Dr. Rolf Weigand
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ja, ob die Erzieher in der Kita, ob die Fachkraft in der Jugendhilfe oder bei der Arbeit mit hilfsbedürftigen Menschen, diese Personen die besonders in letzten beiden Jahren mit Kindern, Jugendlichen und hilfsbedürftigen Menschen gearbeitet haben, mussten über ihre Grenzen hinausgehen. Sie mussten oft sinnfreie Corona-Verordnungen umsetzen, vermitteln und durchsetzen. Am Beispiel der Erzieher möchte ich einmal auf ein paar Punkte eingehen. Sie mussten den Kindern zum Beispiel beibringen, dass Freundschaften, die sich da über Gruppen hinaus gebildet hatten, dass sie in der Kita Pause hatten, dass die Kita-Kinder nicht mehr miteinander spielen durften, dass dann abgewechselt wurde, der eine darf mal in den Sandkasten, der andere auf die Schaukel, dass diese Freundschaften auf eine gewisse Zeit auseinanderbrachen. Sie mussten die Kinder trösten, weil der typische schön gestaltete Kuchen oder der Geburtstagsteller mit Obst von der Mama nicht mehr mitgebracht werden durfte. Es gab dann nur noch Abgepacktes. Sie mussten miterleben, wie Kinder Figuren ohne Mimik malten, nur noch mit Masken. Es lastete ein wahnsinniger Druck nicht nur auf den Familien, sondern auch auf den Erziehern. Denen gilt unser herzlicher Dank. (Beifall bei der AfD) Aber Sie von den LINKEN wollten diese Maßnahmen immer noch härter und stärker. Sie wollten in SED-Manier Kontrollteams in die Kitas schicken, um zu schauen, ob die Hygienekonzepte umgesetzt werden. Sie wollten Lolli-Tests für die Kinder. Sie wollten Einschränkungen der Öffnungszeiten. Das hätte viel Diskussion für die Erzieher eingebracht. Sie haben die letzten beiden Jahre wirklich Druck auf die Erzieher ausgeübt. Ihre heutige Debatte zu besseren Arbeitsbedingungen ist reine Heuchelei, meine Damen und Herren. (Beifall bei der AfD) Aber ja, wir müssen über den Erzieherberuf sprechen und wie wir diesen attraktiver gestalten können. Wo liegen denn die Ursachen für Personalmangel und Überlastung? Punkt eins wäre das Problem der Altersstruktur der Erzieher. In Sachsen sind 32 % der Erzieher über 50 Jahre alt. Das ist aber nicht gleichmäßig auf das Land verteilt. Wir haben ein starkes Stadt-Land-Gefälle. In Dresden und Leipzig sind nur 25 % der Erzieher über 50 Jahre alt, in Görlitz oder Bautzen sind es aber 40 %. Hier müssen wir den ländlichen Raum attraktiver gestalten durch Straßenbau, durch Netzausbau und durch eine bessere ärztliche Versorgung. In Punkt zwei müssen wir über den Personalschlüssel reden. Da liegen wir immer noch über dem Schnitt der westlichen Bundesländer. Bei uns betreut eine Erzieherin bei den unter Dreijährigen über fünf Kinder, im Westen sind es 3,5 Kinder. Die Betreuungsquote ist bei uns besonders hoch. Hier müssen wir darüber sprechen, wie wir die Situation für Familien mit unter Dreijährigen freundlicher gestalten. Bei den unter Dreijährigen werden bei uns 53 % betreut, und das fast schon ausschließlich eine ganze Woche. Sachsen muss bei den unter Dreijährigen endlich familienfreundlicher werden. Das entlastet Familien und auch Erzieher. Deswegen setzen wir uns als AfD-Fraktion seit Jahren dafür ein, dass das Landeserziehungsgeld ordentlich ausgebaut wird. Wir wollen eine Verlängerung auf drei Jahre mit einer Steigerung auf 1 500 Euro. Jetzt sind es 300 Euro. Das schafft endlich Wahlfreiheit für die Eltern, dass sie sich entscheiden können, ob sie ihr unter dreijähriges Kind zu Hause betreuen oder in die Kindergrippe geben. Das entlastet auch die Erzieher und verbessert den Betreuungsschlüssel in der Kita. (Beifall bei der AfD) Des Weiteren müssen wir den Beruf aufwerten und damit den Personalmangel im ländlichen Raum bekämpfen. Die Altersstruktur habe ich gerade genannt. Wir als AfD setzen uns für eine Landerzieherprämie ein. Wir wollen 500 Euro extra für Erzieher zur Verfügung stellen, die sich für den ländlichen Raum entscheiden und dort fünf Jahre bleiben. So schaffen wir den Wandel, den wir von der Altersstruktur her im ländlichen Raum erleben. Wir werten den Erzieherberuf auf und schaffen es, das hinzubekommen. Sie, werte LINKE, haben all diese Vorschläge immer wieder abgelehnt. Sie wollen keine finanzielle Stärkung der Erzieher im ländlichen Raum. Sie sind gegen die Verbesserung der Betreuungsquote und auch gegen ein Landeserziehungsgeld. Das wollen Sie abschaffen. Ihr ehemaliger Parteivorsitzender Oskar Lafontaine hat mit der Kritik an Ihrer Partei vollkommen recht. Die Normalverdiener, wozu auch die Erzieher gehören, sehen sich in Ihrer Partei nicht mehr vertreten. Vielen Dank. (Beifall bei der AfD – Widerspruch der Abg. Susanne Schaper, DIE LINKE) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Jetzt folgen die BÜNDNISGRÜNEN; Frau Abg. Hammecke, bitte.
