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Dr. Rolf Weigand

AfD 23.03.2022 Sitzungen 7/46

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Kommen wir zu dem, bei dem wir übereinstimmen. Ja, der Lehrermangel ist gravierend. Ja, der Lehrermangel ist das Ergebnis von 30 Jahren CDU-Politik in diesem Land. Ja, der Lehrermangel muss behoben werden. Aber der Antrag der LINKEN bietet dazu keine Lösung. Hier geht es nur um Quantität statt Qualität. Sie wollen noch mehr Lehramtsstudienplätze schaffen. Das lehnen wir ab. Wir wollen an die Ursachen heran, nicht nur an die Symptome. Dazu möchte ich zurückkommen auf eine Podiumsdiskussion des Lehrerverbandes im Oktober 2020, bei der ich zu Gast war. Dort wurde vorgetragen, dass von den damaligen 2 400 Lehramtsstudenten in der Regelstudienzeit nur 60 % fertig geworden sind. Herr Gasse hat das gerade angedeutet. 1 440 sind fertig geworden. Der Rest ist in der Regelstudienzeit nicht fertig geworden. Viele haben abgebrochen. Unser Ansatz ist, diese Abbrecherquote zu senken. Wir wollen Eignungstests, die wir bereits 2019 gefordert haben. Damals haben Sie diesen Antrag abgelehnt. Wenn ich mir die Abbrecherquote anschaue, stelle ich mir mit Blick auf meine Fraktion, in der es viele Handwerker und Selbstständige gibt, die Frage, ob diese, wenn sie zwei Stellen ausschreiben, dann drei Gesellen ausbilden, weil sie sagen, dass ein Drittel sowieso aufhört. Meine Damen und Herren! Wir müssen zur Leistungsgesellschaft zurückkehren. Das Ziel muss es sein, in der Regelstudienzeit fertig zu werden und nicht als Langzeitstudent zu versanden. Wir brauchen diese Eignungstests, weil wir sorgfältig mit dem Steuergeld umgehen müssen. Ein Student kostet den Freistaat im Jahr 8 550 Euro. Das Geld geben wir gern aus. Aber das Ziel muss es sein, in der Regelstudienzeit fertig zu werden. Kommen wir zu einem weiteren Punkt Ihres Antrages. Sie wollen noch mehr Work-Life-Balance. Bei der guten Situation der Lehrer frage ich mich: Wer fragt eigentlich den Maurer auf der Baustelle, ob er gern ein bisschen mehr Work-Life-Balance hätte? Wer sich für ein Lehramt entscheidet, sollte nicht nur die Verbeamtung, die Höhe des Einkommens oder die Anzahl zusätzlicher freier Tage im Blick haben, sondern sich im Vorfeld genau darüber im Klaren sein, worauf er sich einlässt. Frau Neuhaus-Wartenberg, Sie haben gerade gesagt: Die Lehrer haben keine Freiheit. Ich komme auf die Anhörung am 11. März zu Ihrem eigenen Antrag zurück. Da saßen wir hier zusammen. Ich glaube, wir haben das Gleiche gehört. Ein Unterrichtsjahr hat ungefähr 35 Unterrichtswochen, 25 sind durch den Lehrplan fest verplant, zehn sind frei verfügbar. In denen kann der Lehrer selbst gestalten. Das sind ungefähr 30 %. Da hat er schon einiges an Freiheit. (Zuruf der Abg. Luise Neuhaus-Wartenberg, DIE LINKE) Da können Sie nicht sagen, dass der Lehrer keine Freiheit hat. Wir müssen wirklich etwas gegen den Lehrermangel tun. Unsere Ansatzpunkte dazu sind erstens, noch mehr Ausbildung in die Fläche zu bringen. Die CDU ist das jetzt angegangen. Sie haben gesagt, dass Sie noch mehr in der Fläche ausbilden wollen. Unser Ziel sind pädagogische Hochschulen. Wir dürfen nicht nur in Leipzig, Dresden, ein bisschen in Chemnitz oder in Löbau – wovon Sie gesprochen haben – ausbilden. Wir müssen hinaus in die Fläche. Dort, wo die Lehrer gebraucht werden, müssen wir sie ausbilden, und zwar insbesondere – darauf möchte ich kurz eingehen – die Sonderpädagogik- und Förderschullehrer, die wir dringend brauchen. In Sachsen fehlen 230 Vollzeitstellen. Auch das haben wir im letzten Ausschuss noch einmal miteinander diskutiert. Ich hatte dazu eine Anfrage eingereicht. Nur 30 bis 40 % der Studenten kommen aus Sachsen. Wir sind eines der wenigen Bundesländer, die Sonderpädagogik ausbilden. Nicht alle Länder bilden deutschlandweit Sonderpädagogik aus. Dieses Problem müssen wir auch an die Kultusministerkonferenz herantragen. Herr Piwarz; ich bitte Sie, dass Sie das zu den Kollegen mitnehmen, damit jedes Bundesland versucht, dies an den Hochschulen aufzubauen, damit dort eine Ausbildung in Sonderpädagogik möglich ist. Wir wollen ein klares Bekenntnis zu den Förderschulen. Das sprechen wir immer wieder aus. Sie haben in Ihren Antrag hineingeschrieben, dass Sie die Gemeinschaftsschulen wollen. Wir wollen das mehrgliedrige Schulsystem erhalten. Ein zweiter Punkt, den wir fordern, ist eine Landlehrerquote analog zur Landarztquote. Ich habe zum Bereich Förderschullehrer/Sonderpädagogik eine Kleine Anfrage zum letzten Wintersemester gestellt. Wir haben mehr Bewerber als Studienplätze. Wir brauchen gesicherte Plätze für die, die sich entscheiden, in den ländlichen Raum zu gehen. Genau dort müssen wir die Förderschulen ganz besonders unterstützen. Das wird bis jetzt nur in Leipzig angeboten. Wir müssen hinaus in die Fläche. Ein dritter Punkt – ich wiederhole es noch einmal – sind die Eignungstests, damit die Lehramtsstudenten in der Regelstudienzeit fertig werden. Das ist nichts Neues und Besonderes. Das machen beispielsweise Bayern und BadenWürttemberg. Das sollten wir auch in Sachsen durchführen. Es soll vorher geschaut werden, ob der Student überhaupt in der Lage ist, später einmal als Pädagoge vor einer Klasse zu stehen, damit er nicht ganz am Ende, wenn er unterrichten soll, sagt: Hoppla, das ist ja nichts für mich. Meine Damen und Herren! All diese Vorschläge, die ich gerade nannte, haben wir als AfD in den letzten Monaten durch diverse Anträge unterbreitet. Sie haben das alles abgelehnt. Ihr Antrag enthält für uns keine konkreten Vorschläge, außer mehr Quantität statt Qualität. Ihr Antrag bietet für uns keine Lösung zum Lehrermangel. Ihr Antrag ist daher abzulehnen. Vielen Dank. (Beifall bei der AfD)

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