Petra Köpping
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Als am 11.03. dieses Jahres die „KarriereStart“ eröffnet wurde, war besonders viel Andrang bei den Bereichen, bei denen es um soziale und Erziehungsberufe ging. Das hat mich sehr gefreut, und auf die Frage, warum Menschen einen sozialen Beruf ergreifen, kam immer wieder die Antwort: weil es eine sinnvolle Tätigkeit mit gesellschaftlichem Mehrwert ist. (Beifall bei der SPD) Das bedeutet tatsächlich eine Tätigkeit, die ein solidarisches Miteinander und den Gemeinsinn befördert. Ich will das gern einmal oben anstellen, weil das die Motivation ist, warum Menschen einen Sozialberuf ergreifen. Beschäftigte in den Erziehungs- und Sozialberufen schaffen für ihre Mitmenschen. Das sind Menschen, die für andere da sind. Sie stützen andere Menschen und sie geben Rat. Sie leiten junge Menschen und helfen ihnen, sich zu entwickeln, und sie schaffen ein Netz aus Solidarität. Die gesamte Gesellschaft profitiert davon. Jetzt komme ich noch einmal zu den Ausführungen des Kollegen Weigand, der die Corona-Pandemie angeführt hat. Ja, Herr Kollege Weigand, wir hatten jüngst die freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe zusammen. Unsere Kinderschutzbeauftragte, Susann Rüthrich, hatte zu einem gemeinsamen Talk eingeladen. Wissen Sie, was man uns dort entgegengehalten, was man uns gesagt hat? Dass sich die Sprache bei Kindern und Jugendlichen massiv verändert hat, Sprache, die oft das reflektiert, was wir auf Facebook lesen, wo manchmal Eltern schreiben „meine Kinder“ und schreiben dort Texte, wo ich sage: Hoffentlich lesen das die Kinder nicht. Da hat sich etwas verändert, und da müssen wir ran. Da hat sich in dieser Gesellschaft viel zum Negativen geändert. Oft fehlt für diese Berufe – das wurde heute bereits erwähnt – der Respekt in der Gesellschaft. Menschen, die diese Leistungen in Anspruch nehmen, wissen, wie sie diese Leistungen zu schätzen haben. Das sind Mütter, das sind Omas, das sind Söhne und Väter. Die wissen natürlich, wie wichtig diese Arbeit ist. Aber – auch das ist heute gesagt worden – selbstverständlich müssen die Arbeitsbedingungen, Einkommen usw. der gesellschaftlichen Rolle dieser Berufe angepasst sein. Da stimme ich völlig dem Antragsteller bzw. den Gewerkschaften zu. Wir wissen aber auch, wie schwer es zunehmend ist, Personal im Bereich der Erziehungs- und sozialen Arbeit zu finden. So vergehen bereits bei den freien Stellen in der Kindertagesbetreuung im Schnitt 7,6 Wochen, bevor eine Neubesetzung erfolgen kann. Das trifft ebenso auf die Stellen für Hilfen in der Erziehung zu. Dort vergehen 13,5 Wochen, bevor eine Stelle neu besetzt wird. Deshalb verbessert die Staatsregierung seit Jahren Schritt für Schritt – alles auf einmal geht leider nicht – die Ausbildungs- und Arbeitssituation in den Erziehungs- und Sozialberufen. Ich würde jetzt doch noch einmal auf die einzelnen Branchen eingehen, weil sehr viel über die Kitas gesprochen worden ist. Im Bereich der Erziehungsberufe macht das SMK seit Jahren bzw. seit diesem Jahr ein Fachkräftemonitoring, um die Grundlage für eine Fachkräftestrategie in der frühkindlichen Bildung 2030 zu erarbeiten. Es wird Erkenntnisse zum Beispiel für den Bedarf bei Neueinstellungen, zur Erfüllung der aktuell geltenden Personalschlüssel oder auch zur Gestaltung weiterer Schritte zur Verbesserung der Qualität liefern. Außerdem ist eine Erweiterung der Ausbildungskapazitäten zum Schuljahr 2020/2021 vorgesehen, der Bildungsgang zum Erzieher und zur Erzieherin an vier weiteren Beruflichen Schulzentren in Zittau, Weißwasser, Berufsschulzentrum Dienstleistung und Gestaltung in Dresden oder auch Technik und Wirtschaft in Pirna. Auch das sind Schritte in die richtige Richtung. Im Rahmen der Ausbildung wurden weitere Verbesserungen geschaffen, zum Beispiel die Schulgeldfreiheit für Erzieherinnen und Erzieher, aber auch jetzt für die Gesundheitsfachberufe. Das war wirklich höchste Zeit, und es war in der Vergangenheit nicht zu begründen, warum das eigentlich so war. Zu den Sozialberufen: Im Kontext zur Kinder- und Jugendhilfe hat mein Haus eine Absolventenbefragung der Ausbildungsgänge für sozial- und heilpädagogische Fach- und Hochschulqualifikationen in Sachsen von 2019 bis 2021 durchgeführt. Dort haben wir wichtige Erkenntnisse gewonnen. Wir wissen zum Beispiel, dass acht von zehn hierbleiben möchten, dass der Grund für den Weggang oft immer noch die schlechte Bezahlung ist, und daran müssen wir etwas ändern. Außerdem sind es persönliche Motive wie die Familie oder der Wunsch, etwas Neues zu entdecken. Auch für Neueinsteiger werden die Bedingungen verbessert, und wir sollten ihnen den Einstieg in diese Bereiche erleichtern. Es ist bereits erwähnt worden, wie viele zusätzliche Stellen in den Kitas geschaffen worden sind, aber auch, dass die letzte Dynamisierung der Landeszuschüsse im Juni 2019 um 300 Euro erfolgte und der Finanzierungsanteil des LanZweite Aktuelle Strategische Souveränität der Energie, Klimaschutz, Wirtschaft und Antrag der Fraktion Es beginnt die Antragstellerin, danach folgen CDU, AfD, DIE LINKE, SPD und die Staatsregierung, wenn sie es wünscht. Ich erteile nun Herrn Dr. Gerber das Wort.
