Volkmar Zschocke
Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Jetzt haben wir die Cannabis-Debatte, aber ich glaube, das müssen wir heute noch nicht vertiefen. Herr Dornau, der Antrag „Regionale und hofnahe Schlachtung in Sachsen stärken“ wurde nicht abgelehnt, sondern wurde hier einstimmig beschlossen. Das wollte ich einmal sagen. Frau Springer hat es in ihrem Beitrag angesprochen: Woher kommt das Fleisch? Das Aufwachsen in einer Großstadt kann durchaus zu einer Entfremdung führen. Viele Kinder und Jugendliche kennen die Nutztierarten und Pflanzen kaum noch. Sie haben auch nicht gelernt, Mahlzeiten selbst zuzubereiten. Sie können nicht hinter die Fassade der schönen Werbung schauen und wissen noch nicht, dass das, was vielleicht als besonders günstig angepriesen wird, unter dem Strich oft sehr ungünstig für die eigene Gesundheit, für die arbeitenden Menschen, für die Tiere oder für die Natur ist. Die Vorredner(innen) haben darauf hingewiesen. Es ist daher dringend notwendig, die Verbindung zwischen Stadt und Umland wiederherzustellen und bei Hofbesuchen mit der Schule oder bei Bio-Erlebnistagen vor Ort das gesamte Thema Ernährungsbildung, worüber Frau Pfeil gesprochen hat, zu vermitteln. Die Beziehung zwischen Stadt und Region wird auch mit Bio-Regio-Modellregionen in den Blick genommen, so wie es in anderen Ländern jetzt schon der Fall ist. Frau Mertsching machte dazu Ausführungen. Die erste Region in Sachsen wirbt mit dem Motto „Regionalwert schaffen – Lausitz“ im Landkreis Görlitz. Hierbei geht es konkret um die Etablierung von kurzen Wertschöpfungsketten und beispielsweise um die Rückbesinnung auf alte Nutzpflanzenarten. Die zweite Bio-Regio-Modellregion „Stadt-Land-Brücke 4.0 – Lausitz goes Dresden“ – so heißt das – verbindet die Produzent(inn)en in der Lausitz mit den Konsument(inn)en hier in Dresden. Eine dritte Region soll in diesem Monat starten. Dazu wird wahrscheinlich der Minister noch ausführen. Mit dem Förderkonzept „Bio-Regio-Kantine“ unterstützt der Freistaat zudem den Einsatz regional erzeugter Lebensmittel und fördert so gesunde Ernährung in der Gemeinschaftsverpflegung. Hier kann die öffentliche Hand mit gutem Beispiel vorangehen. Es wäre zum Beispiel einmal interessant nachzufragen, welche regionalen Produkte in unserer Landtagskantine zum Einsatz kommen. Meine Damen und Herren, Verbindung entsteht aber nicht nur durch Einkauf in der Region, sondern auch in sogenannten solidarischen Landwirtschaften. Mehrere private Haushalte tragen die Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebes, wofür sie im Gegenzug einen Teil des Ernteertrags erhalten. So werden gute und schlechte Ernten solidarisch miteinander geteilt. Dieser persönliche Bezug der Familien zueinander schafft einen enormen Mehrwert für das Verständnis von Landwirtschaft und für die gesellschaftliche Kultur. In den inzwischen 21 Betrieben in Sachsen wird häufig Gemüse und Obst angebaut. Gerade dort ist der Selbstversorgungsgrad in Sachsen zwar sehr gering, doch es gibt eine steigende Nachfrage. Solche Konzepte haben nicht nur eine wachsende Bedeutung für die regionale Versorgung, sondern sie können helfen, das Negativimage der abgehängten Region zu überwinden. Auch bei der Flächenpolitik braucht es mehr Miteinander und Solidarität zwischen Stadt und Umland. Landwirtschaftsflächen sind nach meinem Dafürhalten die wichtigsten Gewerbeflächen, die wir haben, weil dort unsere Lebensmittel hergestellt werden. Doch viele Städte und Gemeinden weisen nach wie vor Gewerbe- und Wohnstandorte auf Landwirtschaftsflächen aus. Oft sind das kleine Flächen – anscheinend verzichtbar –, doch es ist ein schleichender Prozess. Geworben wird oft mit Sätzen wie: Hier wird perspektivisch nicht mehr geerntet, sondern gelebt!. Doch, meine Damen und Herren, wovon wird perspektivisch gelebt, wenn nicht mehr geerntet wird? Daher ist es notwendiger denn je, auf allen Ebenen den Grundsatz der Brachennutzung vor Nutzung unversiegelter Flächen konsequenter umzusetzen. Das kann der Freistaat nicht allein sicherstellen; diesbezüglich muss auch auf der kommunalen Ebene gearbeitet werden. Des Weiteren geht es auch um den besseren Zugang zu Agrarflächen für ortsansässige Landwirtinnen und Landwirte. Wir brauchen für Existenzgründer(innen) und Hofnachfolger(innen) bessere Chancen, in der Landwirtschaft zu starten. Das ist nicht nur gut für mehr Lebensmittel aus Sachsen, sondern auch für die Belebung der Dörfer. Vielen Dank. (Beifall bei den BÜNDNISGRÜNEN – Zuruf des Abg. Hans-Jürgen Zickler, AfD)
