Christian Piwarz
Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordneten! Kompetenzen der Medienbildung gehören zu den unverzichtbaren Voraussetzungen unserer digitalen Lebens- und Arbeitswelt, selbstbestimmt und verantwortungsbewusst teilhaben zu können. Dazu zählen Kenntnisse über die Produktion und das Verständnis der Wirkungsweise von Medien. Dazu zählt die Fähigkeit, sich in einer unendlichen Flut an Informationen zu orientieren und Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Dazu zählt ganz besonders auch, Inhalte und Quellen kritisch zu reflektieren, nicht zuletzt, um Falschmeldungen von seriösen Medieninhalten unterscheiden zu können. Genauso bedeutsam sind die technischen, kommunikativen und sozialen Fähigkeiten, um selbst angemessen an der Kommunikation teilhaben zu können. Dabei kommt heute niemand mehr an den digitalen, sozialen Medien vorbei, auch wenn die persönliche Kommunikation natürlich nicht an Bedeutung verliert. Medienkompetenz ist als Schlüsselqualifikation ein wichtiges und übergreifendes Erziehungsund Bildungsziel. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben in den letzten Jahren systematisch daran gearbeitet, die Medienbildung im Freistaat Sachsen zu stärken. Lassen Sie mich wichtige Schritte kurz in Erinnerung rufen. Erstens haben sich die Länder im Jahr 2016 in der Kultusministerkonferenz auf eine gemeinsame Strategie zur zukünftigen Entwicklung der Bildung in der digitalen Welt verständigt. Die Einbindung des verbindlichen Kompetenzrahmens zur Medienbildung soll danach explizit nicht in einem eigenen Fach, sondern fachspezifisch in allen Fächern umgesetzt werden. Zweitens hat Sachsen diesen Handlungsrahmen ein Jahr später mit einem konkreten Maßnahmenbündel untersetzt, mit der Konzeption Medienbildung und Digitalisierung in der Schule. An dieser strategischen Ausrichtung wurden externe Expertinnen und Experten, Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer, Elternvertretungen, die Universitäten Sachsens, die Kammern und Wirtschaft beteiligt. Drittens wurden alle Lehrpläne in allen Schularten und Fächern im Hinblick auf verpflichtende Inhalte der Medienbildung überarbeitet. Das entspricht der gemeinsam verabredeten Strategie der Kultusministerkonferenz und der sächsischen Konzeption. Wir möchten, anders als die antragstellende Fraktion, eben nicht isoliert entsprechende Kompetenzen in einem gesonderten Fach Medienkunde vermitteln und damit auch nicht die Verantwortung ausschließlich dem Fachlehrer in diesem einen Fach übertragen, sondern sie breit im Schulsystem verankern. Ich habe den übergreifenden Charakter von Medienkompetenz bereits betont und genau deshalb haben wir das in allen Lehrplänen verankert und Bezüge im Unterricht zum jeweiligen Fach hergestellt. Das kann in den Naturwissenschaften eine interessante Versuchsauswertung unter Programmierung des Smartphones sein oder im Politikunterricht eine Auswertung aktueller Diskussionsprozesse in sozialen Netzwerken. Zukünftig wird in allen Fächern auch das kooperative Lernen an Bedeutung gewinnen. Nach der neuen Lehrplangeneration wird an den Schulen im Freistaat Sachsen seit dem Schuljahr 2019/2020 unterrichtet. Wie wichtig die Stärkung der Medienbildung ist, zeigt uns die kürzlich von der Landeszentrale für politische Bildung veröffentlichte Studie zur Medienkompetenz in Sachsen. Sie war bereits Thema hier. Die Studie basiert auf einer Bedarfserhebung zwischen dem Dezember 2019 und März 2020 im Rahmen eines gemeinsamen Projekts, genannt Medienpädagogisches Zentrum+, der Landesmedienanstalt, des Landkreises Nordsachsens und des Kultusministeriums. Die Autoren der Studie stellen ein Kompetenzgefälle zwischen Stadt und Land fest, das offenbar auch durch die unterschiedliche Verfügbarkeit des Mediums Internet beeinflusst wird. Bei der älteren Bevölkerung identifizieren sie eher bedenkliche Einstellungen gegenüber Medien und Journalismus. Hierbei sind alle Träger der Erwachsenenbildung gefordert, niederschwellige Angebote zu unterbreiten. Besonders bewegt hat mich eine Zahl. Ein Fünftel der Bevölkerung in Sachsen glaubt, dass Presseartikel vor ihrer Veröffentlichung von der Staatsregierung freizugeben sind. Das ist ein Befund, der mich geradezu sprachlos gemacht hat. Wenn ich aber die immer bizarrer wirkenden Auftritte von Herrn Dr. Weigand zur Kenntnis nehme, dann erklärt sich manches durchaus von selbst. Das Kultusministerium wendet sich mit der Strategie Medienbildung in Sachsen und dem Angebot der Koordinierungsstelle Medienbildung auch an außerschulische Zielgruppen. Die junge Bevölkerung weist dagegen eher Wissenslücken auf. Darauf wird in Schulen zukünftig zu achten sein. Aus den Erfahrungen während der Pandemie ergeben sich auch Bedarfe für die Weiterentwicklung und Schärfung des Kompetenzrahmens zur Medienbildung. Die KMK-Strategie wird aktuell mit weiteren Aspekten des Lehrens und Lernens in der digitalen Welt ergänzt. Ein eigenständiges Fach Medienkunde ist auch perspektivisch nicht vorgesehen. In Sachsen stärken wir jedoch an ausgewählten MIT-Schulen – Medien, Informatik, Technologie – in Zusammenarbeit mit den Universitäten gezielt die Kompetenzen der Medienbildung und der Informatik. Davon sollen auch andere Schulen profitieren und das MIT-Netzwerk weiter ausgebaut werden. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Dank Ihrer Mittelbereitstellung im aktuellen Doppelhaushalt stehen insgesamt 7,5 Millionen Euro für die Initiative „Digitale Schule Sachsen“ zur Verfügung. Das versetzt uns in die Lage, auch zusätzlich gezielte Angebote im ländlichen Raum zu unterbreiten. Ich nenne exemplarisch das Projekt Fabmobil, das zum Ausprobieren von 3D-Druck und Coding von Robotik-Anwendungen einlädt und erlebbar werden lässt, welche spannenden Möglichkeiten informatische, technische und naturwissenschaftliche Berufe bieten. In der beruflichen Bildung werden Robotik und die künstliche Intelligenz zunehmend Einzug halten und Kompetenzen der Medienbildung fachübergreifend fördern. Ich habe nur einige wichtige Herausforderungen und Ziele sowie exemplarisch geplante Maßnahmen des Kultusministeriums beschrieben. Es sollte dabei deutlich geworden sein, dass die Aufgaben zu komplex und bereits aufwendig eingeordnet sind, als dass einfach einige Bildungsinhalte in einem neuen Einzelfach Medienkunde sinnvoll gebündelt werden könnten. Daher bitte ich um Unterstützung für unseren beschriebenen Kurs und rate zur Ablehnung des vorgelegten Antrages. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU, der SPD und der Staatsregierung) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Staatsminister Piwarz sprach für die Staatsregierung. Nun übergebe ich für das Schlusswort an Frau Kollegin NeuhausWartenberg. Bitte schön.
