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Franz Sodann

Die Linke 18.11.2021 Sitzungen 7/38

– Nein, ich erlaube keine Zwischenfrage, Herr Präsident. – Auf die Komplexität der Geschichte von Kunstwerken und deren Namensgebung kann hier nicht explizit eingegangen werden, vielleicht nur so viel: Vor dem 18. Jahrhundert trug ein Großteil der Kunstwerke überhaupt keinen Titel. Erst mit der Verbreitung von Kunstmuseen sowie dem stärker werdenden Kunsthandel wurde dies überhaupt erst möglich. Mona Lisa zum Beispiel hatte keinen Namen. Der nachträglich deutsche Titel geht auf einen Rechtschreibfehler zurück. Die „Nachtwache“ von Rembrandt hieß nicht „Nachtwache“. Sie hatte keinen Titel und wurde vom Museum, das dieses Gemälde ausstellte, erstmalig die „Kompanie von Kapitän Frans Banning Cocq und Leutnant Willem van Ruytenburgh macht sich bereit zum Ausrücken“ genannt. Die eigentliche Kunst ist mithin in der Regel das Werk und nicht der Titel. Dieser ist – wenn nicht vom Künstler oder der Künstlerin selbst bestimmt – wandelbar im Fluss der Zeiten. Doch auch Namensgebungen selbst können hinterfragt und in einen gesellschaftlichen Diskurs eingebracht werden. Und in der Tat, es gab Echo in den Medien. Die AfD-Fraktion behauptet in ihrem Antrag: „Manche Zeitungen warfen den Staatlichen Kunstsammlungen vor, als Sprachpolizei zu agieren und sich in Political Correctness zu üben. Wer dann aber in einer Fußnote lediglich auf die Bild-Zeitung verweist, der führt bewusst in die Irre.“ In den Printmedien war überwiegend zwar nicht unkritisch, jedoch differenziert über die Umbenennungspraxis in der SKD berichtet worden. Die Generaldirektorin der SKD Marion Ackermann ist nicht bekannt dafür, sich öffentlicher Kritik zu verschließen. Das hat sie im Falle der Debatte über die DDR-Kunst auch gezeigt. Und wie man mit Fragen der Umbenennung weiter verfahre, kann sich Frau Ackermann als Teil einer öffentlichen Diskussion vorstellen, eine Art Bürgersprechstunde für unsere Forschungsabteilung einzurichten, damit die Menschen gerade nach dieser Debatte die Möglichkeit bekommen können, Einblick zu nehmen, wie Entscheidungen getroffen werden. Das ist doch genau der richtige Weg. Und hier kann ich dann auch zum Schluss kommen. Sie von der AfD-Fraktion hätten besser daran getan, ein Gespräch mit der Generaldirektorin zu suchen, um sich selbst ein Bild von der Umbenennung der Kunstobjekte zu machen. (Jörg Kühne, AfD: Das haben wir versucht!) Zwar bin ich mir sicher, dass auch Frau Ackermann Sie nicht hätte umstimmen können, ich glaube, da geht einfach nicht mehr viel bei Ihnen, aber womöglich wäre uns Ihr Antrag erspart geblieben. Auch wenn Sie es nicht wahrhaben wollen: Die Zeiten und Sichtweisen ändern sich. Und eins ist noch zu sagen: Regierungshandeln besteht nicht darin, kulturpolitische Verbote auszusprechen. Wir lehnen ab! Danke. (Beifall bei den LINKEN und der SPD) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Kollege Sodann sprach für die Fraktion DIE LINKE. Nun die Fraktion BÜNDNISGRÜNE, Kollegin Dr. Maicher.

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