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Wolfram Günther

19.11.2021 Sitzungen 7/39

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Ich scheue mich ein bisschen, die Argumente alle noch einmal zu wiederholen, die hier in der Debatte schon vorgetragen worden sind. Ich weise gerne auf einen gewissen logischen Fehler hin: Hier wurde das Vorsorgeprinzip dargestellt und dass man nicht wissen könne, was sei. Erstens gibt es eine ganze Reihe von Studien, die genau belegen, dass von diesen Windkraftanlagen und von Infraschall eben keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen ausgehen. Das sind sehr viele Studien. Es gibt etwa eine ganz aktuelle Studie von Wissenschaftlern aus Hamburg, Berlin und Braunschweig. Sie haben mögliche negative Auswirkungen untersucht und haben etwa Signalstärken angelegt und unterstellt, die deutlich höher sind, als es überhaupt real ist. Dies haben sie über die Dauer von 28 Nächten getan. Ich kann Ihnen auch verraten, warum das so ist. Bei diesen modernen Windkraftanlagen geht es bei dem Infraschall, der vorhanden ist, um einen Druckunterschied am Ohr, der sich in einer Größenordnung dessen bewegt, der auftritt, wenn Sie normal spazieren bzw. auf und nieder wippen. (Norbert Mayer, AfD: Verharmlosung!) Da wir ja wissen, dass wir nach dem Spazierengehen hinterher nicht alle krank umfallen – ich will jetzt nicht noch all die anderen Quellen aufzählen, von denen Infraschall kommt –, ist das auch nicht weiter erstaunlich. Deswegen ist die reine Vermutung „vielleicht ja doch“ ein Glaubensgrundsatz, den Sie haben, aber eben genau das Gegenteil von Wissenschaftlichkeit. (Norbert Mayer, AfD: Sie verharmlosen Gefahren!) Vorsorgeprinzip heißt: Gibt es vernünftigerweise denn irgendeine Besorgnis? – Die gibt es nicht, weil eine ganze Anzahl von Studien dies ganz wesentlich zurückweist. Deswegen ist es nahe an religiösem Glauben, was Sie zu Ihrem Infraschall vortragen. Das ist leider so. Das immer wieder selbstreferentielle Vortragen wurde schon angeführt. Ja, die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe hatte diese irrsinnige Zahl genannt, die um den Faktor 4 000 zu hoch war. Bundesminister Altmaier hat sich erst dieses Jahr im April dafür entschuldigen müssen. Hier wird immer wieder vorgetragen, was die Energie leisten soll und dass sie zu einem bestimmten Preis zur Verfügung stehen muss. Wir haben heute erst darüber debattiert. Ich möchte Ihnen dazu die Zahlen nennen, einfach nur einmal so, damit sie diese zur Kenntnis nehmen können. Die gesamtgesellschaftlichen Kosten – die Summe aus Verkaufspreis, staatlicher Förderung und externen Kosten wie zum Beispiel den Entsorgungskosten – betragen aktuell für erneuerbare Energien wie der Onshore-Windenergie 8,8 Cent pro Kilowattstunde. Für Offshore sind es 18,5 Cent, für Steinkohle 23,3 Cent, Braunkohle 25,5 Cent und Atomkraft 37,8 Cent pro Kilowattstunde. Das sind die Preise. Das ist preiswerter Strom für alle Menschen. Selbst das ist totaler Irrsinn, was sie zu diesem Thema hier vortragen. (Norbert Mayer, AfD: Milchmädchenrechnung!) Ich erkläre gern noch einmal, warum an der Windkraft kein Weg vorbeiführt. Das ist auch wieder ein religiöser Glaube, obwohl es mehrfach wissenschaftlich widerlegt ist, dass keine gesundheitliche Gefährdung vorhanden ist. Was man aber weiß und mehrfach wissenschaftlich belegt – übrigens auch in der Praxis erlebt –, ist die gesundheitliche Gefährdung etwa aus der Atomkraft. Diese kennen wir. Die gesundheitlichen Folgen, resultierend aus der Verstromung der Braunkohle kennen wir. Wir haben das in der DDR lange Zeit erlebt. Das sind Punkte, die wir real festgestellt haben. Wir reden, wenn wir Klimapolitik machen, auch nicht davon, dass das der Hintergrund dafür ist, warum wir in die Erneuerbaren einsteigen. Wir hatten es heute Vormittag bereits besprochen. Es ist nicht der einzige Grund. Wir möchten auch energiepolitisch unabhängiger, widerstandsfähiger, also resilienter werden. Wir möchten uns von Importen und fossilen Rohstoffen unabhängiger machen, bei denen jetzt die Preise nach oben gehen. Es gibt viele vernünftige Gründe, warum wir das tun. (Norbert Mayer, AfD: Klimareligion!) – Danke schön. Ich habe kurz den Faden verloren. Das kann einmal vorkommen. (Zurufe von der AfD: Das ist der Infraschall!) Warum bauen wir die erneuerbaren Energien aus? Wir bauen sie aus energie- und klimaschutzpolitischen Gründen aus. Daran führt kein Weg mehr vorbei, weil wir uns international auf den Weg der Klimaneutralität begeben, international verbindlich, auch in der EU, auch bei uns hier in Deutschland. Wir brauchen für unseren Lebensstandard und als Industrieland Sachsen schlichtweg auch elektrischen Strom. Wir brauchen ihn auch für viele weitere Bereiche, in denen wir elektrifizieren. Es stellt sich folgende Frage: Woher kommt der Strom? Er kommt zu 100 % aus erneuerbaren Energien. Weil wir in Sachsen und nicht in Norwegen leben, wo man viel mit Wasserkraft arbeiten kann, kommt er in Sachsen nun einmal – aufgrund der natürlichen geografischen Gegebenheiten – wesentlich aus Wind und Sonne. Bei den anderen Möglichkeiten ist es eine Frage der Menge. Es gibt noch die Erdwärme oder Biogas. Sie finden alle statt. Es ist eine rein statistische Frage, wie viel wir dort herausziehen können. Deswegen liegt der Schwerpunkt auf dem Wind und der Sonne. Warum erzeugen wir nicht nur mit der Sonne Energie? Das wird auch gern vorgetragen. Das hat etwas mit dem Tagesund Jahreszeitenverlauf zu tun. Das hat auch wieder etwas mit der Natur zu tun. Deswegen brauchen wir die Windkraft. Wir brauchen sie. (Norbert Mayer, AfD: Wovon träumt dieser Mann nachts?) Das beinhaltet auch Marktchancen. Dort verdienen wir das Geld der Zukunft. Dort wird auch Innovation betrieben, dort findet sie statt. Dort gibt es Firmen, die das aufbauen. Wir haben vor allem auch die Unternehmen in Sachsen, die genau diesen Strom brauchen, weil sie hier sonst nicht produzieren werden. (Jan-Oliver Zwerg, AfD, steht am Mikrofon.) Dritte Vizepräsidentin Luise Neuhaus-Wartenberg: Gestatten Sie eine Zwischenfrage?

Protokoll ↗