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Petra Köpping

22.12.2021 Sitzungen 7/42

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordneten! Auch ich möchte mich sehr herzlich für den Antrag bedanken, da er ein Thema in den Fokus rückt, das uns während der zwei Jahre Pandemie wirklich auf der Seele brennt: Kinder und Jugendliche sind von der Corona-Pandemie besonders betroffen. Ich war selbst in Arnsdorf und habe mir dort in der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie zwei Mädchen anschauen dürfen, die, als die Schule wieder begann, Selbstmordgedanken hatten – aber nicht bei dem, was Sie denken, sondern es gab ganz andere Gründe dafür. Das macht schon sehr betroffen und natürlich auch sehr nachdenklich, keine Frage. Ich habe lange mit den Mädchen gesprochen, und sie haben mir hinterher einen wunderbaren Brief geschrieben, in dem sie sich noch einmal ausdrücklich dafür bedankt haben, dass wir miteinander gesprochen haben. Deshalb ist es wichtig, dass wir jetzt die möglichen psychischen Folgen mit ganz besonderer Aufmerksamkeit beobachten und im Bedarfsfall natürlich reagieren. Ja, wir sehen eine erhöhte Inanspruchnahme von therapeutischen, ambulanten und stationären Angeboten, und ja, wir sehen eine erhöhte Belastung bei den Kindern und Jugendlichen, die durch verschiedenste Studien gezeigt wurden. Aber psychische Belastungen sind nicht immer gleichbedeutend mit physischen Belastungen. Viele Kinder zeigen eine hohe Resilienz, und bei vielen Kindern verschwindet das erhöhte Belastungsempfinden auch wieder – aber eben nicht bei allen Kindern und Jugendlichen. Hierbei sind vor allem diejenigen gefährdet, die ohnehin psychisch vorbelastet waren oder die aus schwierigen Verhältnissen kommen. Wir müssen jetzt gut hinschauen und die erhöhten psychischen Belastungen sehr ernst nehmen. Für valide und belastbare Zahlen für Sachsen hat mein Haus im Oktober eine Studie zur psychischen Gesundheit von Schülerinnen und Schülern der 5. bis 10. Klassen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie in Auftrag gegeben. Im Rahmen dessen soll es eine besondere Berücksichtigung des zeitlichen Verlaufs vor und seit Beginn der Corona-Pandemie im März 2020 und damit einhergehender Schutzmaßnahmen geben. Die Ergebnisse der Studie erwarten wir Ende nächsten Jahres. Daran sieht man auch, wie lange so eine Studie dauert, um wirklich valide Zahlen zu liefern. Basierend darauf sollen Aussagen getroffen werden, inwiefern und in welchem Ausmaß die Pandemie Einfluss auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen genommen hat. Die Ergebnisse sollen aber auch Grundlage für unser weiteres Handeln und die Sicherung der kinder- und jugendpsychiatrischen sowie psychotherapeutischen Versorgung sein. Sehr geehrte Damen und Herren! Schon jetzt haben wir Maßnahmen ergriffen, um den psychischen Belastungen bei Kindern und Jugendlichen zu begegnen. Wir haben uns dazu entschieden, das Landesprogramm Suizidprävention an den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen auszurichten. Wir gehen damit an Oberschulen und Gymnasien in den sächsischen Kommunen und bieten den Schülerinnen und Schülern ein edukatives Präventionsprogramm an. Wir betreiben Aufklärung über psychische Gesundheit, Krisen und Suizidalität: Wie spreche ich einen Freund an, dem es schlecht geht? Wie kann ich mich selbst schützen? An wen kann ich mich wenden, wenn es mir selbst mal nicht so gut geht? Das Programm wird als Unterrichtseinheit zweimal 90 Minuten von Psychologiestudierenden durchgeführt. Für die Durchführung des Landesprogrammes selbst haben wir das renommierte Werner-Felber-Institut und das Netzwerk für Suizidprävention Dresden gewinnen können. Weiterer Bestandteil des Landesprogrammes ist die Entwicklung eines flankierenden Fortbildungsprogrammes für Personen, die im Schulkontext arbeiten: sogenannte Gatekeeper, wie Lehrkräfte, Lehramtsanwärter(innen) und Sozialarbeiter(innen). Sie sollen dazu befähigt werden, psychische Probleme und Suizidalität zu erkennen und ihre Schülerinnen und Schüler zur Inanspruchnahme von Hilfsangeboten zu motivieren. Neben der Kinder- und Jugendpsychiatrie haben wir in diesen besonderen Zeiten der Pandemie natürlich auch die Kinder- und Jugendhilfe im Blick. Auch sie gilt es zu stärken. Dafür wurden verschiedenste Maßnahmen und Programme initiiert. Frühzeitig wurde den Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe Priorität im Hinblick auf die Aufrechterhaltung der Öffnung auf der Grundlage unserer Schutzverordnung eingeräumt. Nicht in jedem Fall – dies ist heute bereits erwähnt worden – ist das so durchgezogen worden, aber in vielen Fällen; und manche haben sich telefonisch oder per Skype mit ihren einzelnen Betroffenen verständigt. Dem Kinderschutz und der Arbeitsfähigkeit der Kinder- und Jugendhilfe wird eine besondere Aufmerksamkeit eingeräumt. Derzeit sind Angebote der Kinderund Jugendhilfe grundsätzlich möglich und geöffnet. Damit können diese Angebote ihre Funktion als wichtige Anlaufstellen für die Kinder und Jugendlichen erfüllen. Im Übrigen waren wir damit eines der ersten Bundesländer, die so reagiert haben; auch das kann man an dieser Stelle einmal erwähnen. Verschiedene zusätzliche Programme sollen die Kinderund Jugendhilfe stärken. Dazu werden auch Mittel aus dem Aktionsprogramm „Aufholen nach Corona“ für Kinder und Jugendliche eingesetzt. Zusätzlich gefördert werden Angebote, Maßnahmen und Projekte auf örtlicher und überörtlicher Ebene. Auf örtlicher Ebene wurden den Landkreisen und kreisfreien Städten Mittel für Einzelprojekte und Schulsozialarbeit zur Verfügung gestellt. Zudem kommt die Erhöhung der Mittel für die Jugendpauschale – auch dies wurde bereits erwähnt – von 14,2 Millionen Euro im Jahr 2021 auf 15 Millionen Euro im Jahr 2022 den örtlichen Angeboten zugute. Gefördert wird damit auch das sachsenweite Programm „RE:Start“ zur Stärkung und Unterstützung von Jugendinitiativen im ländlichen Raum. Auf überörtlicher Ebene werden unter anderem Mittel für Bildungsmaßnahmen, für ein Fachkräfteprogramm in der Jugendarbeit sowie für Ausstattung und Digitalisierung bereitgestellt. Wir werden weiterhin eine Fachstelle zur Prävention sexualisierter Gewalt und eine Servicestelle Gewaltprävention auf- bzw. ausbauen. Gefördert wird auch ein Forschungsprojekt, das die Konfliktberatung in Familien sowie die Arbeitssituation von Fachkräften während der Corona-Pandemie untersucht. Im Jahr 2022 stehen weitere zusätzliche Mittel für das „Aufholen von Kindern und Jugendlichen“ zur Verfügung. Sehr geehrte Damen und Herren! Ich bin wirklich dankbar für diesen Antrag, da er den Fokus auf eines unserer Schwerpunktprobleme während der Corona-Pandemie legt. Wir wollen die Menschen schützen, die durch das Coronavirus besonders gefährdet sind. Mit diesem Antrag geben wir den jungen Menschen im Freistaat Sachsen eine Stimme. Lassen Sie uns gemeinsam den Kindern und Jugendlichen für ihr Engagement trotz ihrer Entbehrungen danken und etwas zurückgeben, indem wir uns um sie und ihre Belange kümmern – und neben dem Kümmern, indem wir als Erwachsene uns impfen lassen! Vielen Dank. (Beifall bei der SPD, der CDU und den BÜNDNISGRÜNEN) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Für die Staatsregierung sprach Frau Staatsministerin Köpping. Wir könnten nun zum Schlusswort kommen. Frau Kollegin Kuhfuß, bitte schön.

Protokoll ↗