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Sabine Friedel

SPD 21.12.2021 Sitzungen 7/41

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Gerade bei den Bildungsthemen ist es immer etwas schwierig, hier noch einen dritten Redebeitrag zu halten, da wir relativ oft sehr große Einigkeit haben. Ich finde es trotzdem schön, dass die Einigkeit so groß ist, den rhythmisierten Ganztag gar nicht so sehr zu wollen wegen der vielen Gründe, die in der öffentlichen Debatte immer wieder angesprochen werden: dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestärkt wird, dass Eltern entlastet werden, dass der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen aus dem Weg geräumt wird und dass nicht zuletzt der Ganztag dafür sorgt, die Hausaufgaben in der Schule und nicht zu Hause erledigen zu müssen. Das alles sind gar nicht unsere Motive, sondern uns eint tatsächlich als Motiv, dass wir möchten, dass sich Kinder in der Schule wohlfühlen, und dass wir uns bemühen, die Perspektive des Kindes einzunehmen und zu schauen: Wann fühlen sich denn Kinder in der Schule wohl? Sie fühlen sich in der Schule wohl, wenn sie in eine Gruppe eingebunden sind. Sie fühlen sich wohl, wenn sie stabile Bezugspersonen haben, die sie in verschiedenen Situationen erleben. Und sie fühlen sich wohl, wenn – zusammengefasst – das Lernen Spaß macht, wenn man nicht vormittags und nachmittags zwei verschiedene Tage erlebt, sondern wenn man sowohl in einer stilleren als auch in einer aktiveren Phase lernt. Der rhythmisierte Ganztag folgt dem Rhythmus des Kindes und nicht dem alten Denken: vormittags Unterricht und nachmittags Freizeit. Auch heute folgen Schulen an vielen Stellen einem Rhythmus, aber es ist oft nicht der Rhythmus der Kinder, sondern es ist der Rhythmus der Schülerbeförderung. Meine Kollegin Iris Firmenich hat es angesprochen. Es ist der Rhythmus der Lehrkräfte, die ein bestimmtes Interesse daran haben, wie ihr Tag abläuft. Es ist auch der Rhythmus der Stundentafel, die vom Ministerium vorgegeben wird, und nicht zuletzt der Rhythmus der beiden Träger, Schule und Hort, die miteinander zusammenkommen müssen. An manchen Grundschulen gelingt es, all diese Rhythmen hintanzustellen und den Rhythmus der Kinder in den Vordergrund zu bringen. An anderen Schulen gelingt es noch nicht, weil dort das persönliche Engagement der Leute, die mit den Kindern arbeiten, nicht so groß ist, dass die Hürden, die es zweifelsohne gibt, aus dem Weg geräumt werden. Es ist unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Hürden möglichst klein und am Ende vielleicht sogar ganz weg sind, sodass diese Zusammenarbeit gelingt. Wir haben in der letzten Koalition dazu schon eine ganze Menge auf den Weg gebracht. Der Qualitätsrahmen Ganztag ist erwähnt worden. Wir haben die Finanzierung der Ganztagsangebote mehr als verdoppelt, die Antragstellung entbürokratisiert und nicht zuletzt die Stundentafel flexibilisiert. Aber es gibt neben den im Antrag benannten Stellen, beispielsweise Betriebserlaubnisverfahren oder Anreiz durch mehrjährige Pauschalen, nach wie vor eine ganz wichtige Hürde: Das ist die Schranke zwischen Schule und Hort, die oftmals als finanzielle Schranke daherkommt und in der Folge zu einer Teilnahmeschranke für die Kinder und zu einer organisatorischen Schranke für die Schule und die Hortleitung wird. Deshalb ist es uns wichtig, im Rahmen eines Modellprojektes für eine ganze Kohorte so zu tun, als ob diese finanzielle Schranke nicht existiert, und zu sagen: Wir räumen euch diese Schranke einmal beiseite. Dann zeigt mal, liebe Schulleitung und Hortleitung, was eigentlich gehen kann, wenn diese Schranke aus dem Weg ist. Wir hoffen dann, dass wir nach vier Jahren Projektlaufzeit und rechtzeitig vor der Einführung des Ganztagsanspruchs mit einer wirklichen Lösung aufwarten können, die es verdient, für die flächendeckende Einführung eines rhythmisierten Ganztages als förderlich angesehen zu werden. Insofern wird uns dieses Projekt in den kommenden Jahren begleiten. Wir werden im Schulausschuss jährlich über die Fortschritte unterrichtet. Ich denke, es ist wichtig, dass wir am Ende die Rechtskreise, die Frau Firmenich angesprochen hat, tatsächlich ineinandergreifen lassen. Dazu wird noch einiges nötig sein. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD, den BÜNDNISGRÜNEN und des Staatsministers Sebastian Gemkow) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Die AfD-Fraktion; Herr Dr. Weigand, bitte.

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