Thomas Kirste
Sehr geschätzter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Manchmal kommt es vor, dass eine Kleine Anfrage mehr Wellen schlägt, als man das selbst vorher für möglich gehalten hätte. So ist es mir vor einigen Wochen ergangen. Ich hatte die Frage gestellt, welche Kunstwerke in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden in den letzten Jahren umbenannt worden sind. Die Antwort war für unsere Fraktion und insbesondere für mich überraschend. Mit Stand zum 10. September 2021 haben die Staatlichen Kunstsammlungen sage und schreibe 143 Herr Dornau, das hier ist aber der Landtag und nicht das Europaparlament. Es knirscht hier also nicht in der Koalition, sondern es sind einfach dicke Bretter, die hier zu bohren sind. (Zuruf des Abg. Jörg Dornau, AfD) Der Antrag beschreibt das Machbare und keine populistischen Forderungen und Versprechen. Wir wollen uns gemeinsam mit den lokalen Betrieben, mit der Wissenschaft und mit dem Bauernverband auf diesen Weg begeben. Wir sagen ehrlich, dass dies auch mit höheren Kosten verbunden sein kann. Billig zulasten von Mensch, Tier und Umwelt darf nicht der Vergleichsmaßstab sein. Das hat Kollegin Mertsching anschaulich geschildert. Natürlich ist das alles auch ein wichtiger Beitrag zur Verringerung unnötigen Tierleids. Deshalb bitte ich Sie um Unterstützung. Vielen Dank. (Beifall bei den BÜNDNISGRÜNEN, der CDU, der SPD und der Staatsregierung) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Kollege Zschocke sprach für die Antragsteller. Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich stelle nun die Drucksache 7/7819 zur Abstimmung und bitte bei Zustimmung um Ihr Handzeichen. – Vielen Dank. Die Gegenstimmen? – Vielen Dank. Enthaltungen? – Vielen Dank. Ich habe weder Gegenstimmen noch Stimmenthaltungen gesehen. Somit ist der Antrag einstimmig angenommen worden. Die Drucksache ist somit beschlossen. Dieser Tagesordnungspunkt ist beendet. Ich rufe auf mit der Rezeptionsgeschichte – von Kunstwerken durch Dresden zurücknehmen AfD, mit Stellungnahme der Staatsregierung neue Namen vergeben. Herr Gebhardt schaut so. Er will bestimmt ein Beispiel haben. Richtig? – Aus „dunkelhäutiger Mann“ wurde (Zurufe: Ein Mann!) – genau – „ein Mann“. Aus „Eskimo“ wurde (Zurufe: Inuit!) ein „Inuit“, richtig. Und besonders absurd: Aus „Zwerg“ wurde „Kleinwüchsiger“. (Heiterkeit) Auch selbst vollkommen wertneutrale Begriffe fielen der Zensur zum Opfer. Aus „Knabe“ wurde „Junge“, aus „Eingeborene“ wurde „Dorfbewohner“. „Türke“ ist wohl unterdessen auch schon ein verdächtiger Begriff. Titel wie „Vier Türken und ein Neger im Profil“ wurden nicht etwa zu „Vier Türken und ein Afrikaner im Profil“ umbenannt. Das wäre noch irgendwo verständlich gewesen. Nein! Der Titel heißt jetzt – zuhören – „Profilstudie von vier Männern mit Turban und einem Afrikaner“. (Rico Gebhardt, DIE LINKE: Vielleicht waren es keine Türken?) Ein unglaublicher Unsinn ist das, der eine Menge Geld kostet und für nichts ist. Es ist komplett irre, was hier passiert und was in den Staatlichen Kunstsammlungen vorgefallen ist. (Valentin Lippmann, BÜNDNISGRÜNE: Schlimm, schlimm, schlimm!) Leider ist Frau Klepsch nicht da, aber vielleicht hört sie zu. Frau Klepsch, haben Sie hier nichts Besseres zu tun? Ist das so eine Art Corona-Koller, der die Regierung hier erfasst hat? Jedes Jahr stehen den Kunstsammlungen über 25 Millionen Euro aus dem Staatshaushalt zur Verfügung. Warum geben Sie das Geld für solche absurden Umbenennungen aus und nicht für die Sicherheit unserer sächsischen Kunstwerke? (Beifall bei der AfD – Zuruf von der AfD: Das ist wohl wahr!) Vor zwei Jahren hatten wir im Grünen Gewölbe einen der peinlichsten Museumsdiebstähle der deutschen Geschichte. Ein überforderter Wachdienst, ein fehlerhafter Außenscanner mit einem toten Winkel und eine völlig veraltete Videotechnik, die selbst ins Technische Museum gehört. Dort hätte man die 25 Millionen Euro investieren sollen. Frau Ministerin Klepsch, wissen Sie eigentlich, was unter Ihrer Leitung in den Kunstsammlungen passiert? – Wohl nicht. Daher meine beiden Forderungen an Sie: Erstens, sorgen Sie bei den Kunstsammlungen für mehr Dienstaufsicht, und zweitens, sorgen Sie dafür, dass die schlimmsten Umbenennungen wieder rückgängig gemacht werden! (Beifall bei der AfD) Übrigens betrifft dies auch Umbenennungen, die nicht in meiner Kleinen Anfrage benannt worden sind, zum Beispiel die Malerei mit der Inventarnummer 3204. Das Bild stammt aus dem 19. Jahrhundert und heißt neuerdings „Schausteller*innen mit Pferdewagen und Bär“. Ich bin froh, dass der Bär nicht auch noch gegendert wurde zu Bär(innen) oder Bär*innen oder so etwas. Danke dafür. (Zuruf des Abg. Valentin Lippmann, BÜNDNISGRÜNE) Um genau solche absurden Fälle geht es in unserem Antrag. Wir wollen vor allem solche Bezeichnungen schützen, die einen historischen Charakter haben, Namen, die bereits vor vielen Generationen teilweise von großen Künstlern vergeben wurden. Solche Namen sind ebenso Teil unserer sächsischen Geschichte wie die Kunstwerke, die sie bezeichnen. Das beste Beispiel hierfür: der berühmte „Mohr mit Smaragdstufe“ aus dem frühen 18. Jahrhundert. Oder die Hottentotten-Figuren im Grünen Gewölbe. Angekauft wurden die im Jahre 1705. Wirken diese Namen heute unzeitgemäß? (Zurufe: Ja!) – Ja. Spielt das eine Rolle? (Zurufe: Nein!) – Nein. Nur, weil man etwas ändern kann, heißt es doch noch lange nicht, dass man das auch ändern muss. (Beifall bei der AfD) Mehr noch: Einen solchen Namen zu ändern ist ein Akt von Überheblichkeit, Überheblichkeit gegenüber den Menschen und dem Weltbild vergangener Jahrhunderte. Frau Klepsch, wieder eine Forderung an Sie: Sind Sie auch so überheblich wie die Kunstsammlungen? Vergreifen Sie sich an unserem kulturellen Erbe? – Wenn nein, stoppen Sie diesen Umbenennungsirrsinn, der hier passiert. Wenn man unbedingt etwas ändern will und es wirklich keine andere Lösung gibt, hier noch einige kosten- und zeitsparende Lösungen: Es hätte völlig ausgereicht, das Wort „Mohr“ in Anführungszeichen zu setzen oder das Wörtchen „sogenannter“ hinzuzufügen. Stattdessen haben sich unsere lieben Kunstsammlungen aber für den radikalen Weg entschieden. Der Mohr heißt jetzt „***“ und kommt nur zum Vorschein, wenn man vorher eine TriggerWarnung akzeptiert. (Zurufe) Die Kunstsammlungen argumentieren damit, dass viele der geänderten Bezeichnungen nicht von den Künstlern selbst stammen. Na und? Wenn ein Kunstwerk bereits seit 100, 200 oder 300 Jahren so heißt, wie es heißt, woher nehmen wir uns das Recht, Bilder von den Alten Meistern einfach umzubenennen? (Beifall bei der AfD) Ganze Generationen von Sachsen sind mit den Bezeichnungen groß geworden. Ist moralische Überheblichkeit wirklich angemessen? Bitte kommen Sie mir jetzt nicht mit der Behauptung, dass unser Antrag nicht umsetzbar sei. Es ist allein eine Frage des Willens, nämlich des Willens von Frau Klepsch. Ich bitte Sie Frau Klepsch: Stoppen Sie die Umbenennung! Stoppen Sie diese sinnlose Geldverschwendung und investieren Sie in die Sicherheit unserer sächsischen Museen! Vielen Dank. (Beifall bei der AfD) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Kollege Kirste sprach für die AfD-Fraktion. Nun folgt die Fraktion der CDU. Kollege Nowak, bitte schön.
