele Jahre zu begleiten, und ich kann ihre Lebensumstände kennenlernen und Verhältnisse aufbauen. Diese Tätigkeit ist mit viel Dankbarkeit verbunden, daher hoffe ich, dass sich sehr viele bis zum April bewerben. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei der SPD, der CDU, den BÜNDNISGRÜNEN und der Staatsregierung)
