Hanka Kliese
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Einmal pro Legislaturperiode wird der Bericht zur Lage des sorbischen Volkes vorgelegt. Das findet in der Mitte der Legislatur statt. Das hat den Vorteil, dass die Ergebnisse des Berichtes noch in unser aktives Handeln einfließen können. Das gefällt mir besonders gut. Ich glaube, das könnte man auch mal bei anderen Berichten, die hier im Hause vorgelegt werden, überlegen. Mit dem Antrag setzen wir vier Schwerpunkte, denen sich der Bericht widmen soll. Einer davon ist die Frage, wie es gut gelingt, den Gebrauch der sorbischen Sprache zu beleben. Das ist wichtig, denn die Sprache ist essenziell für die Identität. Oder wie Heidegger sagte: Die Sprache ist das Haus des Seins. Rund um das Thema sorbische Sprache wurden im letzten, also im Fünften Bericht, vor fünf Jahren, eine ganz zentrale Herausforderung benannt, und das war – meine Vorrednerin ist schon kurz darauf eingegangen – das Thema Digitalisierung. Befürchtet hat man, dass die fortschreitende Digitalisierung die Nutzung der sorbischen Sprache zurückdrängen wird. Geschlussfolgert hat man, dass der Freistaat deshalb in die Digitalisierung des Sorbischen investieren muss, um einen Übergang für die Zukunft zu schaffen. Und daraufhin haben wir in Kooperation mit der Stiftung für das sorbische Volk im Haushalt eine Sonderförderung für ein digitales Sprachprojekt ins Leben gerufen. Diese Förderung – das hat Franziska Schubert schon erwähnt – trug Früchte. Damit wurde unter anderem die Sota-App, eine Übersetzungs-App, entwickelt, die jeder kostenlos nutzen kann. Diese ging vor einem Jahr online. Nun, ein gutes Jahr später, kommt eine neue, sehr gute Nachricht. Am 21. Februar, dem Tag der internationalen Muttersprache, hat das Unternehmen Microsoft Obersorbisch in seine Übersetzungssoftware, dem Bing-Translator, integriert. So können einzelne Sätze und ganze Dokumente nicht nur online, sondern auch in Office-Anwendungen übersetzt werden, und zwar mit Hilfe einer selbstlernenden KI, so dass das System mit jeder Nutzung besser wird. So kann die Befürchtung, dass das Digitale die sorbische Sprache zurückdrängen könnte, durchbrochen und das Sorbische in die Zukunft geholt werden. Das ist nicht die einzige erfolgreiche Idee, um die sorbische Sprache zu fördern. Unsere sächsische Lernplattform LernSax kann jetzt auch in sorbischer Sprache navigiert werden. Am Montag – das haben einige von Ihnen vielleicht vernommen – ist der Spieleklassiker Monopoly in der Sonderedition Lausitz in Niedersorbisch, Obersorbisch und Deutsch erschienen. Das heißt, es handelt sich hierbei um das erste dreisprachige Monopoly der Welt. Ich finde, das ist einen Applaus wert. Der gilt dann nicht mir, sondern denen, die Ideen eingebracht haben. Da können Sie ruhig klatschen. (Beifall bei der SPD, der CDU und den BÜNDNISGRÜNEN sowie vereinzelt bei der AfD) Dieses Monopoly wurde nämlich in einem sehr schönen Prozess erarbeitet, bei dem sich Bürgerinnen und Bürger beteiligen konnten. Das heißt, es konnten Bürgerinnen und Bürger Vorschläge einbringen, welche Städte und Sehenswürdigkeiten in diesem Monopoly zu sehen sein sollen. All das zeigt: Entwicklungen sind nicht vorgezeichnet, sondern beeinflussbar. Wir können diese Entwicklungen beeinflussen, genau wie die Bürgerinnen und Bürger das Monopoly beeinflusst haben, für das es schon 4 000 Vorbestellungen gibt. Einzelne Impulse können helfen, Entwicklungen voranzubringen. Deshalb wollen wir auch nach der Vorlage des nächsten Berichtes zur Lage des sorbischen Volkes wieder neue Impulse setzen und sind gespannt auf dessen Vorlage im Herbst. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD, der CDU, den BÜNDNISGRÜNEN und der Staatsregierung) Dritte Vizepräsidentin Luise Neuhaus-Wartenberg: Das war Hanka Kliese für die SPD-Fraktion. Für die AfDFraktion spricht jetzt Herr Peschel, bitte.
