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Sabine Friedel

SPD 18.11.2021 Sitzungen 7/38

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vielen Dank für die Redebeiträge bisher. Ich habe von fünf Herausforderungen gesprochen. Die größte Herausforderung ist die Unsicherheit. Diese führt uns dazu, zu sagen: Wenn etwas unsicher ist und bleibt, muss man ein System flexibel gestalten, so, wie in Erdbebenregionen Gebäude gebaut werden, die nicht sofort einstürzen, sondern mitschwanken, wenn der Grund nicht ganz sicher ist. Zur Herausforderung unterschiedlicher Problemlagen: Ich möchte gern ein, zwei Beispiele nennen, weil vorhin wieder von der Landlehrerquote gesprochen wurde. Nehmen wir einmal das Erzgebirge. Wir haben dort nur ein Drittel eines Jahrgangs, das überhaupt das Abitur macht. Das heißt, nur ein Drittel aller Schülerinnen und Schüler kann überhaupt an die Universität gehen, und von denen müssen sich erst einmal welche entscheiden, Lehramt oder Medizin zu studieren. Wenn sie es geschafft haben, dann kehren sie ins Erzgebirge zurück. Aber die zwei Drittel, die nicht studieren können, stehen für solche Berufsausbildungen nicht zur Verfügung. Wenn ich eine so niedrige Abiturientenquote habe und demzufolge keine Lehramtsstudierenden aus dem Erzgebirge und demzufolge keine Lehrer, muss ich mir überlegen, wie ich im Erzgebirge die Abiturquote steigern kann, während ich mir in Leipzig, wo fast 60 % eines Jahrgangs ans Gymnasium gehen, überlegen muss, wie ich es schaffe, den Druck aus dem Bildungssystem zu nehmen, dass alle Eltern glauben, die Kinder müssen ans Gymnasium. Die Antwort auf die beiden völlig unterschiedlichen Probleme ist die gleiche. Ich richte eine Schule ein, an der man beides machen kann. Das ist die Gemeinschaftsschule, und das ist eine so einfache Formel, auf die man es bringen kann. Zweiter Punkt: Die Schülerzahlen steigen an, sinken dann wieder ab. Wir haben einen zeitlich versetzten Lehrkräftebedarf zwischen Grundschule, Oberschule und Gymnasium. Die einfachste Antwort, das System flexibel zu halten, lautet: Ich bilde Lehrkräfte aus, die nicht nur an der Oberschule oder am Gymnasium eingesetzt werden können, sondern Lehrkräfte, die das an beiden Schularten in der Sekundarstufe I machen können. Dann kann ich sie flexibel einsetzen, je nachdem, wo ich mehr Lehrkräfte brauche. Das ist das System der Stufenausbildung, und – wir haben es im Koalitionsvertrag vereinbart – wir müssen es machen. Das Kultusministerium muss die Lehramtsprüfungsordnung ändern. Das SMWK muss die Universitäten dazu bringen, diese Studiengänge einzuführen. Das dritte Thema sind die schwankenden Zahlen im Grundschülerbereich, die später wieder sinken. Der jahrgangsübergreifende Unterricht ist ein gutes Mittel. Er wird derzeit nur von sehr wenigen Grundschulen im öffentlichen Bereich angewandt, unter anderem deshalb, weil wir ihn noch nicht genug unterstützen. Wir haben nichts davon, jetzt zu überlegen, ob wir vielleicht noch mehr Studienplätze brauchen. Das ist der Prozess, der viel länger dauert. Wir haben auch ausreichend Studienplätze. Was wir jetzt überlegen sollten, ist: Wie schaffen wir es, die Lehrkräfte, die wir im Grundschulbereich haben, in den nächsten ein, zwei Jahren für den jahrgangsübergreifenden Unterricht fortzubilden? Das dauert keine sieben Jahre wie ein Lehramtsstudium, sondern das bekommen wir in weitaus kürzerer Zeit hin. Und wir brauchen mehr Lehrerstellen. Ich glaube, es ist dieser Koalition klar, dass das im nächsten Doppelhaushalt eine große Anstrengung sein wird. Dafür sind mehr Finanzmittel nötig. Wenn man es mal über den Daumen peilt, so sind es in den nächsten 10 Jahren ungefähr 2 500 zusätzliche Stellen zu heute. Wenn das mit Verbeamtung funktioniert und von allen mitgetragen wird, ist das okay; aber ich habe so meine Zweifel, weil wir schon jetzt an sehr vielen Stellen erleben, dass das Geld knapp ist, dass zusätzliche Mittel nicht ausgegeben werden sollen. Wenn das so ist, dann dürfen wir nicht an Lehrerstellen sparen, sondern wir müssen dann an den Kosten sparen, die wir zusätzlich organisiert haben. Alles in allem: Ich denke, die Rezepte liegen auf dem Tisch, die es braucht, um bei sinkenden Schülerzahlen Grundschulen zu erhalten. Und wir halten es für wichtig, alle Grundschulen zu erhalten. Die Rezepte liegen auf dem Tisch, um bei unterschiedlichen bzw. schwankenden Schülerzahlen, bei schwierigen Oberschul- und Gymnasiumsprognosen und -übergängen das Schulsystem flexibler zu gestalten und auch im ländlichen Raum das Schulnetz dicht zu halten: Das sind Gemeinschaftsschulen. Wir müssen mehr Gemeinschaftsschulen einrichten. Sie geben uns die Flexibilität. Die Rezepte liegen auf dem Tisch, um den Lehrereinsatz zu flexibilisieren. Wir haben es lange gefordert und in den Koalitionsvertrag hineinbekommen. Das muss gemacht werden. Das Stichwort ist Primarstufe plus für den Grundschulbereich und die Stufenausbildung für den Sekundarstufenbereich. Nicht zuletzt denken wir bitte alle daran: Wir müssen die Assistenzsysteme, die wir haben, gerade in den Städten verlässlich aufbauen, weil wir es hier über eine längere Zeit mit hohen Schülerzahlen und demzufolge auch – großen Klassen – Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Bitte zum Ende kommen.

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