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Sebastian Gemkow

18.11.2021 Sitzungen 7/38

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordneten! Frau Kollegin Klepsch ist erkrankt. Sie hat mich gebeten, ihren Redebeitrag zu übernehmen. Wenn wir über die Arbeit von Museen sprechen, dann reden wir über weit mehr als nur das Ausstellen von Kunstwerken oder anderen Objekten. Wir reden auch über das Sammeln, die Dokumentation und die Erforschung der Exponate, kurz: die wissenschaftliche und kulturhistorische Erschließung. Das ist Standard in der Museumswelt, weshalb dieser Standard auch vom Internationalen Museumsrat entsprechend festgeschrieben worden ist, ein Standard, an den sich das Museum of Modern Art in New York genauso hält wie selbstverständlich auch die Staatlichen Kunstsammlungen hier in Dresden. Integraler Bestandteil der Museumsarbeit, auch in den SKD, ist deshalb Forschung an und zu den Objekten vor Ort, ein Auftrag, den die SKD mit großer Ernsthaftigkeit und im Bewusstsein der besonderen Bedeutung von Kunst und Wissenschaft wahrnehmen, wie sie in der Kunst- und Wissenschaftsfreiheit des Grundgesetzes und auch in der sächsischen Landesverfassung zum Ausdruck kommt. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wissenschaftliche Erkenntnisse sind nicht in Stein gemeißelt, vielmehr fußt die Forschung auch in der Kunstgeschichte auf einem sich ständig aktualisierenden Wissen. Sie bezieht aktuelle wissenschaftliche Einsichten ein, gerade auch durch den nationalen und den internationalen Austausch. Das schließt explizit Veränderungen ein, auch in der musealen Forschung. Museen wie die SKD begreifen die Objekte aus ihren Sammlungen nicht nur als Dokumente ihrer Zeit. Sie sehen sie bei ihrer Vermittlung und bei Forschungsergebnissen auch als Spiegel unserer heutigen Zeit. Das bedeutet, dass sich Sichtweisen, Erkenntnisse und auch Interpretationen wandeln können, zum Beispiel und vor allem auch durch wissenschaftliche Diskussionen und Disputationen. Gemeinsam erörterte Verfahrensweisen und Kriterien müssen dabei Richtschnur der wissenschaftlichen und folglich auch der musealen Praxis sein. Wissenschaftliche und museale Praxis ist insoweit das Ergebnis einer fachlichen Diskussion und wissenschaftlich argumentativer Auseinandersetzungen mit Gegenansichten – eine Selbstverständlichkeit im gesamten Wissenschaftsbetrieb. Wie die SKD versichern, erfolgen die Untersuchungen der Objektbezeichnungen nach genau diesem Prinzip. Vielleicht – das hat Herr Abg. Nowak schon gesagt – muss es in Zukunft stärker und besser gelingen, dieses Prinzip der wissenschaftlichen Debatte um die Objektbezeichnungen auch in der gesellschaftlichen, der öffentlichen Debatte zu transportieren, sowohl während des Prozesses der wissenschaftlichen Auseinandersetzung als auch in der Ergebnispräsentation, also in der Ausstellung selbst. Ganz sicher muss in Zukunft aber genauso klar wie heute sein, dass bei diesem Verfahren wissenschaftliche Standards eingehalten werden müssen. Das ist eine Aufgabe jedes einzelnen Museums, aber auch Aufgabe der gesamten Forschungsgemeinschaft, indem sie prüft und gegebenenfalls korrigiert. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die SKD stehen zu ihrem staatlichen Auftrag, Kunstwerke zu bewahren und zu schützen, sie auszustellen, aber eben auch zu erforschen und nach wissenschaftlichen Standards und Erkenntnissen der Öffentlichkeit zu vermitteln. Das Korrektiv bei der Erlangung dieser Erkenntnisse muss immer die gesamte Wissenschaftslandschaft sein unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Debatte. Greifen kann dieses Korrektiv aber nur, wenn Wissenschafts- und Kunstfreiheit garantiert sind. Der vorliegende Antrag fordert aber genau das, was der Staatsregierung fälschlicherweise vorgeworfen wird, nämlich eine politisch motivierte Umbenennung von Kunstwerken. Aber genau das wäre auch ein Eingriff in die Kunst- und Wissenschaftsfreiheit ohne verfassungsmäßige Rechtfertigung, und es würde die Grundprinzipien von Wissenschaft ad absurdum führen. Vielen herzlichen Dank. (Beifall bei der CDU, den BÜNDNISGRÜNEN und der SPD) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Für die Staatsregierung sprach Staatsminister Gemkow. Nun übergebe ich das Wort an die AfD-Fraktion für das Schlusswort. (Zurufe von den LINKEN: Nase!) Bevor ich Herrn Kirste von der AfD-Fraktion das Wort übergebe, möchte ich noch einmal auf die Verfügung des Präsidenten hinweisen, die Maske komplett zu tragen. Das ist bitte zu beachten. – Kollege Kirste, bitte schön.

Protokoll ↗