Rico Gebhardt
Die am Gymnasium brauchen so etwas nicht, oder?) Es braucht – Herr Gebhardt, hören Sie genau zu – mehr Mathematik und Naturwissenschaften. Für die Industrie 4.0 – also vernetzte Systeme, Daten- und Informationsaustausch sowie die Programmierung und Steuerung von Geräten und Anlagen – braucht es keine Medienkompetenz, sondern auch fundierte Kenntnisse in Mathematik und Naturwissenschaften. Ein Beispiel aus der Praxis: Sie haben einen Glasschmelzofen und schmelzen darin Glas. Dieser wird normalerweise mit Gas beheizt. Sie wollen das jetzt hier ideologisch umstellen mit der Energiewende. Es kommt also bald Biogas oder Wasserstoff. (Marco Böhme, DIE LINKE: Zum Thema!) Was passiert? Der Wärmetransport in der Anlage verändert sich. Es entsteht mehr Wasserdampf im Raum, eine stärke Absorption. Sie bekommen weniger Wärme vom Gewölbe in die Schmelze rein. Jetzt sitzen Sie da. Sie haben zwar Medienkompetenz und können auf einen bunten Bildschirm klicken. Aber Sie verstehen den Prozess nicht: Sie geben mehr Feuer drauf, am Boden tut sich nichts und Sie schmelzen den Glasofen kaputt. Daher braucht es Mathematik und Naturwissenschaften, um komplexe Prozesse zu verstehen. (Rico Gebhardt, DIE LINKE: Ist das nicht Physik?) – Herr Gebhardt, wenn Sie zuhören und die Schule kennen würden, wüssten Sie, das Physik auch Naturwissenschaft ist. – Wer nur die Oberfläche eines Smartphones bedienen kann und immer schön Pappschilder gegen den Weltuntergang hochhält, aber komplexe Prozesse nicht versteht, meine Damen und Herren, der ist wirklich „bla bla bla“ und nicht eine Generation, die mit wenig Digitalisierung große Schritte im Umweltschutz gemacht hat. (Beifall bei der AfD) Aber zu Ihrem Fach Medienkunde: Wenn Sie in die Lehrpläne schauen würden, fänden Sie, dass es in Sachsen die Fächer Technik und Computer sowie Informatik gibt. Lehrinhalte sind zum Beispiel die Chancen und Risiken des Mediengebrauchs, Gefahren wie zum Beispiel die Mediensucht, aber auch Jugendschutz, Datensicherheit und Datenschutz. Sehr geehrte Damen und Herren! Der Datenschutz, also der Umgang mit persönlichen Daten, ist ein besonders wichtiges Thema, gerade in Corona-Zeiten. Wenn wir uns an die DDR zurückerinnern, fällt uns ein, dass die Kinder oft mit harmlosen Fragen ausgehorcht wurden; man wollte sich ein besseres Bild von den Familien machen. Es gab da die berühmte Frage nach der Uhr im Hintergrund des Nachrichtensprechers. So hat man herausbekommen, welcher Fernsehsender geschaut wurde. Heute heißen diese Fragen natürlich anders, zum Beispiel: Bist du gegen Corona geimpft? (Demonstratives Stöhnen bei der CDU) Oder: Haben sich deine Eltern gegen Corona impfen lassen? Was sind deine Eltern eigentlich von Beruf? Gib uns doch einmal deine Postleitzahl. Wo kommst du her? Haben deine Eltern die Maskenpflicht eingehalten? Haben deine Lehrer die Maskenpflicht eingehalten? Haben deine Klassenkameraden die Maskenpflicht eingehalten? – Dadurch wird heute der Datenschutz mit Füßen getreten. Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern Teil der aktuellen Schulbefragung. Forscher fragen Schüler in Sachsen, meine Damen und Herren – das ist ein wirklicher Skandal, der sich hier in Sachsen abspielt –, (Beifall bei der AfD) anstatt sich mit den wirklichen Problemen der Coronakrise zu beschäftigen, nämlich welche Auswirkungen das für die Kinder hat. Ich nenne zum Beispiel die Kindeswohlgefährdung mit einem Anstieg von 40 % in Sachsen, sexuelle Gewalt plus 25 %, körperliche Misshandlung plus 63 % in Sachsen. Das wären wichtige Fragen! Nein, Sie von der CDU-Fraktion wollen die unschuldigen Kinder aushorchen. (Staatsminister Christian Piwarz: Was für ein Quatsch!) Sie wollen unsere sächsischen Familien ausschnüffeln. Sie als CDU führen hier Stasimethoden durch und da stellen wir uns als AfD entschieden dagegen. (Beifall bei der AfD – Wortwechsel zwischen Staatsminister Christian Piwarz und Rico Gebhardt, DIE LINKE) Aber zurück zum Antrag der LINKEN. Sie verweisen in Ihrem Antrag auf den Schulversuch in Thüringen. Medienkunde soll also dort als eigenständiges Unterrichtsfach eingeführt werden. Sie vergessen aber dabei, dass das in Thüringen ein Wahlfach ist. – Herr Piwarz, sind Sie fertig? (Staatsminister Christian Piwarz: Bei Ihnen noch lange nicht!) – Sehr schön. Aha, noch lange nicht. Ich glaube, wir werden uns noch viele Legislaturperioden treffen, aber irgendwann sitzen Sie wieder da drüben. Das verspreche ich Ihnen. (Vereinzelt Beifall bei der AfD) Wenn Sie, liebe LINKE, genau hinschauen würden, was in Thüringen gemacht wird, und das mit Sachsen vergleichen, dann vergleichen Sie Äpfel mit Birnen. Und irgendwie sind Sie da inkonsistent; denn wenn Sie schauen würden, was Ihre Bundestagsfraktion zur Medienkunde sagt, sieht es anders aus. Dort findet man ein Positionspapier: „Medienbildung soll als schulartübergreifende Querschnittsaufgabe verstanden werden.“ So wird es in Sachsen durchgeführt. Jetzt kommt es: „Entsprechend erscheint ein eigenes Schulfach Medienbildung oder Medienkunde als wenig zielführend.“ Daher frage ich Sie: Was soll eigentlich hier Ihr Antrag? Haben Sie keine klare Linie bei den LINKEN? Weiß die linkere Hand nicht was die linke tut? Sie sagten es, Frau Neuhaus-Wartenberg, Ihr Problem ist der ländliche Raum. Ihr Problem sind die Wahlergebnisse. Ihnen passt das Wahlergebnis im ländlichen Raum nicht, Ihnen passt der frei denkende Sachse nicht, (Beifall bei der AfD –
