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Volkmar Zschocke

GRÜNE 10.02.2022 Sitzungen 7/45

Vielen Dank, Herr Präsident. – Meine sehr verehrten Damen und Herren! 21 Minuten, BÜNDNISGRÜNE 18 Minuten, SPD 15 Minuten und Staatsregierung 30 Minuten. Die Redezeiten der Fraktionen und der Staatsregierung können auf die Tagesordnungspunkte je nach Bedarf verteilt werden. Die Gesamtredezeit je fraktionslosem Abgeordneten beträgt 4 Minuten; es wurde jedoch angezeigt, dass heute kein Redebedarf besteht. Meine Damen und Herren! Der Tagesordnungspunkt 8, Kleine Anfragen, ist zu streichen. Ich sehe keine weiteren Änderungsvorschläge zur oder Widerspruch gegen die Tabestätigt. Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich rufe auf Stunde aus Sachsen: Regionalwert gesunde Esskultur fördern BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Menschen im Mittelpunkt: Das modern und leistungsfähig gestalten Fraktion SPD E-Fuels zur Klimawende – alle im Verkehr sinnvoll einsetzen! Fraktion CDU 26 Minuten, SPD 23 Minuten und Staatsregierung dreimal 10 Minuten, wenn das gewünscht ist. Wir kommen nun zu Debatte Regionalwert schaffen, gesunde Esskultur fördern BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Der Debattentitel, den der Präsident vorgelesen hat, klingt freundlich; es wird aber sicher keine Wohlfühldebatte. Die Herausforderungen sind komplex, das Konfliktpotenzial ist massiv und die eine oder andere unbequeme Wahrheit muss ausgesprochen werden. Wer als sächsischer Landwirt, regionale Abgeordnete oder Abgeordneter oder auch als kritische Verbraucherin oder Verbraucher der global agierenden Lebensmittelindustrie mit ihrer – ich sage einmal – gnadenlosen Marktmacht gegenübertritt, fühlt sich schnell so winzig wie David gegen Goliath. Es gibt einige Gründe für diese aktuelle Debatte. Die Landwirtschaft steht unter dem Druck für Billigpreise zu produzieren und gleichzeitig gestiegene Umwelt- und Tierwohlanforderungen zu erfüllen. Dazu kommen Wetterextreme, Tierseuchen und Ertragsausfälle. Das alles kann existenzbedrohend werden. Ich treffe immer häufiger auf völlig verzweifelte Landwirtinnen und Landwirte. Zudem wurde gerade über die Unterstützung der einheimischen Betriebe in der neuen Förderperiode der EU sowie die Möglichkeiten und Grenzen der Selbstversorgung hier in Sachsen heftig gestritten. Es entstehen gerade aber auch neue Strukturen für regionale Verarbeitung und Vermarktung. Der Freistaat und die Koalition unterstützen diese neuen Wege. Es soll in dieser Debatte um mehr lebendige Kooperation zwischen Städten und ländlichen Räumen gehen, nicht nur bei der Ernährung, sondern auch bei der Flächenpolitik; denn der Flächenfraß schreitet ungebremst voran. Wir müssen über den Schutz von landwirtschaftlichen Flächen vor Versiegelung und Bodenspekulation reden. Nicht zuletzt führt auch die bundesweite Diskussion über Lebensmittelpreise zum Nachdenken über den notwendigen Wandel in der Esskultur. Meine Eltern gehörten einer Generation an, die noch Mangel und Hunger erlebten. Uns Kindern sollte es besser gehen. Sie bereiteten das Essen überwiegend selbst zu und bezogen uns dabei ein. Gegessen wurde in der Regel gemeinsam, und das Dankgebet war mehr als religiöse Routine – es war ein Ritual der Wertschätzung gegenüber dem Essen auf dem Tisch. Die Reste wurden aufgehoben und später gegessen. Das hatte auch ökonomische Gründe. Das Allerwichtigste, was wir zum Leben brauchen, hat allein in dem Zeitraum, in dem ich lebe, einen enormen Werteverfall zu verzeichnen. Die Theken und Kühlregale quellen über mit preiswerten Lebensmitteln und oft zu billigen Fleischprodukten. Obwohl seit Jahresbeginn einige Lebensmittelpreise steigen, kommt davon kaum etwas bei denen an, die die Lebensmittel anbauen und verarbeiten. Zu viele Tiere werden weiter unter fragwürdigen Bedingungen gehalten, zu lange und zu weit transportiert, um am Ende – als Fleisch – weggeworfen zu werden. Auch das Ausmaß der Lebensmittelverschwendung ist nach wie vor enorm. Diese ganze Entwicklung ist falsch. Sie schadet dem Klima, belastet unsere Gesundheit und drängt viele sächsische Betriebe in einen harten Wettbewerb zulasten der Erlöse, der Arbeitsbedingungen, der Umwelt und des Tierwohls. Die Auswege aus diesem Teufelskreis heißen: weniger Masse, mehr Qualität, mehr Wertschätzung, mehr Regionalität. Mehr Lebensmittel aus Sachsen bedeutet, dass die Urprodukte hier weiterverarbeitet und verwendet werden, anstatt in großen Mengen das Land zu verlassen. So entsteht ein Regionalwert, quasi ein gesellschaftlicher Mehrwert, der eigentlich noch größer ist als die rein wirtschaftliche Wertschöpfung. Der Sächsische Landesbauernverband hat als Werbung für Lebensmittel aus Sachsen eine Publikation mit 160 Hofläden herausgegeben. Seit 2014 forciert auch das Ministerium regionale Produkte mit dem Kennzeichnungssystem „Sächsisches Regionalfenster“ und einem eigenen Suchportal. Dort sind seit 2019 100 Anbieterinnen und Anbieter hinzugekommen – Tendenz steigend. Auch der Ansatz, Großverbraucher wie Kantinen und Gemeinschaftsverpflegung mit regionalen Herstellen zu vernetzen, funktioniert immer erfolgreicher. Die Zahl der Unternehmen, die nach dem Konzept der solidarischen Landwirtschaft arbeiten, wächst auch. Bio-Regio-Modellregionen gehen an den Start. Seit Jahresbeginn nimmt eine neue Agentur für Regionale Lebensmittel ihre Arbeit auf. Meine Damen und Herren, es gibt verschiedene Wege aus der Krise. Es gibt Möglichkeiten, wie man unser Ernährungssystem mehr als bisher für regionale Kooperationen öffnen kann.

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