Jan-Oliver Zwerg
Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kollegen! Die Merkel-Regierung, die Bundesampel und auch die sächsische Koalition hier im Hause haben sich entschieden, das einst effiziente und sichere Energiesystem zu einem Naturenergiesystem zurückzubauen, so, wie es vor der industriellen Revolution vorzufinden war: Kohle nein, Erdöl nein, Kernkraft auch nein, Gas nur übergangsweise. Ein hochentwickeltes Industrieland braucht zu jeder Zeit ausreichend Energie, Energiemengen, die erneuerbare Energien hier in Deutschland nicht ansatzweise liefern können. Das Jahr hat 8 760 Stunden. Fotovoltaik bringt hier in unseren Breitengraden nur circa 1 200, der Wind etwa 2 000 Stunden bei voller Leistung, und das nicht selten zur Unzeit. Werte Abgeordnete der GRÜNEN, der Strom lässt sich eben nicht im Netz speichern. Ein solches Netz existiert nicht, auch wenn Ihre Kollegin Baerbock den Bürgern das weismachen will. Wahrscheinlich würde Frau Baerbock auch ihren Finger in die Steckdose stecken und nach Strom bohren. Mit der Abschaltung – das wurde ja schon von Herrn Böhme gesagt – thermischer Kraftwerke sinkt der Effekt der rotierenden Massen. Deshalb will ich das nicht wiederholen. Die innere Trägheit wird geringer und damit das Stromsystem fragiler. Für Redispatch-Maßnahmen und den Einsatz von Reservekraftwerken bezahlten die Stromkunden 3,5 Milliarden Euro in den letzten fünf Jahren. An wind- und sonnenreichen Tagen werden Unmengen Überschussstrom erzeugt, der gegen Bezahlung ins Ausland abgegeben werden muss: an 298 Stunden im Jahr 2020 ein neuer Negativrekord. Wie Sie sehen, steigt die Menge und die Intensität der Netzeingriffe, und Deutschland ist nur mithilfe des Auslands in der Lage, seine Netzstabilität zu gewährleisten. Was im Moment noch ein ökonomisches Problem ist, kann schnell zu einem Versorgungsproblem werden, denn die sicheren stabilen Kraftwerke sollen abgeschaltet werden. Die Kernkraft soll bis Ende des Jahres 2022 und Kohlekraftwerke bis Ende des Jahres 2030 – neuerdings kursiert bei der neuen Bundesregierung diese Aussage – abgeschaltet werden. Der Zeitraum wird also immer kürzer. Dass Erneuerbare die wegfallenden Kapazitäten der Kohle und Atomkraft ersetzen, gilt selbst bei Energiewendefanatikern als ausgeschlossen. Zur Erreichung der Energiewendeziele müssen bis zu 140 neue Gaskraftwerke – der 300 Megawatt-Klasse – bis zum Jahr 2030 am Netz sein. Wir alle haben wahrscheinlich einen Politikbrief in Papierform der chemischen Industrie in Deutschland erhalten. Er enthält nur einen kleinen Hinweis auf den Strombedarf, der uns in den nächsten Jahrzehnten erwartet. Sie haben festgestellt, dass sie allein, wenn sie im Jahr 2050 völlig CO - emissionsfrei produzieren möchten, einen Strombedarf von 600 Terrawattstunden für diese Branche benötigen. Ich weiß nicht, ob die meisten das wissen, wie hoch derzeit der Strombedarf ist. Wir haben momentan in ganz Deutschland einen Strombedarf von 500 Terawattstunden. Hinzu kämen sämtliche Elektroautomobile und 5 Millionen Wärmepumpen, die noch geplant sind. Sie dürfen mir glauben, dass ich weiß, wovon ich rede. Ich habe circa 1 200 Wärmepumpen und 600 Gasheizungen verkauft. Asche auf mein Haupt. Ich habe seit Ewigkeiten in meinem eigenen Haus eine Wärmepumpe. Ich habe mir den Spaß gemacht, eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach zu montieren und einen Speicher zu installieren. Wissen Sie, warum ich das mache? Weil ich es kann und weil ich das Monitoring haben will. Nun komme ich auf das Unglaubliche, das hier stattfindet, zu sprechen: Aus der Braunkohle möchten Sie aussteigen. Damit verlieren wir in Deutschland immer mehr unsere Unabhängigkeit von den Rohstoffen. Das ist das Einzige, das wir als Energie zur Verfügung haben. (Marco Böhme, DIE LINKE: Sie wollen doch russisches Gas!) – Ja, genau, Herr Böhme, Sie sind richtig gut. Das russische Gas möchten wir nun auch nicht mehr. Das möchten wir auch nicht mehr. Unsere eigenen Kohlekraftwerke machen wir platt. Das Gas von den Russen möchten wir auch nicht mehr. Es sieht ziemlich dünn aus. (Beifall des Abg. Dr. Rolf Weigand, AfD) Ich bin einmal sehr gespannt, wie wir in Zukunft unsere Energie erzeugen wollen, außer eben mit Windrädern und Solaranlagen. (Zuruf des Abg. Rico Gebhardt, DIE LINKE) – Ja, natürlich. Ich bin jetzt auch ein Prepper. Es werden aber in Zukunft kaum Gaskraftwerke gebaut. Kaum ein Investor wird bereit sein, unter solchen wankelmütigen Bedingungen überhaupt noch einen Euro zu investieren. Wie stellen Sie sich das eigentlich vor? So funktioniert es nicht. Können wir uns überhaupt eine solche Doppelstruktur leisten: auf der einen Seite die Erneuerbaren und auf der anderen Seite die Gaskraftwerke? Zweiter Vizepräsident André Wendt: Die Redezeit ist leider abgelaufen.
